Box-Legende Peter Salomon: 80 Jahre und kein bisschen leise

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Das Lübeck-Travemünder Erfolgsquartett bei der Feier im Luzifer, von links: Hans-Peter Siemons, Karsten Honhold, Peter Salomon und Christian Honhold

Das Lübeck-Travemünder Erfolgsquartett bei der Feier im Luzifer, von links: Hans-Peter Siemons, Karsten Honhold, Peter Salomon und Christian Honhold


Als aktiver Boxer hatte er mächtig Dampf in den Fäusten und war – nicht nur im Ring – äußerst willensstark. Heute ist er immer noch ein Macher und ein riesengroßer Optimist! Bester Beweis: Peter Salomons kurze, knackige Begrüßungsrede anlässlich seines 80. Geburtstages, den er im Restaurant Luzifer in Travemünde mit 50 Freunden und Wegbegleitern feierte. Das Geburtstagskind: „Damit das gleich mal klar ist, in zehn Jahren sehen wir uns hier alle wieder! Und jetzt wünsche ich euch viel Spaß“! Rumms, das war’s denn auch schon. Knackiger geht’s nicht – oder?
Klar, dass der Ex-Boxer (Karriere-Beginn 1948 beim ATSV Mölln) aber noch viel mehr zu sagen, zu erzählen hat. „Insgesamt 183 Kämpfe habe ich bestritten, nur 23 davon verloren, dazu kommen noch ein paar Unentschieden“. Und wie viele Meistertitel hat er sich erkämpft? Der ehemalige Mittel- und Halbschwergewichtler lacht: „Nicht einen einzigen. Entweder war ich verletzt oder konnte an Titelkämpfen nicht teilnehmen, weil mein Beruf Vorrang hatte“. Verständlich, denn Peter hatte einen guten Job bei den Stadtwerken in Lübeck.
Übrigens hatte sich der schlanke Peter auch an die dicksten Brocken herangewagt. „Ja, ich habe viele Kämpfe im Schwergewicht bestritten, obwohl ich eigentlich nie über 91 Kilo hinausgekommen bin. Aber mein Trainer Lothar Schwandt hat mir immer gut zugeredet, mir Mut gemacht. Du bist so schnell, hat er gesagt, die Dicken treffen dich doch gar nicht! Stimmte ja meistens auch.“
1959 wechselte Salomon nach Eutin, kämpfte hier zusammen mit den Scheibner-Brüdern. 1964 dann der Wechsel zum VfB Lübeck – als Trainer. Fünf Jahre später, 1969, wurde er Kampfrichter. Als dritter Mann im Ring machte Salomon sich auch hier einen guten Namen – nicht nur in Deutschland. In Polen, Irland und in der DDR wurde der Mann in Weiß häufig und gern eingesetzt. „Insgesamt war ich wohl so 2000 mal als Ringrichter im Einsatz. Den Peter Hussing, zum Beispiel, habe ich sechsmal im Finale der Deutschen Meisterschaften geringrichtert, auch Rene Weller musste nach meiner Pfeife tanzen. Mit den Jungs hat die Arbeit richtig Spaß gemacht“. In Schleswig-Holstein war der Mann in Weiß dann drei Jahre lang Kampfrichter-Obmann. 1991 beendete er schließlich seine Ringrichter-Laufbahn.
Doch damit war die Box-Karriere des in Stettin geborenen „Box-Verrückten“ noch lange nicht beendet. 17 Jahre lang war er Jugendwart des Verbandes, hatte großen Anteil an den Erfolgen von Christian Honhold, der sich die Deutschen Meistertitel bei der Jugend und den Junioren (gleich zweimal) sichern konnte. Zwischendurch gründete er u.a. mit Hans-Peter Siemons den Verein Lübeck ‘76, den heutigen BC Lübeck. Klar, dass ein Mann, der sich um den Boxsport so verdient gemacht hat, auch mal ein offizielles Dankeschön bekommen muss. Hat Peter Salomon auch. Der Deutsche Amateur-Box-Verband (DABV) zeichnete ihn 1982 mit der Goldenen Ehrennadel aus. Und was machte sein Heimatverband bisher? Nichts! Deshalb ist jetzt endlich auch die Goldene vom Schleswig-Holsteinischen Verband überfällig…
Und was macht der Peter heute noch in Sachen Boxen? „Ach, da bin ich eigentlich nur noch als Zuschauer unterwegs, häufig in Stralsund, Schwerin oder in Wismar“. Warum hauptsächlich im Osten? „Weil dort noch besonders gutes Boxen geboten wird und weil ich jetzt auch im Osten wohne, in Nord-West-Mecklenburg, in dem kleinen Ort Pötenitz“. Der liegt nur drei Kilometer entfernt von der Priwall-Fähre in Travemünde, zum Ostseestrand sind es knapp 1000 Meter, ins bekannte Ostseebad Boltenhagen ganze 17 Kilometer. 2012 ist Peter mit Ehefrau Sigrid („Wir sind jetzt 53 Jahre verheiratet“) dorthin gezogen. „Meine Tochter hat alles eingefädelt“, freut der Papa sich heute noch über den Coup. „Einfädlerin“ Sarah (35) wohnt auch in Pötenitz, direkt nebenan.
Und dann gibt es da noch einen Salomon: Sohn Frank, 53 Jahre alt, Polizist – und erfolgreicher Fußball-Trainer bei Strand 08 in Timmendorf. Das Boxen hat er auch ausprobiert (22 Kämpfe), holte bei der Polizei-EM sogar Bronze, aber den Fußball liebt er einfach mehr als den Sandsack. Trotzdem ist der Papa mächtig stolz auf seinen Sohn: „Der Frank hat sich richtig reingekniet, er hat meine Geburtstagsfeier ganz allein organisiert. Was ganz sicher nicht einfach war, denn er musste sich alle Adressen meiner Gäste selbst besorgen. Und nicht alle waren bekannt. Außerdem haben einige der älteren Herren ja zwischenzeitlich auch schon für immer Tschüs gesagt“.
Umso mehr freute sich der 80-Jährige über „seine“ Jungs, die im Luzifer bei leckerem Buffet und gekühlten Getränken mit ihm feierten – wie zum Beispiel Schleswig-Holsteins Box-Präsident Peter Johannsen, Walter Meier, Karsten Ramcke, „Huke“ Hartung, Arthur Kulick, Karsten und Christian Honhold, Hans Kordt, Jürgen Kunstmann, Hans-Peter Siemons und und und.
Und wie stuft Experte Salomon das Amateurboxen in Deutschland heute ein? „Oh, da sieht es ganz übel aus“, stellt er nüchtern fest. „Ich möchte fast sagen, es ist furchtbar. Es fällt mir einfach schwer, mich heute noch mit dem Boxen zu identifizieren. Da fehlt es an allen Ecken. Wo sind die guten Funktionäre, die Veranstaltungen aufziehen? Wo sind die Kämpfer, es dürfen auch ruhig wieder deutsche sein, wo die Lokalmatadoren? Die besten DABV-Amateure sind doch nach den Olympischen Spielen in Rio zu den Profis gewechselt. Und die Migranten und Flüchtlinge allein können und werden das Ruder auch nicht herumreißen. Ich fürchte, die meisten wollen auch gar nicht in den Ring, üben für andere Zwecke. Ich sehe da schwere Zeiten auf den Boxsport zukommen“.
Kann denn die WM im Sommer in Hamburg eine Wende bringen? „Ich glaube auch dann nicht an einen Aufschwung. Boxen ist eben nicht ganz einfach, das kann man nicht so nebenbei machen, Boxen ist ein schwieriger Sport, eine Kopfsache, für die man ganz viel Ehrgeiz, Willen und Mut mitbringen muss. Leider mussten wir ja die Erfahrung machen, dass die deutschen Jungs sich heute nicht mehr wirklich quälen wollen. Und was die WM in Hamburg betrifft, ich bin nicht sicher, ob die Hamburger das überhaupt hinkriegen“.
Übrigens feierte im Luzifer noch ein zweites Geburtstagskind mit: Karsten Honhold, erfolgreicher Kämpfer bei den Amateuren (BC Travemünde) und Profis, wurde 70 Jahre alt.

Text und Foto: WOLFGANG WEGGEN

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