Zur letzten Veranstaltung von Sauerland in Zusammenarbeit mit der ARD werden Schwergewichtler die Vorkämpfe bestreiten. Wie bei Sauerland üblich: Man setzt auf geringst mögliches Risiko und schrammt mit den Kampfansetzungen gerade so an der Zuschauerverarsche vorbei.

Das bei der letzten ARD-Veranstaltung noch mal geglänzt werden kann, war wohl die Hauptsache bei der Gegnerwahl – zumindest bei den meisten Ansetzungen.

Denis Boytsov (34(26)-1-0), einst als die große Schwergewichtshoffnung gehandelt, tritt nach erheblichem Karriereknick scheinbar nur noch gegen „machbare“ Gegner an. Diesmal wird ihm der 40-jährige George Arias (55(41)-11(4)-0) aus Brasilien zugetraut. Sicher eher keine Stufe auf dem Weg nach oben, sondern Beschäftigungstherapie zwecks Vertragserfüllung.

Auch der Brite David Price (18(15)-2(2)-0) bekommt nach einer Verletzungspause einen machbaren Gegner zugeteilt. Er kämpft gegen den Argentinier Emilio Ezequiel Zarate (18(9)-13(7)-3).

Tyron Zeuge (15(9)-0-0) verteidigt seinen IBF-International im Supermittel gegen den Kroaten Stjepan Bozic (29(19-8(5)-0) – ein in Deutschland gern gesehener Boxer, der bereits gegen Sartison, Abraham und Weber (s)eine Rolle spielte.

Jack Culcay (18(10-1-0) tritt gegen den Franzosen Karim Merroudj (13(1)-3-2) an. Dabei geht es um die Titelverteidigung des EBU Europameistertitels. Man möchte gern mal was Gutes sagen und einen Fortschritt sehen, aber wenn ein Gegner in 18 Kämpfen nur einmal vorzeitig siegen konnte, in seiner Heimat nur die 9. Wahl ist und im Boxrec-Ranking auf Platz 149 liegt, dann weiß man einfach was gespielt wird oder werden soll. Vielleicht soll ja der sportliche Reiz darin zu finden sein, dass der Franzose zum ersten mal KO geht oder was auch immer. Man kann schon darauf gespannt sein, wie man Culcay im kommenden Jahr zu einem WM-Kampf verhelfen will, wie es sein persönlicher Fahrplan vorsieht. Vielleicht kämpft er ja die WBF-WM, da wäre bestimmt was zu machen.

In den beiden Hauptkämpfen wollen Jürgen Brähmer (44(32)-2-0) und Yoan Pablo Hernandez (29(14)-1(1)-0) ihre Titel verteidigen. Brähmer kämpft gegen den Polen Pawel Glazewski (23(5)-2(1)-0). Auch hier ein machbarer Gegner, den Brähmer eigentlich einhändig bezwingen könnte ohne seinen Titel in Gefahr zu bringen.

Etwas interessanter wird es da beim Kampf von Hernandez. Es wird darauf ankommen, mit welcher Motivation Pflichtherausforderer Ola Afolabi (21(190)-3-4) antreten wird. Kommt er zum Gewinnen, dann könnte es für Hernandez ein heißer Fight werden. Kämpft er allerdings nur mit angezogener Handbremse um seine Börse abzuholen wie im 3. Kampf gegen Huck, dann wird es ein langweiliger Kampf.

Zumindest von den Kampfansetzungen her wird die letzte Boxgala bei der ARD wieder zu einem großen Erfolg für das Sauerlandteam. Man könnte denken, die Heimboxer werden noch einmal extra in Watte gepackt um den Erfolg abzusichern. Lassen wir uns einfach mal überraschen, auch wenn eigentlich kaum Überraschungen im Drehbuch stehen.