Sturm vs Soliman – Die Rache des Champions?
Die Rache des Champions ging schief und das von Runde 1 – 12. Wer im Vorfeld davon überzeugt war, dass der IBF- Weltmeister ein Lehrstück an Revanche aufzeigen würde, wurde durch diesen Kampf absolut nicht überzeugt. Will man Felix Sturm die Anfangsrunde geben und dann vielleicht noch die 9. und 10., dann deckt sich das genau mit dem, was auch die Punktrichter gesehen haben.
Das Urteil ging mit 117:111 und 2x 118:110 an Sam Soliman, der nun den IBF-Titel mit nach Australien nimmt und sich als Sieger feiern lassen kann. Rein boxerisch-technisch wäre er Felix Sturm gewiss unterlegen, aber seine Art sich zu bewegen war das blanke Gift für einen Felix Sturm, der mit diesem boxenden Flummie absolut nicht zurecht kam.
Was allerdings bei diesem Kampf absolut unverständlich ist: Warum hat Felix Sturm nicht nach 4 oder 5 Runden gemerkt, dass er so nicht weiter kommt? Hat er auf den einen Finalschlag gehofft, der Soliman fällt? Man sah in jeder Runde das gleiche Bild. Sturm läuft auf seinen Gegner zu um in den Bereich von dessen Gefuchtel zu kommen und dann passiert einfach nichts. Vergleichsweise bezogen auf Fußball sah es so aus als renne ein Stürmer pausenlos auf das gegnerische Tor zu – allerdings völlig sinnlos, weil ohne Ball. Er stand einfach da und machte zu wenig Zählbares. Der Weltmeister war auf Vorwärtsgang gepolt und lies sich nicht davon belehren, dass das Runde um Runde ohne Erfolg blieb. Einmal zurück zu gehen oder seitwärts um Soliman dazu zu zwingen selbst Initiative zu übernehmen und so in Fehler zu locken, war einfach nicht drin.
Bei dieser Übertragung wurde es auch vermieden, in den Pausen mal die Ringecken zu zeigen. Es wäre vielleicht mal interessant gewesen, ob nicht wenigstens Trainer Fritz Sdunek gesehen hat, dass der Kampf schon nach Runde 7 so nicht mehr zu gewinnen war. Für diesen Kampf gab es scheinbar keinen Plan B, wenn überhaupt einen richtigen Plan A. Man muss neben dem verlorenen Kampf auch kritisch hinterfragen, welchen Sinn es macht, einen Trainer Fritz Sdunek in der Ecke zu sehen, der scheinbar nur zu Dekorationszwecken da zu sein scheint.
Auf die angekündigte Option einen Rückkampf abzuhalten, ist nun die wirklich letzte Chance für Sturm. Allerdings sollte man sich davor überlegen, ob man dann nicht anders an so ein Irrlicht wie Sam Soliman heran geht. Leichter wird das gewiss nicht, weil Felix Sturm dann als Herausforderer tatsächlich dazu gezwungen ist anzugreifen. Hätte er bei seiner Titelverteidigung mehr wert auf verteidigen gelegt, statt ohne zu treffen angreifen zu wollen, gäbe es heute keinen neuen IBF-Weltmeister. Felix Sturm suchte 12 Runden lang den Schlag, der seine Rache sein sollte. Statt dessen wurde Soliman Weltmeister, der fast in jeder Runde mehr Zufallstreffer landen konnte wie Sturm. Die „Rache des Weltmeisters“ ging jedenfalls schief.
Wer den Kampf noch einmal sehen will, findet alle Runden auf ran.de.
