Siege für Harutyunyan und Pervizaj
Auch am 2. Tag des Chemiepokals 2014 bekamen die Zuschauer sehenswertes Boxen zu sehen. Für den DBV lief die 1. Veranstaltung nicht sonderlich gut. Edgar Walth, Omar El Hag, Artur Mann und Serge Neumann schieden gleich vier Deutsche aus. Weiter kamen dagegen Artem Harutyunyan und Albon Pervizaj. Die beste Leistung der Veranstaltung zeigte wohl der russische Schwergewichtler Alexei Egorov. (weitere Bilder folgen)
Halbfliegengewicht
Im ersten Kampf des Tages trafen Hushie Myers (Irland) und Temirtas Zhussupov (Kasachstan) aufeinander. Der Kasache arbeitete zu Beginn viel mit dem Jab, während es Myers mit explosiven Einzelschlägen versuchte, die er meist mit einem blitzschnellen Auslagenwechsel kombinierte. Klar absetzen konnte sich zunächst keiner der Beiden. Im Verlauf des 2. Durchgangs schien sich Zhussupov etwas absetzen zu können. Der Kasache arbeitete deutlich mehr als Myers, der zunehmend verkrampfte und sich zu sehr auf den entscheidenden Schlag fokussierte. Auch in der 3. und letzten Runde war Zhussupov mit der höheren Schlagfrequenz am Start und boxte Myers über weite Strecken aus der Distanz aus. Am Ende zahlte sich dies aus, als Temirtas Zhussupov nach Punkten siegte.
Halbfliegengewicht
Anschließend bekam es Jonghun Shin (Korea) mit Serge Neumann (Deutschland) zu tun. Shin startete aktiver und arbeitete viel zum Körper. Neumann wartete etwas ab, ehe er mit präzisen Kontern in die Attacken des Koreaners hinein schlug. Dennoch hatte es zunächst den Anschein, das Shin mehr vom Kampf hatte. In der 2. Runde agierte Shin vor allem aus dem Rückwärtsgang heraus. Der Koreaner schlug variable Kombinationen, in deren Angesicht Neumann etwas verkrampfte. Der Deutsche hielt sich mit Einzeltreffern im Kampf, wirkte zuweilen aber ein wenig einfallslos. Im 3. Durchgang startete Neumann etwas besser und nutzte die sich bietenden Lücken in der Defensive des Koreaners, um seine Konter zu versenken. Mit der Zeit kam Shin aber wieder zurück und beendete den Kampf stark. Letztendlich siegte Jonghun Shin nach Punkten.
Bantamgewicht
Nun kam es zum Duell zwischen Omar El Hag (Deutschland) und Quais Ashfag (England). El Hag hatte zu Beginn durchaus Probleme mit dem flinken Rechtsausleger. Ashfag war viel am Laufen und Klammern, was es El Hag schwer machte, die Wege abzuschneiden. Zudem setzte der Brite einige Konter, welche sich durchaus als effektiv erwiesen. Erst am Rundenende kam El Hag etwas auf. Im 2. Durchgang hatte El Hag schon etwas mehr Distanzgefühl und erarbeitete sich die Runde mit seinem linken Haken und der höheren Aktivität. Ashfag hatte zwar nach wie vor Konter drin, war in dieser Phase aber etwas zu abwartend. In der 3. Runde warf El Hag noch einmal alles nach vorne, hatte aber nach wie vor Probleme mit dem unorthodoxen Stil des Engländers. Am Ende zahlte sich dessen Konter-Taktik aus. Quais Ashfag siegte nach Punkten und warf die Berliner Hoffnung aus dem Turnier.
Bantamgewicht
Stefano Gasparri (Italien) bekam es anschließend mit Jiawei Zhang (China) zu tun. Es trafen zwei Rechtsausleger aufeinander, die sich einen recht offensiven Kampf lieferten. Zhang war zunächst der präzisere Boxer und kam vor allem durch seinen rechten Haken zum Zug. Gasparri wechselte bereits früh in die Linksauslage, suchte aber noch nach der richtigen Distanz. In der 2. Runde verlief der Kampf etwas enger. Zhang blieb deutlich aktiver, konnte aber gelegentliche Einzelhände des Italieners nicht verhindern. So kam es, dass zu Beginn des 3. und letzten Durchgangs noch vieles offen war. Doch Zhang ließ sich den Sieg nicht mehr nehmen. Sowohl sein Jab als auch die linke Schlaghand saßen. Gasparri blieb zwar beherzt, vermochte es aber nicht, den präzisen Schlägen des Chinesen zu widerstehen. Daher siegte Jiawei Zhang verdient nach Punkten.
Bantamgewicht
Im nächsten Kampf kollidierten Kurt Walker (Irland) und Enrico La Cruz (Niederlande). Es entwickelte sich ein sehr offensiver Fight, zu dessen Beginn beide Kämpfer ihre Momente hatten. Klar absetzen konnte sich zunächst keiner. In der 2. Runde startete Walker etwas besser und konnte den offen anstürmenden Niederländer mehrfach klar treffen. Doch La Cruz erwies sich als zäh und kam in der letzten Minute noch einmal auf. Angetrieben von seinem Trainer brachte LaCruz mehrere Rechte am Kopf von Walker unter. Im Verlauf des 3. Durchgangs kam La Cruz stark auf. Walker schien konditionell leicht nachzulassen und wurde zunehmend zermürbt. Mit diesem starken Schlussspurt konnte sich Enrico La Cruz einen Punktsieg sichern.
Bantamgewicht
Jetzt waren Nikita Fedorchenko (Russland) und Edgar Walth (Deutschland) an der Reihe. Der russische Rechtsausleger konterte Walth zunächst routiniert ab. Doch der Bayer, der gewohnt aggressiv zu Werke ging, fand seine Rhythmus und beendete die Runde mit mehreren guten Aktionen. Im 2. Durchgang baute Walth schließlich konstanten Druck auf, feuerte variable Kombinationen zu Kopf und Körper ab und schien sich eine Führung aufzubauen. Fedorchenko zeigte in dieser Phase zwar eine ordentliche Defensive, war offensiv aber zu harmlos. In der 3, und letzten Runde schaltete Walth noch einen Gang hoch und setzte Fedorchenko unter Dauerdruck. Der Russe wurde zunehmend verhaltener und musste den einen oder anderen linken Haken einstecken. Doch es war offenbar zu spät: Nikita Fedorchenko siegte knapp nach Punkten, womit der DBV im Bantamgewicht leer ausgeht.
Halbweltergewicht
Danach kam es zum Duell zwischen Dmitri Galagot (Moldawien) und Almasbek Alibekov (Kasachstan). Der Rechtsausleger aus Moldawien konzentrierte sich vorerst auf Konter, während Alibekov darum bemüht war, Druck aufzubauen. Galagot schien auf seine Weise einen Hauch präziser als sein Gegner zu sein, konnte sich aber nicht klar absetzen. Auch der 2. Durchgang verlief nach diesem Muster. Während Alibekov zum Angriff blies, war Galagot mit Kontern zur Stelle. Diese Taktik erwies sich als durchaus effektiv. Galagot nutzte seine Reichweite exzellent aus und fing Alibekov ein ums andere Mal mit dem rechen Haken ab. In der 3. und letzten Runde erlitt Alibekov einen leichten Cut, warf aber noch einmal alles nach vorne. Und das durchaus effektiv. Auch Galagot musste nun den einen oder anderen Treffer einstecken, rettete seinen Punktsieg aber souverän ins Ziel.
Halbweltergewicht
Im nächsten Kampf boxte Hyun Chul Lim (Korea) gegen Vitaly Dunaytsev (Russland). Während der russische Rechtsausleger eher auf Distanzboxen fixiert war, attackierte Lim sofort mit wilden Körperserien. Dies erwies sich als effektiv, da sich Dunaytsev mehr als einmal an den Seilen stellen und bearbeiten ließ. Zuweilen ließ der Russe sein Können aber aufblitzen. In der 2. Runde bewegte sich Dunaytsev etwas besser und konterte Lim wiederholt mit flüssigen Kombinationen ab. Der Chinese blieb durch seine aggressiven Schlagserien gefährlich, hatte aber zunehmend Nachteile. In der 3. Runde warfen beide Boxer noch einmal alles nach vorne. Lim landete einige Treffer, musste aber auch die harten Konter des Russen einstecken. Die Punktrichter hatten keine leichte Aufgabe, entscheiden sich aber einstimmig für Vitaly Dunaytsev.
Halbweltergewicht
Nun trafen sich Samuel Maxwell (England) und Viktor Kiraly (Ungarn) zum Gefecht. Maxwell trieb seinen Gegner unter Ausnutzung seiner größeren Reichweite vor sich her und landete mehrfach seine rechte Schlaghand. Kiraly war zwar bemüht, fand aber zunächst kein Mittel, um seinem Gegner beizukommen. Auch im 2. Durchgang war der Engländer effektiver. Kiraly verhielt sich recht defensiv und erlaubte es Maxwell, Tempo und Distanz des Gefechts zu bestimmen. Dieser agierte nach wie vor mit langen Geraden und baute seine Führung ohne Probleme aus. In der Schlussrunde konnte Maxwell abermals seine Schlaghand ins Ziel bringen. Kiraly nahm die Treffer ohne Wirkung zu zeigen, schaffte es aber nicht, selbst offensive Akzente zu setzen. Somit siegte Samuel Maxwell verdient nach Punkten.
Halbweltergewicht
Anschließend bekam es Malik Ladjali (Frankreich) mit Artem Harutyunyan (Deutschland) zu tun. Harutyunyan umkreiste seinen Gegner zunächst auf flinken Beinen, guckte sich Lücken aus und setzte klare Treffer. Ladjali war bemüht, startete seine Konter aber meist einen Tick zu spät. In der 2. Runde fand der Franzose etwas besser rein und erhöhte den Druck. Harutyunyan blieb der Bessere, musste jedoch mehr und mehr harte Einzeltreffer des Franzosen kassieren. Im 3. und letzten Durchgang blieb Harutyunyan konzentriert und zog seinem Kontrahenten mit schnellem rein- und raus den Zahn. Ladjali versuchte zwar alles, war letztendlich aber klar unterlegen. Das sahen auch die Punktrichter so, als sie Artem Harutyunyan mit einem Punktsieg belohnten.
Schwergewicht
Als nächstes waren Cem Cazlubag (Türkei) und Alexei Egorov (Russland) an der Reihe. Egolov startete offensiv und nagelte den Türken mehrfach an den Seilen fest, wo er ihn mit schweren Körperhaken bearbeitete. Cazlubag wehrte sich mit Kräften, war aber sowohl taktisch als auch körperlich klar unterlegen. Auch in der 2. Runde war Egorov effektiver. Durch die wenigen Konter des Türken marschierte er ohne mit der Wimper zu zucken durch und landete kraftvolle Treffer, welche sichtlich Wirkung hinterließen. Mit dem Gong kam ein harter Uppercut durch, welcher zu einem Anzählen von Cazlubag führte. Im 3. Durchgang holte Cazlubag noch einmal alles aus sich raus und kam besser zum Zug, als in den Runden zuvor. Egorov stürmte nun teilweise etwas zu offen in den Mann, was der Türke mit soliden Kontern zu bestrafen wusste. Am Ende reichte Egolovs Vorsprung aber für den Puntksieg.
Schwergewicht
Nun kam die Stunde von Artur Mann (Deutschland) und Xuanxuang Wang (China). Mann startete offensiv, während der Rechtsausleger aus China erst einmal mit dem Jab stocherte und auf Konter aus war. Mann landete in der Folge die klaren Einzeltreffer, während Wang mehr arbeitete. In der 2. Runde fiel es Wang leichter, die richtige Distanz zu finden. Wiederholt rannte Mann in harte Konter, die Wang bevorzugt als Uppercut brachte, hinein. So kam es, dass es ebenso eng wie spannend in die letzte Runde ging. Mann versuchte noch einmal alles, hatte aber zunehmend Probleme mit dem flinken Chinesen, der sich clever zur Seite raus bewegte und Mann mit variablen Kombinationen zusetzte. Am Ende siegte Xuanxuang Wang nach Punkten.
Schwergewicht
Im letzten Kampf der Veranstaltung bekam es Gary Sweeney (Irland) mit Albon Pervizaj (Deutschland) zu tun. Pervizaj startete druckvoll und feuerte immer wieder harte Kombinationen ab, welche vor allem Sweeneys Körper zum Ziel hatten. Zu Beginn keilte der Ire noch zurück, was sich aber schnell änderte. Pervizaj konnte Tempo und Stil des Kampfes bestimmen und baute sich eine klare Führung auf. In der 2. Runde ein ähnliches Bild: Pervizaj kam mit Körperserien und Aufwärtshaken zum Erfolg, während Sweeney tapfer versuchte, im Schlagabtausch zu bestehen. Doch was Variabilität und Schlagfrequenz betraf, war der Ire klar unterlegen, was sich auch in den Schlagstatistiken abzeichnete. Im 3. und letzten Durchgang fuhr Pervizaj damit dort, den Kampf zu bestimmen. Beständig Druck ausübend konnte der Hamburger, der inzwischen für Schwerin startet, seinen Vorsprung ausbauen, schaffte es aber nicht, den Kampf vorzeitig zu beenden. Aber auch so blieb ein verdienter Punktsieg für Albon Pervizaj.
