Es war der mit jahrelanger Spannung erwartete Kampf zwischen 2 außergewöhnlichen Boxern, die unterschiedlicher nicht sein können. Die seit mindestens 5 Jahren darin gesetzten Erwartungen waren so hoch wie nie bei einem klassischen Boxkampf. Jetzt, 2 Tage nach diesem im Vorfeld als „Jahrhundertkampf“ angekündigtem Faustkampf, hat sich wohl doch etwas Ernüchterung bei den Fans breit gemacht.
Floyd Mayweather gewann den Kampf nach Punkten und wurde dabei von seiner Fangemeinde einmal mehr als Held gefeiert. Manny Pacquiao, der im Kampf erst einmal optisch von den Bewegungen her wie der Sieger aussah, konnte nicht genügend punkten. Für die Punktrichter mehr zählbares konnte Floyd Mayweather aufbieten. Auch wenn ein Punktrichter dabei mit seiner 118:110 Wertung reichlich übertrieben hat.
Will man den Kampf mitpunkten, gibt es ein knappes Urteil, falls man zwischen Treffern und „knapp daneben“ überhaupt unterscheiden kann. Auch ein Draw wäre nach Meinung vieler Fans ein gerechtes Urteil gewesen. Es sieht eben einfach mal abartig aus, wenn ein Boxer, der ständig wegrennt und nur mit schnellen Schlägen seine Treffer sammelt, am Ende der Sieger des Kampfes wird, während der ständig angreifende sich mit der Niederlage abfinden muss. Eine wirklich überzeugende Vorstellung boten wohl Beide nicht. Pacquiaos Treffsicherheit reichte bei dem beweglichen Mayweather nicht aus. Was in einem schwammingen Stream noch gut aussah, war dann bei näherem hinsehen wohl doch nicht alles im Ziel. Und was Mayweather betrifft: Nur seine ihm fast schon bedingungslos ergebene Fangemeinde findet seinen Boxstil attraktiv. Ein ständig weglaufender Boxer entspricht nun mal nicht dem Bild des klassischen Faustkampfs, mag es auch noch so schlau scheinen, wenn die eigene Verteidigung besser ist, als der gegnerische Angriff.
Was bleibt nun von diesem „Jahrhundertkampf“? Um es ehrlich zu sagen: Nicht viel mehr als Ernüchterung und die Erkenntnis, dass auch die Megastars einer Sportart nur mit Wasser kochen. Es gab schon bessere und spannendere Boxkämpfe und die wird es auch in Zukunft geben. Für die in der Halle anwesenden Fans, die für ihre Karten teilweise astronomische Preise bezahlt haben, mag das Ganze wie ein gesellschaftliches Ereignis gewesen sein, bei dem man nicht fehlen durfte. Für die Millionen Boxfans, die extra dafür bezahlt haben den Kampf am heimischen TV-Gerät sehen zu dürfen, war das auch nicht gerade eine billige Angelegenheit.
Nie wurde ein Boxkampf in einer so langen Anlaufzeit so hochgejubelt wie dieser. Während auf dem ganzen Planeten hunderte Veranstalter nicht wissen, wie sie ihre Events sicher finanzieren und tausende Boxer um jeden Sponsoren werben müssen, damit sie ihren geliebten Sport überhaupt ausüben können, wurden hier hunderte Millionen regelrecht verballert. Die Namen Mayweather und Pacquiao haben wir jetzt erst einmal lange genug gehört.
Mayweather, der sich vor dem Kampf unbeliebt machte indem er sich als Boxer über die Boxlegende Muhammad Ali erheben wollte, hat gewiss mit diesem Kampf nicht mehr Fans dazu gewinnen können. Pacquiao wird einer Rolle als tragischer Held gerecht, weil er wohl mit einer Armverletzung in den Kampf gegangen ist und deswegen nicht sein ganzes Repertoire ausschöpfen konnte. Beide haben die größten Kampfbörsen aller Zeiten abgegriffen. Doch ihr Kampf war ehrlich gesagt 08/15 und ohne jeden Höhepunkt, der sich ins Gedächtnis der Fans einbrennen wird.
Was bleibt? Nüchtern betrachtet: Die größte Geld- und Zeitverschwendung der Boxsportgeschichte. Mehr kann man dazu nicht sagen.
