Magomed Abdusalamov – Ein langer Weg zur Besserung
Das hätte keiner gedacht: Nach 18 Kämpfen und 18 KO-Siegen geschieht das, was man im Boxsport am liebsten immer ausblenden will. Magomed Abdusalamov wurde im Kampf gegen Mike Perez schwer verletzt. Das schlimme dabei ist, offenbar keiner der unmittelbar während und nach dem Kampf beteiligten Personen erkannte die Schwere seiner Verletzungen rechtzeitig.
Wie das Magazin „Ring.TV“ meldet, befindet sich Abdusalamov auf einem langen Weg der Besserung. Bisher liegen die Fakten so: Er signalisierte schon während des Kampfes das er starke Kopfschmerzen hat, wurde viel zu spät richtig behandelt und wird nie wieder boxen können. Sowohl während, als auch nach dem Kampf wurden Abdusalamovs Verletzungen nicht richtig ernst genommen. Eine richtige ärztliche Versorgung setzte daher viel zu spät ein. Eingehende Untersuchungen ergaben, dass er neben einer Hirnblutung auch ein gebrochene Hand und einen gebrochenen Kiefer hatte. Er wurde vom 2. November bis 10. Dezember in ein künstliches Koma versetzt und intensiv behandelt.
Laut Angaben von Paul Edelstein, dem von der Familie Abdusalamov beauftragten Anwalt, verbessert sich die Lage Abdusalamovs langsam. Er ist wieder bei Bewusstsein, kann seine Umwelt wahrnehmen, seine Hände und seinen Kopf bewegen. Doch er kann weder sprechen noch aufstehen. Der Weg in eine größtmögliche Normalität wird noch sehr lang werden.
Edelstein hat im Auftrag der Familie bereits im März Klage gegen mehrere Parteien eingereicht. Darunter sind mindestens 5 Ärzte, die New York State Athletic Commission und der New Yorker Madison Square Garden. Bei den Klagen handelt es sich um Leichtsinn, grober Fahrlässigkeit, unterlassener Hilfeleistung und ärztliche Kunstfehler. Die gerichtlichen Verfahren seien noch in der Anfangsphase und es gäbe noch nichts weiter darüber zu berichten.
Eigentlich ist die Kernfrage, wie weit ein Boxer von Trainer oder Team „getrieben“ werden darf, wenn er selbst während eines Kampfes sagt „ich schaffe es nicht“, „ich kann nicht mehr“ oder „it`s over“. In der Hitze des Gefechts gibt es so manches mal Situationen, wo Boxer über ihre Grenzen hinaus wachsen können. Trainer, Ringärzte und Ringrichter tragen eine hohe Verantwortung, der sie auch dann gerecht werden sollten, wenn ein vorzeitiges Kampfende unattraktiv erscheint. Es gibt auch Gelegenheiten, wo das Durchhalten entscheidend ist. Wo stünde ein Arthur Abraham heute, wenn er seinen Kampf mit gebrochenem Kiefer nicht fortgesetzt hätte? Es ist immer wieder aufs neue eine andere Situation mit vielen unbekannten Faktoren, wenn ein Boxer angeschlagen, verletzt oder einfach nur am Limit ist. Jede Situation ist anders und muss individuell beurteilt und entschieden werden. Nur Eines ist immer gleich: Hinterher ist man jedes Mal schlauer als vorher.
Hier noch einmal der Kampf gegen Mike Perez:
https://www.youtube.com/watch?v=qJxANHztmEg
