
Seit Tyson Fury in der letzten Woche erneut den Rückkampf gegen Wladimir Klitschko platzen lies, gibt es viele Angebote von Boxern, die gerne für Fury einspringen wollen. Klitschko-Manager Bönte und die Weltverbände bemühen sich jetzt um eine schnelle Lösung, damit Klitschko nicht noch länger auf seinen nächsten WM-Kampf warten muss. Aktuell verkündet Bild.de, dass ein Kampf mit dem englischen IBF-Weltmeister Anthony Joshua für November/Dezember vereinbart ist. Aber ist das tatsächlich auch ganz so einfach möglich? Zum jetzigen Zeitpunkt muss man das eigentlich mit einem klaren „Nein“ beantworten.
Wladimir Klitschko erreichte die Nachricht von Tyson Furys erneuter Kampfabsage im Trainingscamp: „Ich bin total enttäuscht, dass Fury nun schon zum zweiten Mal den Kampf absagt. Ich befinde mich in einer Top-Verfassung und hätte mir meine WM-Gürtel in Manchester gerne zurückgeholt. Ich habe, seit ich 1996 Profi geworden bin, noch nie so lange pausieren müssen.“
In den letzten Tagen gab es dann diverse Angebote von Boxern, die gerne für Fury einspringen würden. Unter anderen bieten sich IBF Weltmeister Anthony Joshua und WBA Interimsweltmeister Luis Ortiz an. Im Moment ist Joshua der Favorit – vielleicht auch weil Klitschko ihn bereits aus dem Sparring kennt und er mit dem IBF-Titel auch einen der ehemaligen Titel Klitschkos hält. Anthony Joshua’s Promoter Eddie Hearn hatte dann noch die Idee, dass es zusätzlich um den Titel der WBA gehen könnte, wenn dieser Fury entzogen würde. Eine überaus verlockende Option also und da auch Joshua am 26. November seinen nächsten Kampf bestreiten soll, könnte das alles auch ziemlich gut passen.
Aber es gibt da ein echtes Problem, das noch nicht thematisiert wurde und das zunächst gelöst werden müsste: Auch bei freiwilligen Titelverteidigungen müssen die Gegner immer in den Top 15 der jeweiligen Verbände gelistet sein. Und genau das könnte jetzt alle aktuellen Pläne zunichte machen.
Denn wirft man einen Blick auf die aktuellen Ranglisten der vier großen Weltverbände, muss man feststellen, dass entweder Klitschko oder Joshua jeweils nicht in den Top 15 gelistet sind. Joshua als IBF Weltmeister könnte seinen Titel zwar wie ursprünglich geplant gegen Pulev oder Parker verteidigen, nicht aber gegen Klitschko, da dieser bei der IBF zur Zeit nicht in den Top 15 auftaucht. Wenn nun Fury seine Titel entzogen würden, wäre es Klitschko zwar möglich um die Gürtel der WBA oder WBO zu boxen, da er bei beiden Verbänden auf dem zweiten Ranglistenplatz steht. Allerdings wäre es ihm nicht möglich diese Titel gegen Joshua zu boxen, da dieser bei keinem der beiden Verbände unter den Top 15 zu finden ist. Abgesehen davon sind – wenn ein Titel vakant wird – laut Regelwerk jeweils die an Position 1 geführten Boxer berechtigt um diesen zu kämpfen. Wladimir Klitschko könnte also in einem solchen Fall gegen Luis Ortiz um die WBA- oder gegen Joseph Parker um die WBO-Weltmeisterschaften boxen, nicht aber gegen Joshua. Aktueller WBC Weltmeister und damit sicher eine weitere theoretische Option ist Deontay Wilder. Der wiederum könnte zwar seinen Titel mit Joshua in einem Vereinigungskampf auf’s Spiel setzen, nicht aber gegen Klitschko verteidigen, da dieser auch in der WBC-Rangliste nicht geführt wird.
Wenn also nicht ganz schnell die Ranglisten der großen vier Verbände „angepasst“ werden, ist die aktuelle Planung eines WM-Kampfes zwischen Wladimir Klitschko und Anthony Joshua zum jetzigen Zeitpunkt schlicht nicht umsetzbar. Ob dem übertragenden Fernsehsender RTL diese Problematik bekannt ist oder nicht – am 29. Oktober gibt es jedenfalls statt Klitschko vs Fury II erstmal die Verleihung des Deutschen Comedypreises.