Arthur Abraham verletzt in den Kampf geschickt?

Arthur Abraham vs Nikola Sjekloca

Fotos: Klaus Frevert / Team Abraham / Presse

Nach eigenem „Geständnis“ boxte Arthur Abraham im Kampf gegen seinen letzten Gegner Nikola Sjekloca mit einer verletzten Hand. Er sprach direkt nach dem Kampf von 2 gebrochenen Fingen und davon, dass er sich bereits im Training darauf eingestellt habe. Während des Kampfes hörte man ab der 5. Ringpause deutlich, dass er seinem Trainer Ulli Wegner immer wieder sagte, dass er mit Rechts nicht schlagen kann, weil die Hand gebrochen sei.

Das er diesen Kampf trotzdem praktisch „mit Links“ gewinnen konnte, war wohl nur der Tatsache zu verdanken, dass der Mann aus Montenegro nicht über die boxerischen Mittel verfügte, ihn ernsthaft zu bedrängen. Der Kampf war nicht gerade dazu geeignet, ihn sich unbedingt ein zweites mal anschauen zu wollen, so wie ehrlicherweise eigentlich die gesamte Veranstaltung eher wie ein Notprogramm aussah. Lediglich Noel Gevor zeigte sehenswertes Boxen, auch wenn es ihm nicht gelang, seinen Gegner vorzeitig auszuschalten. Dennoch war die „Teamleistung“ der Familie Gevor einer der positiven Lichtblicke.

Abraham FacebookAbraham machte in seinem Kampf den Eindruck, als wäre er wieder in alte Verhaltensmuster zurückgefallen. Verstecken hinter der Doppeldeckung und nur wenig eigene Aktionen. Nachdem er die ersten beiden Runden verschenkt hatte, kam etwas mehr von ihm. Die Erklärung lieferte er in den Ringpausen. Die TV-Zuschauer bekamen mit, das offenbar mit seiner Schlaghand nicht alles in Ordnung sein. Trainer Ulli Wegner ignorierte das recht deutlich und stachelte Abraham zum Weitermachen an.

Gleich nach dem Kampf ließ Abraham die Katze aus dem Sack. Er erklärte, dass er sich bereits im Kampf gegen Robert Stieglitz einen Haarriss an der Schlaghand zugezogen und in der Vorbereitung auf diesen Kampf sein Training schon darauf ausgelegt habe, diesen Kampf hauptsächlich mit der Führhand zu gestalten, weil seine Rechte angebrochen sei.

Abraham freute sich über seinen Sieg: „Es hat geklappt – ich konnte ihn mit einer Hand bezwingen. Immer wenn ich meine rechte einsetzte, wurde der ganze Körper vor Schmerz geschüttelt – wie bei einem Stromschlag.“

Da fragt an sich doch gleich mal, ob es von einem Trainer verantwortlich ist, dass er einen Boxer in den Ring schickt, der offensichtlich verletzt und nicht kampffähig ist. Wegner, als Trainer und so etwas wie eine Vaterfigur für Abraham, muss doch gewusst haben was da mit seinem Schützling los ist. Wenn Abraham davon spricht, dass er seine Vorbereitung voll drauf ausgelegt war, diesen Kampf mit der Führhand zu gewinnen, dann ist es zumindest sehr merkwürdig, dass sein Trainer nichts davon gewusst haben will und so tut, als wäre die Verletzung erst im Kampf gegen Sjekloca aufgetreten sei.

Hier muss man sich auch weiter fragen, ob da nicht auch ein Stück Verantwortungslosigkeit aller Beteiligten eine Rolle spielt. Nachdem zuletzt Marco Huck und Yoan Pablo Hernandez ausgefallen sind und Jürgen Brähmer bereits seinen Teil getragen hat, ruhten nur wohl alle Erwartungen auf Arthur Abraham, diesen Kampfabend als Hauptkämpfer zu retten. Um wen herum wollte man auch noch ein ARD-taugliches Event aufbauen? Es ist gar niemand mehr da, den Sauerland in den Ring schicken kann. Die Veranstaltungen werden zunehmend mit Gastboxern aufgefüllt, weil man sich von eigenen Boxern getrennt hat, deren Leistungen für das Sauerland-Team nicht zufriedenstellend waren.

Abraham KircheLetztendlich steht man jetzt allerdings vor der Frage, wer die Verantwortung dafür trägt, dass verletzte Boxer in den Ring geschickt werden. Hier werden auch gleich mal Erinnerungen an Robert Helenius laut, der wie es sich anhörte auch mit einer nicht ausgeheilten Armverletzung kämpfen musste.

Im „Fall Abraham“ weisen alle direkt oder auch indirekt Beteiligten die Kenntnis über eine Verletzung von sich. Auch Ringarzt Dr. Wagner weißt jede Kenntnis von einer Verletzung von sich und sagt, dass Abraham sich vor dem Kampf nicht habe spritzen lassen, wie das sonst in solchen Fällen vielleicht üblich sei, wenn man kleinere Wehwehchen zeitlich ausschalten will.

Trainer Wegner während des Kampfes: „Ich will von deiner Hand nichts mehr hören! Kämpfe! Du bist doch der Arthur Abraham!“

Manager Sauerland betonte nach dem Kampf ausdrücklich: „Bei mir steigen nur Boxer in den Ring, die hundertprozentig fit sind. Natürlich hätten wir den Kampf abgesagt, wenn die Verletzung so gravierend ist, wie Arthur berichtet.“

Wegner setzt in einem Zeitungsinterview noch einen drauf, indem er sagt, dass Abraham ja jetzt Urlaub macht und auf den holprigen Straßen Armeniens daran denken soll, wie gut er es in Deutschland hat. Offenbar sieht er es als besonders heldenhaft hat, die Gesundheit zugunsten des Teams zu Markte zu tragen.

Wegner zeitung

Am Ende kommt es nun darauf raus, dass Abraham von sich aus unbedingt den Helden spielen wollte und seine Gesundheit und damit seine Zukunft als Boxer selbst und eigenverantwortlich fahrlässig aufs Spiel setzte. Was es nicht alles gibt. Man mag gar nicht weiter dran denken.

Allein die Vorstellung graut einem: Hüpfen vielleicht beim nächsten mal Einbeinige durch den Ring und werden in ihrer Ecke von den berühmten 3 Affen betreut?