Angelo Frank vs Denis Krieger

Am Freitagabend fand in Pinneberg bei Hamburg eine sehenswerte Charity-Veranstaltung statt, mit deren Erlös ein Elektrorollstuhl für einen behinderten Boxfan bezahlt werden soll. Zwischen den drei Kämpfen wurde das Programm mit Musik- und Tanzeinlagen gestreckt. Im Hauptkampf setzte sich Angelo Frank in 10 hart umkämpften Runden gegen Denis Krieger durch und sicherte sich die internationale Deutsche Meisterschaft.

Phillip Stark vs Serdar KahramanHalbschwergewicht / 4 Runden: Philip Stark – Serdar Kahraman

Im ersten Kampf des Tages trafen die beiden Halbschwergewichtler Philip Stark, 2(1)-0-0 und Serdar Kahraman, 1(0)-1(0)-0 aufeinander. Stark arbeitete zu Beginn viel mit dem Jab, während Kahraman erst einmal die Deckung schloss und seinen Gegner studierte. Gegen Rundenende erhöhte der Berliner den Druck und konnte Stark mehrfach mit seinem linken Haken erwischen. Dieser setzte im Gegenzug aber Konter, welche ihm die Runde wohl knapp sicherten. In der 2. Runde erhöhte Kahraman den Druck und arbeitete wiederholt gut zum Körper. Stark blieb nun immer häufiger stehen und ließ sich im Infight bearbeiten, wodurch Kahraman stets in seiner bevorzugten Distanz war. Nur selten konnte sich Stark mit langen Händen Luft verschaffen. Erst im 3. Durchgang fand Stark wieder zu seiner Linie zurück. Nach verhaltenem Beginn kam der Hamburger in der zweiten Rundenhälfte mit mehreren harten Kontern durch, welche Kahraman sichtlich wehtaten und in den Rückwärtsgang zwangen. In der 4. und letzten Runde versuchte Kahraman noch einmal alles. Der Berliner wurde allerdings immer müder und arbeitete sich meist mit wilden Serien auf die Deckung von  Stark ab. Dieser nutzte die Pausen, die sich Kahraman nehmen musste, um aus der Distanz die klareren Treffer zu setzen.

Ergebnis: Philip Stark siegt durch SD und übersteht somit einen ungewöhnlich harten zweiten Profikampf.

Armin Jacob vs Mazen Girke

Mittelgewicht / 6 Runden: Armin Jacob – Mazen Girke

Nun kam es zu einem Debüt. Top-Amateur Armin Jacob, 1(0)-0-0 (140 Kämpfe, Afrika-Meister) möchte nun auch bei den Profis für Furore sorgen. Sein Gegner war der erfahrene Journeyman Mazen Girke, 14(2)-67(24)-3 der sich bekanntlich nicht allzu schnell hinlegt. Girke marschierte erst einmal mit geschlossener Deckung nach vorne und sah sich an, was der Debütant machte. Jacob agierte sehr beweglich, arbeitete viel mit dem Jab und brachte vor allem gegen Rundenende die eine oder andere sehenswerte Kombination ins Ziel. Dies setzte sich auch im 2. Durchgang fort. Girke ging sehr defensiv zu Werke und überließ es Jacob, Tempo und Distanz zu bestimmen. Dieser hatte ausreichend Zeit, die richtige Distanz zu finden und erzielte nun gute Erfolge mit seiner rechten Schlaghand. In der 3. Runde wurde der Kampf etwas ruhiger. Jacob hatte nun seinen Rhythmus gefunden und boxte relativ locker seinen Stiefel runter, während Girke wohl auf einen Konditionseinbruch seines Gegners spekulierte und noch immer sehr defensiv boxte. Im 4. Durchgang wurde Jacob aggressiver und legte deutlich mehr Kraft in seine Attacken. Girke kassierte klare Treffer, wankte aber vorerst nicht. Dennoch bekam man das Gefühl, dass Jacob nun versuchen würde, in der 2. Kampfhälfte nach einem vorzeitigen Ende zu suchen. Dies bestätigte sich auch, als Jacob in der 5. Runde ein wenig zu sehr mit der Brechstange agierte und auf Einzeltreffer setzte. Girke war noch immer klar unterlegen, landete aber nun immerhin den einen oder anderen Konter. Kurz vor dem Gong kam der Debütant noch einmal mit einer netten Körperserie durch. In der 6. und letzten Runde wurde Girke noch einmal ordentlich unter Beschuss genommen, nahm aber alles mit der Lockerheit eines Mannes, der regelmäßig mit harten Punchern über die Zeit geht. Auch Armin Jacob war es nicht vergönnt, einen vorzeitigen Erfolg zu feiern. Dafür strich er einen verdienten und klaren Punktsieg ein.

Ergebnis: Armin Jacob gewinnt sein Profidebüt nach Punkten und steigt damit Erfolgreich ins Berufsboxen ein.

Halbmittelgewicht, 10 Runden / Angelo Frank – Denis Krieger

Nun kam der Hauptkampf um die internationale Deutsche Meisterschaft. Frank, 4(2)-0-0 startete aggressiv und konnte Krieger, 12(7)-2(0)-2 bereits in der 1. Runde mehrfach klar mit Kopf- und Körperhaken treffen. Vor allem der linke Uppercut erwies sich als effektive Waffe. Krieger blieb zunächst defensiv und traf bei seinen wenigen Vorstößen meist nur die Deckung. Dies setzte sich auch in der 2. Runde fort. Frank hatte keinerlei Probleme, in den Infight zu kommen und lud dort schwere Kombinationen ab, welche Krieger ordentlich zusetzten. Im Gegenzug fand der Moldawier nur schwer in die richtige Distanz. Im 3. Durchgang blieb dieses Muster erhalten. Frank zeigte schönes, variables Angriffsboxen und landete immer wieder klare Treffer. Krieger hingegen bewies Kämpferherz, vermochte es aber bisher nicht, den technischen Vorteilen von Frank entgegenzuwirken. Die 4. Runde verlief ebenso deutlich. Krieger konnte den Schalter einfach nicht umlegen und ließ sich Schlag um Schlag von Frank zermürben. Erst in der 5. Runde knallte es. Krieger agierte nun offensiver und konnte Frank in einem offenen Schlagabtausch hart treffen. Dieser meldete sich sofort mit Kontern zurück, musste aber kurz vor dem Gong eine harte Rechte einstecken, welche ihn taumelnd in die neutrale Ecke schickte. Da er sich aber rechtzeitig wieder fing, wurde Frank nicht angezählt, verlor aber die Runde. Krieger hatte nun allerdings Blut geleckt und blies zum Angriff. In der 6. Runde eroberte der Moldawier den Vorwärtsgang, während Frank erst einmal durchatmen musste. In der zweiten Rundenhälfte nagelte er Krieger aber an den Seilen fest und kam seinerseits zu harten Treffern, welche die Situation wieder etwas entschärften. Frank hatte sich nun einigermaßen erholt und fand seine boxerische Linie wieder. Im 7. Durchgang blieb er weitestgehend dominant und wich den Angriffen des inzwischen ebenfalls schwer atmenden Krieger zumeist aus bzw. störte diese recht früh. Aus Kriegers Sicht verlief die 8. Runde wieder etwas besser, als er sich ein wenig umstellte und den Jab entdeckte. Frank landete harte Einzeltreffer, hatte nun aber auch zeitweise Probleme, in die Nahdistanz zu kommen. Durchhalten konnte Krieger diesen Ansatz aber nicht, sodass es bereits im 9. Durchgang wieder zu offenen Schlagwechseln kam, in denen Frank mit den schnelleren Händen und der besseren Technik deutliche Vorteile hatte. Krieger landete zwar Einzeltreffer, schaffte es aber nicht, ausreichend für den Rundengewinn zu tun. Die 10. und letzte Runde wurde allerdings noch einmal ein heißer Tanz. Frank setzte zunächst die klaren Treffer, ehe Krieger aufkam und seinen Gegner durch den Ring scheuchte. Wirklich viel zählbares, abgesehen von einigen Körpertreffern, kam dabei nicht zustande. Frank musste sich allerdings erst wieder mit einigen Uppercuts Respekt verschaffen, um Krieger auf Distanz zu treiben. Beide Boxer agierten nun im roten Bereich, holten aber ungeachtet dessen noch einmal alles aus sich raus.

Ergebnis: MD Sieg für Angelo Frank, der sich mit 97-93, 95-95 und 98-93 zum deutschen Meister krönt.  

Text: Morten König / Fotos und Video: Klaus Frevert