Marken- und Produktpiraterie gibt es wohl in fast allen Wirtschafts- und Handelszweigen. Auch der Boxsport ist nicht davon verschont.
Der erste Verband, der dagegen in großem Stil vorgehen und durchgreifen will, ist der World Boxing Council (WBC). Man will international tätige Fälscher und Händler aufstöbern und gerichtlich gegen sie vorgehen. Dazu gehört auch ein in Großbritannien ansässiges Unternehmen, das über die Internetseite www.WBCBelts.com WBC-Meistergürtel verkauft – ohne Lizenz oder Autorisierung durch den eigentlichen Verband.
Diese britische Webseite hinterlässt den Eindruck, als wäre sie dem WBC zugehörig. Man rührt kräftig die Werbetrommel für den Vertrieb von WM-Gürteln. Auch wer auf der Seite die Meistergürtel anderer Verbände sucht, wird dort sofort fündig.
Selbst in sozialen Netzwerken wird ganz offiziell Werbung betrieben und man unterhält z.B. auf Facebook ein Profil, dass den Eindruck erwecken soll, das die Vertriebsfirma zum Weltverband WBC gehören würde.
Normalerweise muss man für einen Meistergürtel jahrelang hart trainieren, sich hocharbeiten, kämpfen und neben harten Schlägen „mitten in die Fresse kassieren“ so manche Entbehrungen aufbringen. Das ist der normale Weg und er Gürtel ist dann auch ehrlich verdient. Ein Meistergürtel repräsentiert oft den Höhepunkt einer boxerischen Leistung, auf die die Sportler ihr ganzes bisheriges Boxer-Leben lang hingearbeitet haben. Diese Gürtel auch noch in Sonderangeboten zu verramschen und zu verschleudern, kann nicht im Sinne des Boxsports sein.
Da es aber Boxfans gibt, die solche Gürtel gerne als Dekoration verwenden oder sich an dessen Besitz erfreuen, blüht auch der Handel mit nicht autorisierten Fälschungen. So, wie das gerade aus dem Ruder läuft, ist das Produktpiraterie, die nicht länger hingenommen wird. WM-Gürtel sind eine Anerkennung von Talent, harter Arbeit und höchsten sportlichen Leistungen, aber keine Ramschware.
WBC-Präsident Mauricio Sulaiman: „Den WBC-Gürtel gab es nicht zu kaufen und wird es nie zu kaufen geben. Sie sind heilig. Der WBC wird in Zukunft gegen jeden mit der vollen Härte des Gesetzes vorgehen, der mit diesen illegalen Raubkopien Handel treibt.“
Der Weltverband WBC hat also angekündigt, in Zukunft keine Mittel und Wege zu scheuen um den illegalen Handel auf rechtlichem Wege zu unterbinden. Dazu gehört ein schon jetzt angestrebtes Gerichtsverfahren im Rahmen der Bestimmungen der „Internet Corporation for Assigned Names and Numbers“ („ICANN“). So kündigte es zumindest der WBC-Executive Sondergberater Alberto Leon an. Das primäre Ziel der ICANN-Aktion ist es, die betreffenden Unternehmen zu zwingen, sofort mit dem Handel aufhören und die rechtsverletzenden Domainnamen aufzugeben.
Besonders die Aktivitäten der Seite www.WBCBelts.com werden als „ruchlos“ bezeichnet und den US Zoll und Grenzschutz gemeldet. Man hat das Ziel, die Einfuhr der gefälschten Waren zu verhindern. Man habe das Unternehmen bereits verwarnt und darauf hingewiesen, dass es unter allen zur Verfügung stehenden Mitteln rechtliche Schritte eingeleitet werden, falls weiter mit WBC-Meistergürteln Handel getrieben wird.

Letztendlich muss man verstehen, dass der WBC und sicher auch andere Verbände ihre Meistergürtel und damit auch die verdienten Titelträger schützen will. Andererseits gibt es wohl auch eine große Nachfrage von Boxfans in aller Welt, die solche „Trophäen“ gerne selbst besitzen wollen. Man muss sehen, was dabei als eine gerechte Lösung heraus kommen wird.