Nachdem in China viele Boxer für die olympischen Spiele 2008 ausgebildet wurden, geht es für einige von ihnen im Profigeschäft weiter. Dazu gehören der Olympiasieger von 2008, Zhang Zhilei und Jianjun „Taishan“ Dong, ein Boxer, der sich auch als Kickboxer in Asien einen Namen gemacht hat. Eine große Amateurerfahrung als Boxer hat er allerdings nicht. Beide versuchen jetzt ihr Glück in den USA. Zhilei hat seine ersten beiden Kämpfe im August 2014 und Januar 2015 souverän durch TKO 1 gewonnen. Im März boxte er über 4 Runden gegen Eric George (2-8-0) und holte sich einen Punktsieg. Der dritte chinesische Schwergewichtsboxer lebt und boxt daheim in China. Sein Name: Zhang Junlong, eine regelrechte KO-Maschine, zumindest bei der bisherigen Gegnerschaft. Seine blitzsaubere Profibilanz: 10 vorzeitige Siege in 10 Kämpfen. Zuletzt besiegte er in Wuhan / China den Amerikaner Jason Gavern und holte sich dabei den Interim-Titel der WBU und den WBF-Intercontinental Titel.

Taishan Dong
Bemerkenswert ist Jianjun „Taishan“ Dong. Bei einer Körperhöhe von 2,13 m dieses massiven chinesischen Berges „Taishan“ erscheint dagegen ein normaler Schwergewichtler mit durchschnittlichen 1,90 m eher klein. Man fühlt sich unweigerlich an Nikolay Valuev erinnert, der die gleiche Größe hat, allerdings noch etwas mehr auf die Wage brachte. Der Chinese wiegt etwa 127 kg, während Valuev oft mit mehr als 140 kg in den Ring stieg.
Nachdem es bereits im Juli 2014 mit einem KO 1 Sieg das Profidebüt von Dong gegeben hat und im November der 2. Streich mit einem KO 1 kam, sollte am 27. Februar bei einer weiteren Nachwuchsveranstaltung von Oscar de la Hoya (Golden Boy Promotions) im „Fantasy Springs Casino“ / Indio / Kalifornien der 3. Profikampf folgen. Der Gegner war diesmal der Amerikaner Roy McCrary (3(3)-2(1)-0). Taishan Dong und sein Manager George Galegos waren sich sicher: Es wird im 3. Kampf der 3. vorzeitige Sieg. Doch es reichte „nur“ zu einem Punktsieg. Einen weiteren Punktsieg holte er sich am 9. Mai auf der Undercard von Alvarez vs Kirkland. Sein Gegner war Jamal Woods. Das Urteil diesmal: 40:36, 39:37 und 38:38. Der Kampf ist unten zu sehen.
Schaut man sich die bisherigen Kämpfe von Dong im Internet an, wird vor sehr schnell deutlich, dass Dong schneller und beweglicher ist, als Valuev es jemals war. Auch seine Schlagkraft scheint beeindruckender zu sein. Bereits in seinem Debütkampf gegen Alex Rozman wurde das deutlich. Kaum schob Dong mal seinen Jab raus, musste Rozman runter. Ein technisch besserer Boxer würde vielleicht nicht in solche Schläge laufen und sich auch nicht so einfach auf den Boden zwingen lassen. Rozman gab in diesem Kampf alles, was seine boxerischen Fähigkeiten hergaben. Es reichte nicht aus. Der Chinese zeigte zu keiner Zeit, dass er beeindruckt wäre. In Runde 2 war der Kampf bereits vorbei. Rozman hatte in einem ehrlichen Kampf genug „gefressen“ und das Profidebüt von Dong war gelungen. Der zweite Kampf endete bereits in Runde 1. Sein Gegner war einfach überfordert und Schläge von Dong zu hart. Er kämpft in etwa den gleichen Stil wie auch Super-Champ Wladimir Klitschko oder der neue WBC-Weltmeister Deontay Wilder: Mit dem Jab den Gegner vom Leib halten und Punkte machen. Die Schlaghand wird zwischendurch eingestreut um den Gegner mürbe zu klopfen. Allerdings sieht das bei Dong noch nicht ganz so flüssig aus. Kein wunder bei der bisher noch geringen Kampferfahrung.
Im Kampf gegen Woods wurden einige Deckungsmängel deutlich. Um es klar zu sagen: Er boxt so offen wie ein Scheunentor. Auch die Koordination seiner Bewegungen klappt noch nicht ganz so, wie es wünschenswert wäre. Allein mit der überlegenen Physis wird er nicht viel weiter kommen. Er muss unbedingt seine Reaktionsschnelligkeit verbessern, wenn er als Schwergewichtler einmal Gegner von besserer Qualität besiegen will.
Man muss abwarten, wie weit es die Chinesen nach oben schaffen werden. Zumindest bei Taishan Dong scheinen die Voraussetzungen für eine große Karriere, ähnlich der Valuevs, ideal. Wie weit Zhang Junlong in China kommen wird, ist ungewiss, weil die Bedingungen in China einfach nicht internationalen Profistandarts entsprechen. Zhang Zhilei stand in diesem Jahr noch nicht im Ring. Jianjun „Taishan“ Dong ist der Boxer, den wir im Auge behalten wollen. Er ist bei Osacar de la Hoya (Golden Boy) unter Vertrag und mit der entsprechenden Förderung könnte er in den nächsten zwei Jahren in den Top 25 des Schwergewichts ankommen. Vielleicht wird aus ihm ja tatsächlich so etwas wie der chinesische Valuev.
Wie viel Luft nach oben im chinesischen Profiboxen noch steckt, wird durch die Tatsache belegt, dass dieses bevölkerungsreiche Land gerade einmal 3 Schwergewichtsboxer hat. Man muss sehen, wie sich diese 3 entwickel werden.
https://www.youtube.com/watch?v=rqgAvdDMI_k