Nachdem die großen Boxsportverbände scheinbar zunehmend ihr „Herzilein“ auch für das Frauenboxen erwärmt haben, fand in den letzten Jahren ein regelrechter Verdrängungswettbewerb statt. Die relativ kleinen Boxsportverbände, die das Frauenboxen eigentlich erst hoch gebracht haben, werden von den 4 großen Verbänden unter Druck gesetzt.
Letztendlich ist das der Tatsache geschuldet, dass diese 4 Verbände durch das Männerboxen bekannt und groß geworden sind. Manche Veranstalter und Boxerinnen legen scheinbar auch wert darauf, sich mit den Titeln von WBA, WBO, IBF und WBC eine gewisse Art der Gleichberechtigung und Dazugehörigkeit zu sichern.
So kommt es jetzt dazu, dass die Titel der typischen Frauenboxverbände nicht mehr so begehrt sind wie zuvor. Das führt dazu, dass Boxerinnen um diese Titel kämpfen, die nicht unbedingt ganz vorne in der internationalen Leistungselite zu finden sind.
Der Verband WIBA (Women’s International Boxing Association) ist dabei nur eines von mehreren Beispielen. Hier boxte z.B. die im Fliegengewicht bei Boxrec auf Rang 31 liegende Keisher McLoad – Wells (7(1)-2-0) im Januar gegen Monica Flores (3(1)-0) um die WIBA-WM und wurde in dieser Gewichtsklasse Weltmeisterin. Wenn man bedenkt, dass zuvor Melinda Chopper, Elena Reid, Eileen Olszewski und Nadia Raoui Weltmeisterinnen dieses Verbandes waren, dann kommt man da schon etwas ins Grübeln.
Am Samstag dem 10. Mai wird es in New York bei einer Kleinveranstaltung mit nur 2 Kämpfen um den WIBA-Titel im Federgewicht gehen. Im letzten Jahr kämpfte noch Ina Menzer bei ihrer Abschiedsvorstellung gegen Goda Dailydaite um diesen Gürtel.
Danach wechselte diese Trophäe zu Lindsay Garbatt. Jetzt sind es die Amerikanerinnen Ronica Jeffrey (13(1)-0-0) und Carla Torres (3-2-0) , die um diesen Gürtel kämpfen werden. Torres und Jeffrey standen sich schon einmal 2011 im Ring gegenüber. Damals endete der auf 4 Runden angesetzte Kampf mit 2x 40:36 und 39:37 zugunsten von Jeffrey. Torres stand 2011 zum letzten mal im Ring. Eine Kampfansetzung, die eigentlich schon den Kampfausgang voraus ahnen lässt.
Man kann sich trotzdem schon jetzt mit Ronica Jeffrey freuen. Nach 6 Jahren Profiboxen endlich einen Gürtel zu tragen, hat sie sich verdient, auch wenn es nur ein „kleiner“ Titel ist. Ihr Manager Brian Cohen (empireboxing), der auch Keisher McLoad – Wells, Melissa St Vil und andere unter Vertrag hat, beweist eben immer wieder ein „glückliches Händchen“, wenn es um das Vorwärtskommen seiner Schützlinge geht.