WBF weist Unterstellungen im Fall Adler zurück

 Nikki Adler vs Rita Kenessy

Die WBF hat uns eine Stellungsname zum Titelverlust von Nikki Adler zukommen lassen. Unser Redakteur Johannes Passehl hatte in seinem Artikel einige Standpunkte vertreten, welche die restliche Redaktion auf diese Weise nicht mitträgt. Statt einseitig aus Deutscher Sicht zu berichten, sind wir um die Wahrheit bemüht und haben uns daher mit dem Verband in Verbindung gesetzt und auf diese Weise zu interessanten Einblicken in den Prozess gekommen.

Die Rules & Regulations der WBF (§ 1.3.), sehen für Welttitel eine Verteidigungsfrist von Monaten vor. Die WBF hat niemals erklärt, ein WM-Titel müsse innerhalb von 10 Monaten verteidigt werden, noch ist es sinnvoll die Regularien anderer Verbände in diesem Zusammenhang heranzuziehen (Zitat: „Normalerweise geht man davon aus, Weltmeistertitel bleiben mindestens 12 Monate beim jeweiligen Titelträger.“)

Von dieser Verteidigungsfirst wurde das Team von Nikki Adler sowohl beim Titelgewinn im Mai 2013 und wiederum bei ihrer Titelverteidigung im November 2013 beim Rules Meeting informiert. Dies wurde vom Team Nikki Adlers schriftlich bestätigt. Darüber hinaus war Frau Irene Kostenko / Schweizer – die Ehefrau bzw. Lebensgefährtin von ITS Promoter Wjacheslaw Tschibisow – in dieser Zeit offizielle Repräsentantin der WBF und mit den Rules & Regulations der WBF daher bestens vertraut. Es ist also nicht haltbar, wenn behauptet wird, die Verteidigungsfristen wären Team Nikki Adler nicht bekannt gewesen.

Zwar ist es richtig, dass sich die WBF laut § 1.4. der Rules & Regulations vorbehält, einen Titel für vakant zu erklären, sollte ein amtierender WBF Champion um den Titel eines anderen Verbandes boxen, ohne zuvor die Sanktionierung der WBF eingeholt zu haben. Allerdings ist dies dann keine Titelvereinigung, sondern ein Verbandswechsel. Im übrigen strebt die WBF selbstverständlich Titelvereinigungen an, sofern es sich bei dem Titel um den eines seriösen, bonafide Boxverbandes handelt, und nicht um den Titel einer Privatfirma, welche noch nicht einmal die Zulassung der Association of Boxing Commissions (ABC) besitzt.“

Zudem griff der Verband das Matchmaking von Adler an, welches von einem neutralen Standpunkt aus betrachtet in der Tat nicht allzu herausragend war. Zumindest scheint der nun angesetzte Kampf um den vakanten Titel mehr sportlichen Wert zu besitzen, als die letzten Kämpfe der Deutschen.

Am 23.5.13 sollte Nikki Adler in Russland ihren WBF-WM-Titel zum zweiten Mal verteidigen. Als Gegnerin wurde seitens ITS Promotion die Ghanaerin Gifty Amanua Ankrah genannt, welche erst nach langen Diskussionen innerhalb des WBF Championship Committees akzeptiert wurde. Ein Blick auf den Kampfrekord der Herausfordererin zeigt, dass die Zweifel der WBF an der WM-Tauglichkeit von Gifty Ankrah gerechtfertigt waren. Auf dem gleichen Programm sollte Natalie Smirnova ihren WBF Intercontinental Titel im Leichtgewicht verteidigen und zwar gegen eine Herausfordererin, die – so muss man unumwunden feststellen – überall hingehört hätte, nur nicht in einen Boxring. Als die WBF sich strikt weigerte dieses unglaubliche Mismatch zu sanktionieren, zog ITS Promotion auch die Titelverteidigung von Adler zurück. Obwohl aufgrund der vorliegenden Verträge keinerlei Verpflichtung seitens der WBF dazu bestand, wurde die bereits bezahlte Sanction Fee für Adler vollständig erstattet. Die WBF wollte sich weder zur Sanktionierung eines Mismatches erpressen lassen, noch sich vom Promoter etwas nachsagen lassen.

Seit dieser Zeit gab es keinerlei Korrespondenz seitens ITS Promotion an die WBF mehr. Auch beim nächsten Kampf von Nikki Adler (am 20.9.14 in Deutschland) wurde wiederum die WBF nicht um Genehmigung gefragt wurde, noch wurde jemals – trotz Kenntnis der R&R! – um eine Verlängerung der Verteidigungsfrist gebeten. Es lagen also alle Gründe vor, aus denen ein Titel für vakant erklärt werden darf, dennoch wurde dies erst dann vom WBF Championship Committee tatsächlich getan, als ein Sanktionierungsantrag für einen vakanten Titelkampf vorlag.

Es ist also klar und deutlich festzuhalten: Die WBF hat sich immer und stets an die bekannten Regeln gehalten und darüber hinaus sogar mehrere Zugeständnisse an Nikki Adler und ihren Promoter gemacht.“

Wenn man davon ausgeht, dass diese Informationen stimmen, so haben wir hier offenbar keine böse Verschwörung gegen Frau Adler, sondern lediglich einen Verband, der durchaus mal durchgreift, wenn der sportliche Wert zweifelhaft ist. Etwas das von vielen Fans gewünscht wird und bei dem es etwas selbstverständliches ist, dass es auch gegen die eigenen Lokalhelden geht, sofern dies nötig ist.

Natürlich ist nichts sicher. Wie kennen die Boxszene allesamt zur Genüge. Politik bestimmt das Handeln. Wer recht hat, wird man als Außenstehender wohl nie sicher wissen. Allerdings lohnt es sich häufig, die Dinge nicht nur von einer Seite zu betrachten, sondern von beiden. Dann kann man sich selber ein Bild machen.