Fotos: Werbeagentur „Artvertisement“ (Artvertisement.de) und Alexander Hofmann (lightbox-photography.com)
Nachdem die 31-jährige Raja Amasheh (16(4)-0-1) aus Karlsruhe zuletzt im September 2013 durch eine beachtliche Energieleistung in einem beherzt geführten Kampf gegen die Österreicherin Eva Voraberger (17(9)-3(1)-0) im Superfliegengewicht zur WBF-Weltmeisterin wurde, soll es nun auch im Fliegengewicht um den Titel dieses Verbandes gehen.
Bei der „Night of the Champions II“ am 17. Mai in Saarbrücken kämpft Amasheh diesmal gegen eine Boxerin aus Mexiko. Es handelt sich um Susana Cruz Perez (15(8)-5(2)-0), die auf jeden Fall eine „harte Nuss“ sein wird. Perez war zuletzt WBC-Youth – Titelträgerin und ist alles andere als eine der üblichen Kandidatinnen, die mal eben so zum vorprogrammierten Verlieren im Ausland kämpfen.
Zu diesem WM-Kampf ein Interview mit Raja Amasheh:
Johannes Passehl: In diesem Kampf werdet ihr euch „im Fliegengewicht treffen“ – wird es bei diesem Treffen um einen Titel gehen?
Raja Amasheh: Ja, es wird, in meiner eigentlichen Gewichtsklasse um den Fliegengewichtstitel der WBF (World Boxing Federation) gehen. Der Ausflug ins Superfliegengewicht war nur eine einmalige Sache für den Kampf gegen Eva. Nun geht’s zurück „nachhause“ ins Fliegengewicht.
Johannes Passehl: Die Gegnerin bringt die Erfahrung aus 20 Profikämpfen mit und hat schon mehrmals um internationale Titel gekämpft. Sie kommt aus einem Land, wo das Frauenboxen groß geschrieben wird. Bist du dir sicher, dass diese Gegnerwahl nicht vielleicht etwas zu riskant für dich ist?
Raja Amasheh: Eine Boxerin ist nicht ohne Grund in den Boxrec Top 3 gelistet und WBC Junioren Weltmeisterin, daher ist uns allen das große Risiko mehr als nur bewusst, ohne wenn und aber! Aber wir wollen unseren Blick nach oben richten und an einer großen Aufgaben wachsen alles andere macht langfristig gesehen keinen Sinn. Natürlich kann man gegen eine Top 3 Boxerin auch verlieren aber das gehört zum Sport dazu.
Bisher wurde eine Boxerin mit einem so hohen Boxrec Ranking und dieser Qualität im Fliegengewicht nicht nach Deutschland als Gegnerin geholt. Wir wollen hier Vorreiter sein und den großen Veranstaltern zeigen, dass die Zuschauer die ausländischen Topfighter sehen wollen und das am Ende sicher auch honorieren. Mit schlechten Kämpfen und schwachen Gegnern füllen sich weder dauerhaft Hallen noch bekommt man Anerkennung für seine Kämpfe. Die Zuschauer bezahlen Eintritt und sollen einen fairen Gegenwert in form von guten Kämpfen erhalten.
Ich möchte den Kampf unbedingt denn mein Team und ich arbeiten sehr hart und wollen dann auch einen harten Top Kampf, wie schon beim Kampf gegen Eva.
Also nochmal, das hohe Risiko ist uns absolut bekannt und gewollt.
Johannes Passehl: Du bist nach Berufsausbildung, Vollzeitarbeit mit begleitendem Studium und Boxtraining in der Vergangenheit voll ausgelastet gewesen. Wirst du genügend Zeit finden um dich auf diesen WM-Kampf vorzubereiten? Nimmst du eine berufliche Auszeit ?
Raja Amasheh: Meine berufsbegleitenden Studien habe ich bereits vor 2 Jahren abgeschlossen und habe im Moment “nur” einen Vollzeitjob und das Boxen. Natürlich ist dieses eine doppelte Belastung aber mit Urlaub und guter Trainingsorganisation findet sich die Zeit zum Trainieren, wenn man will.
Johannes Passehl: In deinem letzten Kampf gegen Eva Vorarberger konntest du mit einer beeindruckenden Energieleistung überzeugen, sodass sich deine Gegnerin kaum entfalten konnte. Wird es wieder eine ähnliche Strategie sein um auch Susana Perez die Luft zum atmen zu nehmen?
Raja Amasheh: Bei jeder Gegnerin bedarf es einer eigenen jeweils speziell angepassten Strategie , aber die können wir natürlich im Vorfeld nicht verraten. Es wird aber wieder einige neue Veränderungen geben, soviel kann man schon sagen. Grundsätzlich möchte ich, wie immer, alles geben und die vorgegebene Taktik / Strategie verfolgen und hoffe dann einen tollen Kampf abzuliefern.
Johannes Passehl: Man hörte davon, dass du dich zusammen mit Eva Vorarberger auf den Kampf vorbereiten willst. Versteht ihr euch auch privat gut oder ist das eine rein sportliche Angelegenheit?
Raja Amasheh: Eva ist eine sehr nette Person. Wir hatten eigentlich nie Probleme miteinander und letztendlich ist und bleibt es Sport.
Ich freue mich sehr über Ihren Besuch und kann mir keine bessere Vorbereitung wünschen als Sparring mit Eva Voraberger, Ann Sophie Da Costa, Melanie Zwecker und vielen anderen tollen Sportlerinnen. Auf diesem Wege möchte ich mich hier auch nochmals bei allen für die tolle Zusammenarbeit bedanken.
Johannes Passehl: Wo trainierst du jetzt eigentlich? Beim „DOG-Team“ oder „Mach1“?
Raja Amasheh: Ich trainiere im MACH1 in Karlsruhe, bei meinen langjährigen Trainer Dominik Junge.
Johannes Passehl: Möchtst du deinen Fans und Freunden noch etwas „Spezielles“ sagen?
Raja Amasheh: Mein Schlusswort und Motto ist auch diesmal “Weil ich es will”!
Dieses „Schlusswort“ kann man wohl beruhigt so stehen lassen und zur Kenntnis nehmen, was Raja Amasheh wichtig war und ist um zum Erfolg zu kommen. Im Boxen wie im „normalen Leben“ zählt neben Talent und Können besonders der eigene Wille. Das unterscheidet nun mal den erfolgreichen Menschen vom willenlosen.
Man kann Raja Amasheh nur wünschen, dass sie sich auch diesmal mit starkem Willen und einer boxerischen Glanzleistung durchsetzen kann.



