Fotos: JUNI

Man glaubte seinen Augen nicht zu trauen, als in den Kampfankündigungen bei Boxrec zu lesen war, der WBF-Titel im Supermittelgewicht sei vakant und wird am 24. Oktober in Bielefeld zwischen den beiden Ungarinnen Zita Zatyko (15(11)-1-1) und Szilvia Szabados (5(2)-0-0) neu ausgeboxt. Am vergangenen Samstag verschwand dann die Veranstaltung in Bielefeld aus der BoxRec-Liste. Dafür erschien unter dem gleichen Link eine Veranstaltung des gleichen ungarischen Promoters am 31. Oktober in der Slowakei.

Die bisherige Titelträgerin Nikki Adler hatte diesen Titel zuletzt am 30. November 2013 in Grozny / Russland gegen Zane Brige verteidigt. Normalerweise geht man davon aus, Weltmeistertitel bleiben mindestens 12 Monate beim jeweiligen Titelträger. Normal wäre auch, dass ein Boxverband seine Weltmeister darüber informiert, wenn diese Zeit abläuft und anfragt, ob eine Verteidigung geplant ist. Doch weit gefehlt. Der Verband WBF sieht das wohl etwas anders.

Nikki Adler war von dieser Nachricht völlig überrascht. Sie wusste nichts davon, dass ihr Gürtel plötzlich vakant ist und für sie kampflos den Besitzer wechselt. Es gab zwar vor einiger Zeit eine Anfrage des WBF an Nikki Adler, wann sie den Titel verteidigen will. Auf diese Anfrage antwortete die 4-fache Supermittelgewichts-Weltmeisterin, dass nur ihr Promoter, die ITS-Promotion Hamburg darüber Auskunft geben kann und das auf Anfrage auch tun wird. Doch bei Wjatscheslaw Tschibisow, dem ITS-Chef, kam nie eine derartige Anfrage oder Mitteilung ins Haus. Nicht die erste Pleite, die man mit dem Verband WBF erlebt hat.

Die Reaktion von Nikki Adler: „Ich bin echt fassungslos und habe keine Worte dafür!“ kann man nur zu gut nachvollziehen.

Jetziger Stand: Man glaubte bisher noch an einen Fehler beim BoxRec-Eintrag. Es hätte gut sein können, die beiden Ungarinnen boxen einen Interim-, International- oder Interconti-Titel aus. Doch dem ist nicht so. Es geht um den regulären WBF-Titel. Dazu wurde seitens des WBF erklärt, ein WM-Titel muss innerhalb von 10 Monaten verteidigt werden und die „kleinen“ Titel verlieren bereits nach 6 Monaten ihre Gültigkeit. Davon hätte man sowohl die Titelträgerin, als auch ihren Promoter informieren müssen. Doch das geschah nicht. So musste Nikki Adler erst durch den BoxRec-Eintrag erfahren, dass sie keine WBF-Weltmeisterin mehr ist und ihren Gürtel kampflos verliert.

Nach Auskunft von ITS-Promotion wird man sich genau überlegen, wie man in dieser Sache weiter vorgeht. Es ist nicht auszuschließen, dass es demnächst für Nikki Adler wieder um einen WM-Gürtel geht. Der Reiz, den WBF – Titel zurück zu erobern, ist allerdings minimal. Sowohl Nikki Adler als auch Promoter ITS sind maßlos enttäuscht von solchen Geschäftsgebaren. Der Verband WBF schießt sich damit jedenfalls ein Eigentor.

Um die ganzen Neuigkeiten zu nennen: Der Verband WBF behält sich im Übrigen auch vor, Weltmeistertitel abzuerkennen, sobald der Titelträger um den Titel eines anderen Verbandes kämpft. Was überall gängige Praxis ist, das Anstreben von Titelvereinigungen, findet beim WBF überhaupt keinen Anklang und wird scheinbar wenn irgend es geht, bestraft. So hat es zumindest in der Wahrnehmung aller Umstände den vermutlichen Anschein. Es ist zu vermuten, dass die Ursache des ominösen Punkturteils gegen Raja Amasheh genau darin zu suchen ist. Dabei sollte man gerade im Boxsport davon ausgehen können, dass man unter erwachsenen Menschen ist und respektvoll und fair miteinander umgeht.