Am 2. Juni feierte Nadia Raoui ihren 30. Geburtstag. Von unserer Seite einen herzlichen Glückwunsch dazu. Wir wollen die Gelegenheit nutzen und eine kurze Rückschau halten.
Nadia Raoui begann ihre Profiboxkarriere mit einem Paukenschlag: Ein Punktsieg über Elina Tissen, die 2006 nach 2 Siegen durch Nadia Raoui ihre erste Niederlage hinnehmen musste. Was darauf folgte, war der übliche Karriereaufbau einer Profboxerin. In den Jahren 2007/08 absolvierte Nadia Raoui 8 siegreiche Kämpfe. So ganz nebenbei baute sich um sie eine Fangemeinde auf, die sie als einen „Geheimtipp“ schätzten und darauf hofften, dass Raoui früher oder später zu Weltmeisterehren kommt. Es sollte tatsächlich zu einem WM-Fight kommen. Am 20. Dezember 2008 ging es in Zürich auf der Undercard von Valuev vs Holyfield um den WIBA-Titel gegen Eileen Olszewski. Dieser Kampf endete mit einem relativ seltsamen Unentschieden (95:95, 92:98, 96:95). Normalerweise wäre ein schnellstmögliches Rematch angesagt. Doch Olszewski ließ sich damit sehr viel Zeit, legte erst einmal eine Pause von 2 Jahren ein und absolvierte 3 weitere Kämpfe, ehe sie 2012 noch einmal gegen Nadia Raoui antrat und diesen Kampf in Köln nach Punkten (90:100 und 2x 93:98) verlor. Raoui hatte den mittlerweile vakant gewordenen WIBA-Gürtel anderweitig erkämpft und die „The Hawaiian Mongoose“ Olszewski scheiterte als Herausforderin.

Zur gleichen Zeit war Susi Kentikian die führende Boxerin im Fliegengewicht. Sie trug 3 WM-Gürtel und es kam im Jahr 2010 zum unvermeidlichen Aufeinandertreffen beider Boxerinnen. Nach großem Kampf sahen sich Beide als Sieger. Das Punkturteil fiel denkbar knapp mit 96:94 für und 2x 94:96 gegen Nadia Raoui aus. Nicht wenige Boxfans brachte dieses Urteil auf die Barrikaden. Nadia Raoui sah sich um den Sieg betrogen und lies ihren Tränen freien Lauf. Dieser Kampf „schrie“ regelrecht nach einem unvermeidlichen Rematch, doch es kam leider nie dazu.

Zwischenzeitlich wurde Nadia Raoui zur WIBA-Weltmeisterin und verteidigte diesen Gürtel wie bereits erwähnt gegen Olszewski. Im Jahr 2013 kam es noch einmal zu einem großen Kampf gegen Melissa McMorrow. Dabei ging es um 2 WM-Titel (WBO, und WIBF). Diese Gürtel hatte die Amerikanerin Susi Kentikian abgenommen. Der Kampf ging verloren (91:99, 94:96, 96:94). Die Gründe dafür zu benennen fällt leicht, wenn man selbst nicht im Ring steht: Nach 3 oder 4 Runden, in denen Raoui nicht die rechten Mittel gegen McMorrow fand, fehlte einfach der „Plan B“. Dieser Kampf war der bisher letzte, den Nadia Raoui absolvierte. Sie konzentrierte sich danach auf ihre berufliche Entwicklung.

Auch wenn die große Weltkarriere im Profiboxen in der zurück liegenden Zeit nicht ganz gelingen wollte, steht nicht nur für die Raoui-Fans fest: Nadia Raoui ist die „Weltmeisterin der Herzen“, eine absolute Sympathieträgerin und großes Aushängeschild für den Frauenboxsport. Ob sie sich noch einmal motivieren kann und in den Boxring zurück kehrt? Diese Frage kann sie nur selbst beantworten. Mit 30 und der gesammelten Erfahrung die sie hat, stünden ihr gewiss noch viele Türen offen, wenn die Bedingungen stimmen.



