Eigentlich war schon bei der ersten Ansetzung dieses Kampfes klar, dass es nicht der überragende Gegner sein wird, der da gegen den WBO Weltmeister in den Ring steigt. Der Kampf fand nicht wie geplant im März statt, sondern wurde gestern Abend nachgeholt. Doch so ganz leicht wie man es vielleicht erwartet hätte, hat es der Italiener dann doch nicht gemacht. Das erwartete Fallobst sieht auf jeden Fall anders aus.

Man mag jetzt darüber streiten können, wer da welche Strategie verfolgt hat. Zu erwarten war, dass Huck einen solchen Gegner in 4-6 Runden im Sack hat und den Kampf mit einer seiner wild-spektakulären Schlagserien beendet. Larghetti hatte wohl ein Ziel: Nicht als Opfer gelten, munter drauf los boxen und die 12 Runden überstehen. Wenn man rückblickend den Kampf beurteilen will, war es wohl die Strategie von Huck, diesmal 12 Runden zu gehen und dabei den Gegner überlegen zu beherrschen. So wollte er den Zuschauern gutes Boxen zeigen. Das war soweit mal von allen Beteiligten gut gedacht.
Der Kampf ging in der ersten Kampfhälfte komplett an den Weltmeister, ganz einfach weil er mehr und bessere Hände im Ziel hatte. In den folgenden 2 oder 3 Runden kam Laghetti etwas auf. Es war sogar zu beobachten, dass Huck den Rückwärtsgang einlegte. Erstaunlich war dabei allerdings, wie leicht der Italiener mit schnurgerade geschlagenen Händen Treffer an Hucks Kopf landen konnte. Spätestens nach dem 10. Durchgang war Laghetti mit seinem Latein oder besser gesagt: seiner Kraft am Ende und man hätte eigentlich erwarten können, dass sein „Abschuss“ unmittelbar bevor steht. Doch er bewies „Eier“ und stellte sich weiter dem Kampf.
Das war allerdings nur möglich weil Huck sich Zeit nahm – zu viel Zeit. Die brachiale Angiffswelle mit der gewohnt ungestümen Schlagserie kam zu spät. Der letzte Schlag wurde noch innerhalb der regulären Kampfzeit geführt. Der Bodenbesuch Laghettis kam allerdings erst nach dem Gong. Es war vielleicht so geplant, einen KO bis zum Schluss aufzusparen um den Zuschauern was spektakuläres zu bieten. Huck hätte vielleicht nur ganze 5 Sekunden früher mit seinem Vernichtungswerk beginnen müssen. So blieb es bei einem Punkturteil, wenn auch einem glanzlosen. Der WBO-Weltmeister bezwang einen italienischen Bauern durch 118:110 und 2x 116:112. Ein Kampf und Sieg der vielleicht gut gedacht, aber am Ende doch schlecht gemacht war.
Mehr als ein sparsames Lächeln konnte dieser Kampf dem extra angereisten Ex-Champ Johnny Nelson nicht abringen. Der 47-jährige meinte, er würde Huck nach einem halben Jahr Vorbereitungszeit schlagen können. Ob es dazu jemals kommt oder dieses Geplänkel einfach nur dazu gehört, kann man getrost im Raum stehen lassen. Bevor Huck jetzt, beflügelt durch diesen Sieg, allerdings weiter seinen Höhenflügen nacheilt, sollte er sich darüber im Klaren sein: Es gibt im Cruisergewicht noch so manche wirkliche Aufgabe. Vielleicht kann sein Management ihn ja zu einem Kampf gegen den starken Südafrikaner Thabiso Mchunu überreden. Oder sollte er gar eine Titelvereinigung gegen den Polen Wlodarczyk wagen?
Falls die Reisekasse von Sauerland Promotions noch was hergibt: Mchunu verteidigt seinen NABF-Titel am 20. September in Mashantucket/USA. Wlodarczyk verteidigt seinen WBC-Titel am 27. September in Moskau gegen Grigory Drozd, wo auch WBA – Champ Denis Lebedev gegen Pawel Kolodziej kämpfen wird. Bei beiden Gelegenheiten könnte Huck sehen, wie die anderen „besten Cruiser der Welt“ aussehen. Wenn er Mumm hat, wird er sich ihnen stellen.
Hier der ganze Kampf:
https://www.youtube.com/watch?v=EhM72C5CIgo