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Wenn heute Abend der Kampf zwischen Huck und dem Italiener Laghetti steigt, will WBO-Weltmeister Marco Huck den Rekord des Engländers Johnny Nelson einstellen und mit der 13. Titelverteidigung dieses WBO-Gürtels in die Box-Geschichtsbücher einziehen. Soweit – so gut. Aber welche Leistung steht dahinter? Nennt Huck sich zu Recht in einem Atemzug mit einem früheren Boxer wie Johnny Nelson? Oder steckt dahinter etwa Übertreibung?

Denkt man ein bisschen zurück, fällt einem vielleicht der Kampf gegen Denis Lebedev ein, den Huck nur mit Hilfe von Punktrichter-Rückenwind und „Fortuna“ gewinnen konnte. Das war im Jahre 2010. Jede Diskussion über einen eigentlich zwingend notwendigen Entscheidungskampf wurde damals gekonnt ausgesessen. Weihnachten kam und im neuen Jahr wurde das Thema totgeschwiegen. Später hieß es dann mehr als arrogant: Weshalb noch einmal gegen so einen kämpfen, den ich schon einmal besiegt habe? Mit einem ordentlichen Kampfgericht wäre Huck seinen WBO-Titel bereits 2010 oder spätestens bei einem 2. Kampf gegen Lebedev los gewesen. Das ist nun mal Fakt.

Was kam dann? Mit Nakash ein Gegner, der kurzfristig einsprang, nur 10 Tage Vorbereitungszeit hatte und dabei auch noch Gewicht abkochen musste. Auch der Argentinier Garay war ein Ersatzgegner. Danach wurde der nächste Argentinier: Rogelio Omar Rossi in 6 Runden abgefertigt. Welche Qualität dieser Boxer hatte, muss man nicht weiter drüber nachdenken. Danach kam ein ambitionierter Höhenflug: Der knappe Kampf in Schwergewicht gegen Povetkin. Seit 2012 gab es nur noch Kämpfe gegen Arslan und Afolabi. Das waren 2 knappe Kämpfe, die man auch als verloren hätte werten können und 2 Siege. Ist man damit ein überzeugender Weltmeister und bester seiner Gewichtsklasse?

Es wäre noch Einiges zu tun. Wenn ein Boxer als bester seiner Gewichtsklasse gelten will, dann sollte er sich auch mit den besten Boxern seiner Gewichtsklasse messen. Statt dessen wird ein unbekannter Italiener, der leistungsmäßig in der 3. Reihe (Platz 37 BoxRec) zuhause ist, als ungeschlagener Gegner aus dem Hut gezaubert und damit soll dann Weltmeister Marco Huck einmal mehr zeigen, was für ein toller Boxer er ist. Eine Titelvereinigung wäre das mindeste, was man erstmal erwarten könnte. Gegner wären Hernandez, der als Teamkollege vielleicht nicht in Betracht kommt, der Pole Wlodarzcyc oder eben: Denis Lebedev, dem Huck schon seit Dezember 2010 einen Rückkampf schuldet. Über andere starke Boxer, wie den Südafrikaner Thabiso Mchunu, denkt man lieber gar nicht erst nach.

Doch Fehlanzeige. Wenn es ganz dumm kommt, verkündet Marco Huck heute Abend nach einem vorzeitigen Sieg gegen Laghetti, dass er nun keine Gegner mehr im Cruisergewicht findet und unbedingt ins Schwergewicht aufsteigen muss. Dann geht der ganze Zauber im Schwergewicht so weiter wie bisher. Champ per Hype – dieser Frage kann man auch in Zukunft geschickt aus dem Wege gehen. Vielleicht steigt er ja in Windeseile in den Schwergewichtsrankings und kämpft demnächst gegen Chagaev um die WBA-WM?