Schon wieder eine WBA-WM im Schwergewicht? Man muss schon langsam aufpassen, wenn man nachvollziehen will, nach welchen Kriterien die Boxverbände ihre Titel ausboxen lassen. Es ist zu befürchten, dass dabei oft eher das liebe Geld Geld als eine sportliche Leistung die Hauptrolle spielt. Man versucht von allen Seiten her, das Maximum heraus zu holen. So wunderte es nicht, als vor einigen Wochen nichts zu teuer war, den „regulären“ WBA-Titel unbedingt in Grozny/Tschetschenien zwischen Ruslan Chagaev und Fres Oquendo ausboxen zu lassen.

Am Donnerstag, dem 11. September präsentieren nun „Golden Boy“ und „Mayweather Promotions“ in Las Vegas den Kampf um den Interim-Titel der WBA im Schwergewicht. Gegner hier sind dann der in Miami lebende Kubaner Luis Ortiz (21(18)-0-0) und der in Hollywood lebende Nigerianer Lateef Kyode (20(16)-0-0). Man kann beinahe vermuten, hier handelt es sich um eine Gegen-Weltmeisterschaft zu der in Russland. Zumindest wird das so wahrgenommen.
Zuvor gab es einige Irritationen. Der letzte reguläre WBA-Weltmeister Povetkin sollte schon zu Beginn des Jahres gegen Ortiz um den regulären WM-Titel boxen. Diese WBA-Idee fand nicht gerade viel Beifall, weil Povetkin diesen Titel gerade erst im Kampf gegen „Super-Champ“ Wladimir Klitschko verloren hatte. Eigentlich ein Unding, gleich im nächsten Kampf schon wieder um diesen Titel boxen zu wollen. Dieser Kampf kam dann nicht zustande. Doch statt den hoch gerankten Ortiz gegen einen anderen Gegner boxen zu lassen, entschied die WBA, den vakanten Titel zwischen Ex-Champ Chagaev und einem vermeintlich leicht zu besiegenden Gegner auskämpfen zu lassen. Mit knapper Not erreichte Chagaev sein Ziel und wurde in Grozny regulärer WBA-Weltmeister.
Offenbar reicht der WBA das aber nicht aus und man besann sich auf Luiz Ortiz, der nicht ohne Grund stocksauer war, weil man ihn aufs Abstellgleis geschoben hatte. Der im Ranking am höchsten platzierte Ortiz darf nun um den Interim-Titel kämpfen. Sein Gegner Kyode ist im WBA-Ranking auf Platz 5 zu finden und zumindest das rechtfertigt diesen Kampf. Allerdings: Besonders die Rangliste der WBA ist mindestens zur Hälfte mit Boxern besetzt, die da überhaupt nicht hin gehören. Das ist eine Praxis, die es erlaubt bestimmte Boxer hoch zu bewerten, um sie dann als leichte Gegner zu rechtfertigen.
Alles was man am 11. September erwarten kann, ist ein überzeugender Sieg von Ortiz. Ob dann allerdings Chagaev und Ortiz jemals gegeneinander antreten werden, steht auf einem anderen Blatt.