Bereits im vergangenen Jahr sollten Kubrat Pulev (19(10)-0-0) und Dereck Chisora (20(13)-4(1)-0) im Kampf um den EBU(Europa) – Titel gegeneinander antreten. Da das Sauerland-Team mit dem Bulgaren aber höhere Ziele verfolgte, verzichtete Pulev auf diesen Kampf und damit die Verteidigung seines Europameistrtitels, boxte stattdessen lieber einen IBF-Eliminator gegen Tony Thompson und wurde nach einem eindeutigen Punktsieg IBF-Pflichtherausforderer gegen Weltmeister Wladimir Klitschko.
Der so vakant gewordene Titel wurde dann zwischen Chisora und einem anderen Sauerland-Kämpfer ausgeboxt. Man schickte Edmund Gerber nach England in einen Kampf, der wohl so etwas wie seine letzte Chance war, im Sauerland-Team zu verbleiben. Das ging gehörig schief und Gerber musste sich in Runde 5 geschlagen geben. Chisora absolvierte danach weitere 2 Kämpfe gegen Ondrej Pala (TKO 3) und Kevin Johnson (eindeutiger Punktsieg) um WBO- und WBA-International-Titel. Seinen EBU-Europameistertitel verteidigte er dagegen nicht wieder.
Offenbar schmeckt diese Tatsache, als „zweitklassiger“ Verband von den Leistungsträgern abgehängt zu sein, der EBU überhaupt nicht. Der Boxer, der wenige Tage zuvor von der EBU als „Champion des Jahres“ geehrt wurde, legte keinen Wert mehr auf den Titel und boxt lieber einen Eliminator um Pflichtherausforderer von Klitschko zu werden. Das war sicher schon mal ein Schockerlebnis für die EBU. Pulev sagte noch anlässlich seiner Ehrung im Sommer vergangenen Jahres: „Ich bin sehr glücklich, diese Auszeichnung zu erhalten. Die EBU ist eine langjähriger und renommierter Verband und ich bin stolz darauf, sein Schwergewichts-Champion zu sein.“ Und dann legt er den Titel kurze Zeit später nieder. Der andere Boxer, Dereck Chisora, der als Pulev-Gegner gesetzt war, erkämpft den Gürtel und verteidigt ihn dann nicht wieder. Ganz schön blöd für die EBU. Also was machen? Natürlich einen Pflichtkampf anordnen um sich als Verband wieder etwas mehr in den Fokus zu rücken. Einen Pflichtkampf zwischen Chisora und Pulev wohlbemerkt, so wie er schon im letzten Jahr stattfinden sollte, nur jetzt mit dem anderen Boxer als Titelträger.
Da bisher noch keine Einigung zwischen beiden Parteien erzielt wurde, musste die Frist dafür von der EBU noch einmal bis 18.März verlänget werden. Einigt man sich nicht, geht der Kampf in die Versteigerung. Es kann aber auch ganz anders kommen, falls man bei Sauerland auf bessere Ideen kommt. Warum sollte Pulev überhaupt das Risiko eingehen, gegen Chisora zu kämpfen? Er kann den Kampf gewinnen und damit auch IBF-Pflichtherausforderer bleiben oder verlieren und damit den gleichen Weg gehen wie vor ihm Denis Boytsov. Dessen Titelchance wurde mit einer blamablen Leistung gegen einen vermeintlich leichten Gegner verspielt. Also warum den gleichen Fehler noch einmal machen, diesmal sogar gegen einen Top-Gegner? Nur um einen EBU-Europameistertitel zu bekommen? Sicher, Pulev wird womöglich noch lange auf den Kampf gegen Klitschko warten müssen, aber wäre es nicht klüger, in der Zwischenzeit gegen weniger ambitionierte Gegner anzutreten als Chisora einer ist? Pulev selbst würde auf keinen Fall gegen Chisora kneifen, aber warum sollte Sauerland 2x den gleichen Fehler machen? Vielleicht sollte man lieber Denis Boytsov ins Rennen um den EBU-Titel schicken. Der könnte sich nach seinem verlorenen Kampf gegen Leapai damit erst einmal seinen Stammplatz im Sauerland-Team redlich verdienen.




