Man sprach schon zu Zeiten des römischen Kaisers Trajan von „Brot und Spielen“ um das Volk ruhig zu halten. Gemeint war die ausreichende Versorgung mit Nahrung und ein faszinierendes Unterhaltungsangebot, wodurch das Volk im ausgedehnten römischen Reich zufrieden gestellt werden sollte. Was bis heute davon geblieben ist, sind Kampfsport und die diesen Sport begleitenden „Spielchen“, die in immer neuen Formen auftreten. Ein begleitendes Beiwerk um das Interesse an einem Kampf zu erhöhen.

Neben dem üblichen verbalen Schlagabtausch vor dem Boxkampf zwischen Superweltmeister Wladimir Klitschko und seinem IBF-Pflichtherausforderer Kubrat Pulev kam es nun zu einem Eklat bei einer Pressekonferenz. Laut Meldungen von RTL.de hat das Klitschko-Lager die Gegenseite kurzerhand von der Pressekonferenz ausgesperrt. Klitschko-Manager Berd Bönte erklärte: „Laut Kampfvertrag darf nicht die gesammte Entourage des Gegners dabei sein.“ Er wollte nur Pulev und maximal 3 Begleiter zur Pressekonferenz zulassen. Darauf hat Pulev mit der Bemerkung: „Entweder alle oder keiner!“ den Konferenzsaal verlassen und sich mit den Vertretern des Sauerland-Teams in Richtung Hotel-Restaurant begeben.

Die Pressekonferenz fand dann ohne Pulev statt. An Pulevs Stelle wurde ein Stuhl auf den Tisch gestellt. Wladimir Klitschko meinte: „Ich hoffe, dass es am Samstag kein Schattenboxen wird.“ Promoter Sauerland befürchtet weitere Zwischenfälle: „Wenn so etwas jetzt passiert, was passiert dann im Ring?“
Das ganze Spielchen hat ein wenig Vorgeschichte. Erstmal dürfte die Sauerland-Seite wenig davon begeistert gewesen sein, dass Klitschko den bereits für September vorgesehenen Kampf abgesagt hat. Verletzungen passieren, doch auch Pulev hatte damit umsonst auf diesen Termin hin trainiert, was natürlich nicht gerade für Begeisterung gesorgt haben dürfte. Dann rückte das Thema Dopingkontrollen in den Fokus. Pulev bemängelte, dass Super-Champ Klitschko sich keiner unangemeldeten Dopingkontrolle unterziehen lassen würde, während er selbst mehrmals im Jahr sogar während seines Trainings in Bulgarien kontrolliert würde. Die Unstimmigkeiten gingen weiter, als die Sauerland-Seite den Klitschko-Kampfvetrag ablehnte und auf einem neutralen IBF-Mustervertrag bestand. Das Aussperren von Teilen des Sauerland-Teams zur Pressekonferenz wurde als eine Retourkutsche dafür verstanden.
Sauerland-Manager Chris Meyer betonte: „Wir haben jedes Jahr 15 bis 20 Veranstaltungen in verschiedenen Ländern. Aber so einen Hickhack hat es noch nie gegeben.“ Ein Anruf bei der IBF in New Jersey mit der Schilderung der Ereignisse im Hotel habe laut Meyer auch die Verbandsspitze verwundert. So etwas kindisches kann auch nur verwundern. Immerhin sollte wenigstens zum Kampf niemand ausgeschlossen werden und niemand unverrichteter Dinge abdrehen. Schließlich geht es dabei neben Ruhm und Ehre auch um eine Menge Geld. Laut RTL bekommt Herausforderer Kubrat Pulev eine Börse von 1,4 Mio €, während Wladimir Klitschko für die Titelverteidigung mit 5,6 Mio € entlohnt wird.
Einen Clip zu dem Pressetermin gibt es auf RTL.de zu sehen (Klick)
Wer wird diesen Kampf gewinnen? Eine „Abstimmung der Woche“ dazu gleich hier auf der Seite.



