Mit einem beinahe als glanzlos zu bezeichnenden Punktsieg nimmt George Groves Christopher Rebrasse den EBU-Europameistertitel ab und sichert sich gleichzeitig den WBC-Silverbelt im Supermittelgewicht. Seine Leistung blieb dabei allerdings hinter den Erwartungen zurück. Das Punkturteil (117:111 und 2x 118:110)ist zwar eindeutig, doch wer den Kampf sieht, muss feststellen: Da fehlt noch einiges an Aktivität, wenn man Weltmeister werden will. Luft nach oben ist noch reichlich vorhanden.

WBC-Champ im Supermittel ist Anthony Dirrell. Der brauchte 2 Anläufe um sich den Weltmeistergürtel von Sakio Bika zu holen. Im ersten Kampf gab es ein umstrittenes Unentschieden. Im zweiten einen Punktsieg für Dirrell. Mit der Vorstellung gegen Rebrasse von gestern Abend dürfte es wohl kaum für einen Sieg über Dirrell reichen. Da fehlt noch Einiges – oder sollte Groves in seinen 2 Kämpfen gegen Carl Froch soviel Substanz gelassen haben, dass ihm bereits jetzt der Biss fehlt?
Vielleicht bringt ein Kampf gegen einen anderen jungen Supermittelgewichtler Aufschluss darüber, ob Groves das Zeug dazu hat, Weltmeister zu werden. Abgesehen vom Karlsruher Vincent Feigenbutz, für den ein solcher Fight interessant, aber auch recht früh wäre, könnte Groves einen Kampf machen, der ihm mehr abverlangt, als Rebrasse es gestern Abend konnte. Ein Gradmesser wäre vielleicht der 23-jährige Mexikaner Gilberto Ramirez Sanchez (29(23)-0-0). Aber ob das Sauerland-Team so ein Risiko eingeht, ist nicht absehbar. Der Mexikaner trägt den WBO-International und wird früher oder später sowieso in Europa zu sehen sein.