Neue Entwicklungen zum umstrittenen IBF Titelkampf zwischen Cagri Ermis und Jörg Doberstein. Die Gerüchte, dass Veranstalterin Eva Rolle die Dopingtests gefälscht hat, verdichten sich immer mehr. Nach neuesten Informationen ist die GBA selbst allerdings auch nicht so ganz unschuldig.

Eigentlich ist es so, dass die Kosten für die Dopingtests der NADA vom Verband übernommen werden, dem Veranstalter also in Rechnung gestellt werden. Die Boxer selbst werden üblicherweise nicht zur Kasse gebeten. Eine Ausnahme ist es, wenn der Dopingtest positiv ausfällt. Dann kann es für den Sünder teuer werden.

In diesem Fall lief alles ein wenig abstrakter ab. Nachdem Doberstein in einen Becher gepinkelt hatte und dabei offenbar ziemlich bedrängt wurde, strich die GBA 1000 Euro von ihm ein. Präsident Jörg Milcke kassierte diese höchstpersönlich und stellte nach einigem Drängen auch eine Quittung aus.

Es deutet also alles darauf hin, dass der Verband in der Sache mit drinsteckt und die Aktion aktiv unterstützte. Eine knifflige Angelegenheit, welche den Verband in arge Bedrängnis bringen könnte. Bereits früher hatte sich zum Beispiel Boxrec.com geweigert, GBA Kämpfe in ihre Datenbank aufzunehmen. Mit den nun aufkommenden Zweifeln an der Seriosität des Verbandes könnte sich dies wiederholen.

Herr Milcke hat die 1000 Euro an Veranstalterin Frau Eva Rolle weitergereicht. Die Beweise dafür liegen in unserem Tresor. Frau Rolle wurde am 18. März bereits die Promoter-Lizenz entzogen.“, teilte GBA Sportdirektor Stephan Posch mit. Zu den eigenen Vergehen, bezog der Verband bisher keine Stellung.

Benjamin Simon

Rolles Ex-Boxer Benjamin Simon bestritt ebenfalls eine Reihe von IBF Titelkämpfen unter GBA Aufsicht. Ihm fielen allerdings keine Ungewöhnlichkeiten auf: „Ich kann natürlich meine Hand nicht ins Feuer legen, aber mir kamen die Kontrolleure der NADA immer recht pingelig und seriös vor. Ich war damals mit Robert auch recht dicke und nehme an, dass er mir erzählt hätte, wenn da etwas nicht stimmt. Die haben spezielle Schraubverschlüsse verwendet, die man hinterher nicht einfach so wieder öffnen könnte. Die Männer waren mir alle unbekannt und waren sehr streng. Einmal hatte ich angegeben, eine Infusion bekommen zu haben, weil ich dehydriert war. Obwohl da nichts verbotenes drin war, erlaubte die NADA keine Infusionen und ich musste da noch einmal zur Anhörung mit einer Ärztin und Rechtsanwalt hin. Weil ich viele Sachen zum Muskelaufbau genommen habe, hatte ich eh immer Angst, dass da irgendwelche verbotenen Sachen drin waren. Die kamen mir recht gründlich vor. Allerdings muss man auch sagen: Als ich gegen Fabio Liggeri geboxt habe, hat man seine positive Dopingprobe im Nachhinein vertuscht, um ihm nicht noch eine reinzuwürgen. Das hat mich damals gewundert, dass es nicht in die Öffentlichkeit kam. Und beim NBA Titelkampf gab es überhaupt keine Tests. Aber die NADA Leute, bei denen ich mich selber noch erkundigen möchte, ob sie damals wirklich vor Ort waren, wirkten sehr seriös, wenn sie dabei waren.“

Egal, ob also Veranstalter, Verband oder sogar beide in diesen skandalösen Vorfall verstrickt sind – für den Sport bleibt zu hoffen, dass sich die Sache schnell aufklärt und es sich nur um einen Einzelfall handelt.

Hier noch ein paar Dokumente, die den momentanen Kenntnisstand belegen, unter anderem das gefälschte NADA-Formular:

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