… aber ich sehe keinen Platz für das Frauenboxen. Das schlägt ja mal wieder ein: Kaum passiert ein schwerer Unfall im Frauenboxen, wird dieser Anlass missbraucht um einmal mehr gegen das Frauenboxen zu Felde zu ziehen. Der Don Quichotte diesmal: Frank Warren, ein allseits im Boxgeschäft bekannter britischer Promoter. Er äußert sich auf der Internetseite „independent.co.uk“ über das Frauenboxen und macht dabei aus seiner Ablehnung keinen Hehl. Natürlich macht sein Artikel in den sozialen Netzwerken die Runde und er bekommt postwendend einige gepfefferte Antworten von Frauen die dem Boxsport nachgehen.

In einer exklusiven Kolumne betont er gleich zu Beginn: „Ich bewundere jeden, der seinem Sport auf seinem Level nachgeht. Ich sehe auch, dass manche Frauen gerne boxen. Aber ich habe nie einen Hehl daraus gemacht, kein Fan davon zu sein.“
Weiter geht es dann gleich mit diesem schweren Geschütz: „Der Tod einer Boxerin in Südafrika bestärkt mich in meiner Ansicht, dass Boxen kein Sport für Frauen ist. Es ist tragisch, dass eine Frau als Folge eines Boxkampfs gestorben ist. Was für eine elende Woche für den südafrikanischen Sport. Phindile Mwelase, eine 31-jährige Profiboxerin im Halbweltergewicht, fiel nach einem Kampf in Pretoria am 10. Oktober ins Koma und erholte sich leider nicht wieder.“
Dann zitiert Warren den südafrikanischen Präsidenten, Jacob Zuma, der sagte: „Sie übte eine Sportart aus, die überwiegend männlich ist um zu beweisen, dass Frauen auch im Boxen erfolgreich sein können.“ Warren ergänzt: „Na ja vielleicht, aber zu welchem Preis?“
Warren weiter: „Zwangsläufig wird nun das Frauenboxen unter intensiver Beobachtung sein, wenn Savannah Marshall bei den Amateurweltmeisterschaften in Südkorea versuchen wird, als erste Britin zum 2. mal Weltmeisterin zu werden. Ich wünsche es ihr und den anderen 3 Britinnen auch. Aber ist ist kein Ereignis, dem ich folgen werde. Ich mache keinen Hehl daraus das ich Frauenboxen nicht mag und werde es auch in Zukunft nicht tun. Ich bewundere jeden und jede Sportart, egal auf welcher Ebene. Aber wenn Frauen sich durch Boxen profilieren, habe ich nie die Tatsache verborgen, dass ich kein Fan davon bin.“
Weiter betont Warren, er sei kein Chauvinist, sondern für Chancengleichheit im Sport. Aber er sagt auch, Mädchen wüssten vielleicht gar nicht, das der Kampf um Gürtel dem in Kampf in vorderster Front in Kriegen gleichkommt. Dann geht er noch weiter und macht sich Sorgen über die Auswirkungen auf das „reproduktive System“ der Frauen, wenn sie immer wieder am Bauch getroffen werden. Es habe schon Frauen gegeben, bei denen man beim Wiegen festgestellt habe, dass sie schwanger sind und das ihnen dann natürlich nicht erlaubt war zu kämpfen. „Aber ob die auch wussten, was in den Sparrings zuvor in ihrem Körper passiert ist?“ – so der besorgte Frank Warren.

Dann lobt Warren das Amateurboxen der Frauen und erwähnt insbesondere Nicola Adams, die erste Goldmedalliengewinnerin im Frauenboxen bei Olympia 2012. Da sei für den Sport und die Nation brilliant gewesen. Sie sei eine „grandiose Botschafterin“. Aber er betonte gleich, dass er es nicht gut finden würde, wenn sie Profiboxerin werden sollte.
Frank Warren: „Nennen sie mich einen alten Penner, aber ich sehe es so. Es ist wahrscheinlich eine Generationssache. Meine beiden Söhne, Francis und George, mit denen ich „Queensberry Promotions“ betreibe, würden mit Boxerinnen zusammenarbeiten.“
Dann folgen weitere Ausführungen Warrens, die immer schön weiter alle möglichen Klischees bedienen und schon allein deshalb nicht weiter erwähnenswert sind. Er schließt sein Statement mit den Worten ab:
„Ich sage nicht, es sei die einzige Aufgabe von Frauen, als Ringgirl die Nummernkarten hochzuhalten. Wenn sie gegeneinander kämpfen wollen, ist das ihre Sache, aber nicht meine, mir das anzusehen. Also viel Glück den Damen, die boxen, aber ich fürchte, sie werden mein Boot nicht erreichen.“
Soweit die Meinung von Frank Warren zum Frauenboxen. Scheinbar ist auch er einer von denen die glauben, das Boxen als eine der letzten „Männerbastionen“ verteidigen zu müssen. Dabei gerade den tragischen Tod einer Sportlerin als Anlass zu wählen, seine verstaubten Ansichten zu propagieren, ist weit mehr als widerlich. Entsprechend sind auch die ersten Reaktionen in den sozialen Netzwerken auf sein Statement. Abgesehen von wenig hilfreichen Kommentaren, wie: „Go jump into a river full of crocs and hippos!“ gab es auch lesens- und übersetzenswertes an ersten Reaktionen:
Sue TI Fox: „Frank Warren: Glaubst du wirklich, jemand interessiert sich für deine veralteten Ansichen über den Sport? Du sagst: „… nennt mich einen alten Penner.“ Kein Problem, alter Penner!“

Ria Ramnarine: „Als ich vor Jahren anfing zu boxen, begegnete ich einem alten Penner-Jounalisten in Trinidad, der gegen das Frauenboxen war. Mein Trainer fragte ihn, ob er glaubt mit seiner Meinung das Frauenboxen stoppen zu können. Lustig war, das genau dieser Penner 3 Jahre später einen ganzseitigen Bericht über mich geschrieben hat, nachdem ich meinen ersten Titel gewonnen hatte. Mein Standpunkt: Lasst euch nicht von irgend einem Penner das Herz schwer machen. Das ist doch nur ein Mann, der Probleme mit sich selbst hat.“
Diana Prazak, WBC Weltmeisterin im Superfedergewicht und Nr. 1 BoxRec-Ranking, bringt es auf den Punkt und sagt sehr deutlich, was wohl vielen Boxererinnen auf der Zunge liegt:
„Ich kann es gar nicht glauben, dass ich meine Zeit mit dieser Lektüre verschwendet habe. Mr. Warren, sie stehen angeblich für Gleichheit im Sport und doch müssen wir Boxerinnen gerade wegen Leuten wie Ihnen immernoch um unseren Stand im Sport kämpfen, egal wie schwer wir arbeiten. (…) Alter Penner? Ich glaube sie sind ein Wichser.“
Die Diskussion um das Frauenboxen ist also wieder mal um einige weitere Beiträge reicher.