Das Thema Börsen spielt im Profiboxen eine zentrale Rolle. Schließlich werden damit die Boxer für oft jahrelanges Training bezahlt, wenn sie es denn überhaupt schaffen, mit ihren guten Leistungen nach oben zu kommen. Doch schaut man genauer hin, tun sich Abgründe zwischen den Börsen für Männer und Frauen auf.

Der WBC-Präsident Mauricio Sulaiman hat nach seinem Amtsantritt angeregt, dass Frauen bei WM-Kämpfen dieses Verbandes eine Mindestbörse von 25 000 Dollar bekommen sollten. Das wäre für viele Boxerinnen eine Traum, denn die Realität sieht weit anders aus. Bei den Männern ist sogar ein Boxer der am meisten verdienende Sportler überhaupt. In der Forbes-Liste der 100 weltweit am besten bezahlen Sportler führt Floyd Mayweather jr mit offiziell 105 Mio Dollar. In dieser Liste sind nur ganze 3 Frauen enthalten. Es sind die Tennisspielerinnen Maria Sharpova, Li Na und Serena Williams.

Zum Thema Kampfbörsen äußert sich die jamaikanische Boxerin Alicia „Slik“ Ashley auf der Internetseite „fusion.net“. Die jetzt 47-jährige war in ihrer Karriere bereits 4x Weltmeisterin verschiedener Verbände. Sie muss einem Zweitjob nachgehen, um sich überhaupt über Wasser zu halten. Im Gegensatz zu Mayweather, der pro Kampf ca. 30 Millionen macht, bekommt sie in den USA gerade mal 3000 Dollar. Wenn dann Manager, Trainer und andere Kosten abgezogen sind, bleibt nicht die Hälfte übrig.

Wie andere Boxerinnen auch, reist Ashley ins Ausland um dort zu boxen und Geld zu verdienen. Besonders in Mexiko ist das Frauenboxen sehr beliebt. Für ihren letzten Kampf gegen Jackie Nava hat sie 30 000 Dollar bekommen. Für dieses Geld hätte sie in den USA 10x in den Ring steigen müssen. Unter diesen Umständen ist auch ein Titelverlust leichter zu verschmerzen, weil sie sonst ohnehin nichts damit anfangen kann. In anderen Ländern, selbst in Kanada und Europa ist es kaum anderes. Frauen schinden sich beim Training genau so lange und oft noch härter als Männer. Nur werden sie dafür so gut wie nicht belohnt. Ohne großzügige Sponsoren oder eigenes Kapital braucht eine Frau erst gar nicht mit dem Boxen anfangen – das ist leider die traurige Wahrheit.

Alicia Ashley: „In anderen Ländern sind meine Kämpfe der Headliner. Oft sind Frauenkämpfe das Mainevent und der spannendste Kampf einer Veranstaltung. Man will uns erzählen, dass wir nicht gleichwertig wären. Die Leute kommen um uns kämpfen zu sehen. Alles was man tun muss, ist es auch in Fernsehen zu zeigen.“

Es ist wirklich nicht fair, wie enorm der Unterschied bei den Kampfbörsen ist. Hauptsächlich verantwortlich für die bei den Frauen mangelnde Bezahlung ist die von den Medien gesteuerte Popularität dieser Sportart. Das ausgerechnet ein Land wie Mexiko dem Rest der Welt da Einiges im Voraus hat, sollte vielleicht mal zum Denken anregen.