Felix Sturm und Maurice Weber vor neuen Herausforderungen

von | 5. Mai 2015 | Profiboxen

Am 9. Mai wird es in der Festhalle Frankfurt / Main heiß hergehen. Die Hauptkämpfe einer SAT1 – Veranstaltung bestreiten Maurice Weber und Jack Culcay im Halbmittelgewicht, sowie Felix Sturm und Fedor Chudinov im Supermittelgewicht. Beide Kämpfe sind Titelkämpfe und gehen über12 Runden. Es geht dabei um die Interim-Titel des Verbandes WBA. Soweit, so gut.

Doch eben diesen Umstand, dass es nicht um die regulären Titel, sondern um Interim-Titel geht, scheint in den Vorankündigungen von Sauerland-Team und SAT1 absolut nicht zu interessieren. Den Boxfans und dem Publikum werden diese Kämpfe einfach mal als „die WM“ verkauft. Man muss sich schon fragen, ob man die Zuschauer für blöd hält oder weshalb man nicht bei der Wahrheit bleibt. Vielleicht ist man auch einfach nicht in der Lage, den Begriff „Interim-Titel“ zu erklären? Nichts einfacher als das. Nehmen wir einfach mal den Begriff und googeln ein bisschen.

Treffer bei Wikipedia. Unter dem Begriff „Interim Championship“ steht folgende Erklärung:

„Der Interim Championship oder auch Übergangstitel wird häufig im Boxen, Kickboxen und anderen Kampfsportarten verwendet. Der Titel wird eingeführt, wenn ein Titelträger über längere Zeit nicht in der Lage ist, diesen zu verteidigen. Dies kann durch eine Verletzung oder eine Vertragsunklarheit geschehen. Wenn dies eintrifft, kämpfen zwei ausgewählte Kämpfer derselben Gewichtsklasse um den Interimstitel um in der Zeit der Verteidigungsunfähigkeit einen Hauptherausforderer zu stellen. Dieser kämpft zum nächsten möglichen Zeitpunkt gegen den echten Titelträger um die Titel zu vereinen. Der Sieger wird meist „Undisputed Champion“ genannt.
Theoretisch kann der Interimtitel wie jeder andere verteidigt werden. Dies ist aber eher untypisch, da der Titel meist nur als Übergangstitel gilt. Sobald der Interimtitel mit dem ursprünglichen Titel der Gewichtsklasse vereinigt wurde kann dieser nicht mehr verteidigt werden da die Titel vereint werden. Es kann allerdings zu jeder Zeit ein neuer Kampf um einen solchen angesetzt werden.“

Jetzt muss man unterscheiden zwischen beiden Kämpfen, weil die Umstände einfach anders liegen. Felix Sturm kämpft gegen Fedor Chudinov. Der Russe trägt bereits diesen Interim-Titel und Sturm will ihm den unbedingt abnehmen. Chudinov und Sturm liegen im WBA-Ranking auf Platz 1 und 2. Chudinov erkämpfte ihn im Dezember 2014, als sowohl WBA-Superchamp Andre Ward, als auch der reguläre Champ Carl Froch nicht in der Lage waren, ihre WBA-Kronen zu verteidigen. Deshalb sah sich der Verband nach einem Ersatz um und lies einen Interim-Titel ausboxen. Wards Titel als Super – Champ gilt als ungefährdet, doch falls Froch seinen regulären Titel nicht bis zum 31.Mai verteidigt, hat der Verband WBA das Recht, ihm den Titel abzuerkennen und den Interim-Titelträger am „grünen Tisch“ zum Champ zu erklären. Genau das ist es, was Felix Sturm will: Chudinov den Interim abjagen und womöglich Carl Froch kampflos „beerben“. Vorausgesetzt, Sturm kann Chudinov besiegen, wird diese Rechnung aufgehen.

Etwas anders sieht es da mit dem Kampf zwischen Maurice Weber und Jack Culcay aus. Auch hier wird von den Veranstaltern behauptet, man würde um „die WM“ kämpfen. Das ist wohl etwas anders. Der Super-Champ dieses Verbandes ist Floyd Myweather. Der reguläre Champ ist Erislandy Lara. Der Platz 1 im Ranking ist nicht vergeben. Auf den Plätzen 2 – 4 stehen andere Boxer, die diese Positionen tatsächlich verdienen. Jack Culcay und Maurice Weber sind auf wundersame Weise auf den Plätzen 5 und 6 zu finden. Egal wie auch immer sie da hin gekommen sind. Sie boxen einen Interim-Titel aus, der eigentlich gar nicht notwendig ist. Titelträger Erislandy Lara ist fit, hat regelmäßig seinen Gürtel verteidigt und wird das auch am 12.Juni wieder tun.

Für Sturm macht es also durchaus Sinn, diesen Interim – Titelkampf gewinnen zu wollen. Für Weber und Culcay erschließt sich noch nicht so richtig, was das Ganze eigentlich werden soll. Doch unabhängig davon, wie sinnvoll diese Interim-Titelkämpfe sind, stellt sich eine andere Frage: Weshalb werden diese Kämpfe dem Publikum als „die WM“ verkauft? Ist man von Seiten der Veranstalter einfach nicht willens, bei der Wahrheit zu bleiben? Oder ist es zu schwer, das Wort „Interim“ zu erklären? Bei solchen Darstellungen kommt der Begriff „Hochstapelei“ ins Spiel. Hochstapelei ist nicht strafbar, solange es dabei nicht um das Anmaßen von Titeln geht. Man kann gespannt sein, ob die Sieger beider Kämpfe sich anschließend „Weltmeister“ nennen werden oder nicht.  

„Mundus vult decipi“- Die Welt will betrogen werden… ?

Zum Kampf zwischen Sturm und Chudinov gibt es hier eine Abstimmung. Kann Sturm es schaffen, dem starken Russen den WBA Interim-Titel abzujagen?

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