Fotomontage: Team Farias
Es kommt nicht gerade oft vor, dass die beiden führenden Boxer einer Gewichtsklasse gegeneinander antreten. Doch genau das wird am Ostersonntag, dem 20. April in Belgien passieren. Bei den Frauen findet man solche Spitzenkämpfe sicher noch seltener als bei den Männern. Um so mehr kann man gespannt darauf sein, welches Resultat der Kampf zwischen Delfine Persoon (Belgien, 28(13)-1(1)-0) und Erica Anabella Farias (Argentinien, (19(9)-0-0) bringen wird. Beide sind in der BoxRec-Liste auf Platz 1 (Persoon 73 Punkte) und Platz 2 (Farias 72 Punkte) von insgesamt gegenwärtig 109 aktiven Boxerinnen mit Abstand die Besten im Leichtgewicht der Frauen.
Es fällt in diesem anstehenden Kampf nicht leicht eine Prognose abzugeben. Auch ein Queervergleich bringt nicht viel. Beide kämpften in der Vergangenheit zwar schon einmal gegen die gleiche Gegnerin, aber auch daraus kann man keine wirklichen Schlüsse ziehen. Irma Baljagic Adler ging 2012 gegen Farias in Runde 1 KO. Persoon brauchte 2013 volle 8 Runden für einen Punktsieg. Daraus zu schließen, Farias sei die bessere Puncherin, wäre ein fataler Fehler. Die beiden 29-jährigen Boxerinnen haben eine ähnliche KO-Quote von 47 bzw. 44%.
In Deutschland fanden vielleicht die beiden Kämpfe von Lucia Morelli gegen Delfine Persoon etwas mehr Beachtung, als man es ansonsten Frauenkämpfen in Belgien zubilligt. In beiden Kämpfen musste Lucia Morelli sich vorzeitig geschlagen geben und entsprechend „Federn lassen“. Sie verlor 2012 ihren WIBF-Titel durch TKO 5 und musste 2013 auch noch ihre WBF- und WIBA-Titel drangeben, als sie durch TKO 10 unterlag. Wer sich dessen bewusst ist, dass Morelli eigentlich eine sehr ausdauernde und kampfstarke Boxerin ist, kann schon eher abschätzen, was Persoon im Ring zu bieten hat.
Erica Farias kommt als WBC-Weltmeisterin nach Belgien. Ob sie mit diesem Gürtel auch wieder nach Argentinien zurück fliegt, ist mehr als fraglich. Eigentlich hätte man meinen müssen, dass Persoon nach Argentinien reisen muss um diesen Kampf bei der Weltmeisterin zu machen, wie es eigentlich üblich ist. Doch hat Persoon-Manager Filiep Tampere beim WBC-Büro in Mexiko-Stadt mit 61 101 $ ein besseres Angebot für diesen Kampf abgegeben als der Farias-Promoter Osvaldo Rivera, der für diesen WM-Fight 50 001 $ bot.
Zu erwarten ist vielleicht ein ausgeglichener Kampf auf Augenhöhe, der von Beginn an mit Härte geführt wird. Ob es Persoon oder Farias gelingt, in den hinteren Runden eine vorzeitige Entscheidung zu erzwingen ist ungewiss. Vielleicht liegen das knappe Vorteile bei Persoon, die einfach durch ihre häufigen Kämpfe mehr Ringpraxis mitbringt. Darüber hinaus wird die Tagesform entscheiden. Sollte es zu einem Punkturteil kommen, kann man nur hoffen, dass sich Heim- und Weltmeisterbonus gegeneinander aufheben werden und ein gerechtes Urteil gefällt wird, an dem Niemand etwas auszusetzen hat.
Hier ein Clip über die WBC-Weltmeisterin, aufgenommen kurz vor ihrer Abreise nach Belgien: