Iwao_Hakamada_in_a_boxing_stance

Der Kampfrekord von Bantamgewichtler Iwao Hakamada, 16(1)-11(0)-2 sieht auf den ersten Blick nicht wirklich spektakulär aus. Doch ein Blick hinter diese Zahlen verrät, dass der heute 79 Jährige Japaner einen Kampf auszutragen hatte, welcher härter als jedes Box-Duell ist. Hakamada wurde nämlich das Opfer eines fatalen Justizirrtums und wanderte für 45 Jahre in die Todeszelle.

Hakamada wurde am 10. März 1937 in Shizouka geboren. in seiner Kindheit überlebte er den zweiten Weltkrieg und wurde mit 22 Jahren schließlich Profiboxer. Es war keine besonders nennenswerte Karriere. Rasch fing er sich die ersten Niederlagen ein, da man ihn schnell mit sehr erfahrenen Boxern ins Seilgeviert schickte. In die Nähe eines Titelkampfes kam Hakamada nie. Stattdessen boxte er so oft, wie es ihm möglich war und verdiente somit das Geld, welches ihm ein Überleben ermöglichte. Nach nur zwei Jahren und ganzen 29 Kämpfen beendete er schließlich seine Boxkarriere und wandte sich anderen Jobs zu. Doch sein größter Kampf sollte noch folgen.

1966, Fünf Jahre nach seinem letzten Boxkampf, arbeitete Hakamada in einer Fabrik, welche Sojabohnen verarbeitete. Zeitgleich wohnte er als Untermieter beim Manager des Betriebes. Eben dies sollte ihm zum Verhängnis werden. Der Manager und seine Familie wurden brutal ermordet und das Haus ging in Flammen auf. Zudem wurden rund 185.000 Yen geraubt. Als Untermieter, der Zugang zum Haus hatte und zudem Einblick ins Leben der Familie besaß, hatte man schnell einen Verdächtigen bei der Hand.

Verhöre in Japan sind damals wie heute mit Vorsicht zu genießen. Oftmals werden Gerüchte laut, dass Verdächtige gefoltert werden. Auch Hakamada behauptet, dass er während des zweiwöchigen Verhörs mit Schlägen malträtiert worden wäre. Irgendwann ließ er sich schließlich zu einem Geständnis zwingen und wurde, obwohl er es später widerrief, verurteilt. 1968 wanderte er in die Todeszelle und wartete auf seine Hinrichtung. Dabei lebte er zumeist in Einzelhaft und musste stets seinen Tod fürchten. Der Zeitpunkt der Hinrichtung erfahren Japanische Todeskandidaten nämlich erst kurz vor der Vollstreckung. 45 Jahre musste Hakamada täglich mit seinem Ableben rechnen.

In der Folge ließen sich die Behörden Zeit. Obwohl bereits 1981 Einspruch gegen das Urteil erhoben wurde, wies man diesen erst 2008 ab.  Hakamadas Schwester Hideko beantragte daraufhin postwendend den nächsten Einspruch. Wieder dauerte es einige Zeit, ehe man zu dem Beschluss kam, Hakamada freizusprechen. 45 Jahre quälende Ungewissheit, stets den eigenen Tod vor Augen, fanden ein Ende. Hakamada soll nach seiner Entlassung mental gebrochen gewesen sein und noch heute unter den Folgen der ständigen Todesangst leiden.

Am Ende waren es DNA Untersuchungen, welche den Japaner retteten. Mit neuesten Methoden stellten die Ermittler fest, dass auf Kleidern gefundene Blutspuren unmöglich vom ehemaligen Boxer stammen konnten. Besonders fatal auch hier die schlampige Arbeit der Behörden. Als die Kleidungsstücke 1967 als Beweis aufgeführt wurden, passten sie dem Verdächtigen nicht einmal. Dies ignorierend bestätigte man das Urteil.

Immerhin sicherte sich Iwao Hakamada einen Eintrag im Guinness Buch der Rekorde. Mit 45 Jahren in der Todeszelle stellte er nämlich einen Weltrekord auf, den er auch noch überlebte. Wirklich glücklich dürfte der Japaner ob der verschwendeten Lebenszeit aber wohl kaum werden. Man kann nur hoffen, dass er die letzten Jahre, die ihm eventuell noch verbleiben, dazu nutzt, um seinen Frieden mit dem Geschehenen zu finden.