Blick hinter den Kampfrekord (3): Der Mann, der sich selber KO schlug

von | 11. Okt. 2014 | Profiboxen

Henny-Wallitsch

Henry Wallitsch, 14(1)-13(7)-0 war Zeit seiner Karriere ein Mann, der hart im Nehmen war. Der US-Amerikaner boxte in den 50ern und 60ern, konnte im damaligen Schwergewicht aber nie über den Status eines Journeyman herauskommen. Was diesen Mann aus der Masse hervorhebt, ist auch nicht unbedingt sein Talent. Im Gegenteil. Wallitsch war der vermutlich einzige Boxer, der sich selber ausknockte.

Wallitsch wurde im Jahr 1935 in den USA geboren. Seine Eltern waren Einwanderer aus Österreich und hatten sich in Astoria, einem New Yorker Stadtteil im Nordwesten von Queens, niedergelassen. Zunächst war Wallitsch nicht unbedingt mit Interesse am Boxsport gesegnet, ehe ihn sein Stiefbruder zu den Veranstaltungen mitschleppte, auf denen die Kämpfer der 40er Jahre ihre Klasse bewiesen. Wallitsch, damals ein Teenager, verfiel der Faszination des Boxsports und fing an, zu trainieren. Dafür schmiss er sogar seinen Status als Anführer einer Jugendgang weg. In Wallitschs Fall bedurfte es nicht einmal eines Mentors, um den Jungen von der Straße zu locken. Der Boxsport selbst erledigte diesen Job.

Seine Profikarriere verlief relativ schleppend. Zwischen 1957 und 1966 aktiv, musste sich Wallitsch mit vielen schwereren Boxern messen. Das Cruisergewicht existierte damals noch nicht, sodass er teilweise mächtige Brocken vor sich hatte. Es kam, wie es kommen musste: Der späte Start in Verbindung mit der überschaubaren Physis führte zu einer durchwachsenen Karriere. Hinzu kam, dass die Szene auch damals schon ihre Schattenseiten (Sprich: Korruption) aufwies, welche ihm das Vorankommen erschwerten.

Am 31. Juli 1957 kam es schließlich zu einem Duell mit dem Italiener Bartelo Soni. Wallitsch verlor nach Punkten, stellte sich aber so gut an, dass es zwei Monate später zu einem Rematch kam. Dieses war letztendlich der Kampf, an den sich einige Insider noch heute erinnern. Wallitsch suchte von Beginn an den Schlagabtausch, während Soni sehr defensiv antrat. Der Italiener stellte flinke Beine und gute Reflexe unter Beweis, um sich Wallitsch zu entziehen. In der 3. Runde kam Wallitsch endlich in den Infight und setzte zu einem mächtigen Schwinger an. Soni duckte sich weg und entkam zur Seite. Wallitsch wiederum katapultierte sich mit seinem in die Luft gehenden Schlag selber halb aus dem Ring heraus und schlug sich sein Kinn an dessen Kante an. Daraufhin blieb er ausgeknockt am Boden liegen und wurde – Denn in den 50ern war alles möglich- ausgezählt.

Sicher – Besonders rühmlich war diese Geschichte für Wallitsch nicht. Und doch konnte er daraus seine Lehren ziehen. Einige Jahre später, nach einer Karriere voller Auf- und Abs, errang er den kleinen Titel des Schwergewichts-Meisters von Astoria. Er selbst trat in die Fußstapfen jener Idole, die er als Jugendlicher gesehen und die ihn im Grunde von der Straße geholt hatten. Wer weiß – Vielleicht regte er an diesem Abend im Jahr 1963 seinerseits einige Zuschauer dazu an, ihr Glück im Ring zu versuchen? Die Stimmung, die ihn früher beeindruckt hatte, galt nun ihm. Dem Mann, der sich selber ausgeknockt und dennoch einen Weg gefunden hatte, um seinen sportlichen Frieden zu finden.

Henry Wallitsch ist übrigens auch heute noch sehr häufig in den Gyms seines Viertels zu sehen, wo er über die aufstrebenden Talente wacht, die in die Fußstapfen von ihm und anderen Pionieren treten. Und natürlich, um ihnen mit einem Augenzwinkern zu berichten, welch denkwürdige Anekdote sich im September 1957 in seiner Erinnerung festgesetzt hat.

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