Einer der mit größter Spannung erwarteten Kämpfe dieses Boxjahres steigt am 8. November in Atlantic – City, wenn „Alien“ Bernard Hopkins und „Krusher“ Sergey Kovalev gegeneinander antreten. Dabei wird es um 3 Titel gehen: Hopkins bringt den IBF- und den WBA-Superchamp – Gürtel mit. Kovalev riskiert in diesem Spitzenfight seinen WBO-Titel. Boxfans aus aller Welt schauen mit hohen Erwartungen auf diesen Kampf. Schafft es Hopkins noch einmal wie schon so oft zuvor, Altersgrenzen im Boxsport nach oben zu verschieben? Schafft es Kovalev, Hopkins in seiner gewohten Art den Kampf aufzuzwingen und den Altmeister des Faustkampfes mit einer Machtdemonstration seiner Ringdominanz in Rente zu schicken?

Es ist ein Kampf der Generationen. Als Hopkins mit dem Profiboxen begann, stand die Berliner Mauer noch und Kovalev ging noch nicht einmal zur Schule. Beide trennen 18 Jahre Altersunterschied. Hopkins wird in wenigen Wochen 50 Jahre alt, während der 31-jährige Kovalev in der Prime-Time seiner Boxzeit steht. Entsprechend sind auch die Kampfrekorde. Hopkins kämpfte bisher 65 mal, während Kovalev es auf 26 Kämpfe bringt. Die KO-Quote liegt beim Amerikaner bei knapp 50%, während der Russe fast 90% seiner Gegner vorzeitig abfertigte. Doch all diese Zahlen sagen nicht viel, wenn sich 2 Giganten des Boxsports mit unterschiedlichen Kampfstilen im Ring gegenüber stehen.
Bernard Hopkins war in den verschiedensten Gewichtsklassen Weltmeister verschiedener Verbände. Seine Ringerfahrung und seine manchmal etwas durchtriebene Art zu boxen sind das große Pfund, dass er in diesem Kampf in die Wagschale werfen wird. Er geht bis an der Rand des Erlaubten. Wenn der Ringrichter es nicht sieht, auch darüber hinaus. Kopfstöße, Ellenbogenchecks, Tiefschläge – für Hopkins immer probate Mittel, die er in seinem manchmal als „dreckig“ zu bezeichnenden Kampf einsetzt. Er besitzt auch eine recht effektive Art sich immer wieder dem offenen Kamnpf zu entziehen um dann aber im Handumdrehen selber zuzuschlagen. Will man es auf gut deutsch sagen: Hopkins ist im Ring ein abgewichster Hund, der mit allem Wassern gewaschen ist. Trotz 6 Niederlagen in seinem Kampfrekord ging Hopkins bisher noch nie KO.

Sergey Kovalev schockte die britischen Boxfans, als er ihren Youngstar und WBO-Weltmeister Nathan Cleverly gnadenlos vorführte. Eigentlich wollte Cleverly nur zwischendurch eine leichte freiwillige Titelverteidigung einlegen. Im Fokus stand eine Pflichtverteidigung gegen Sauerland-Boxer Jürgen Brähmer. Britische Boxfans bezeichneten im Chat zum Kampf Kovalev kurz vor diesem Fight als „russian Pussy“, mit der der sieggewohnte Cleverly sehr schnell fertig würde. Doch was dann geschah, brachte diese Spötter zum augenblicklich Schweigen. Kovalev dominierte diesen Kampf von Beginn an und demontierte den sonst so geschickt agierenden Cleverly in 4 Runden. Der WBO-Weltmeister war blamiert und dachte in der Folge sogar darüber nach, seine Handschuhe an den Nagel zu hängen. Pflichtherausforderer Brähmer und das Sauerland-Team vergaßen ganz fix ihr Pflichtherausforderungsrecht und Brhämer wurde auf schnellstem Wege zum regulären WBA-Weltmeister gemacht. Man wird gewusst haben warum es besser ist, nicht gegen Kovalev zu kämpfen. In der Folge verteidigte Kovalev seinen Titel 3 mal und besiegte seine Gegner dabei souverän und kurzrundig.

Was sagen die beiden Top-Boxer übereinander vor dem Kampf? Es kursieren im World Wide Web diverse Statements und Interviews, in denen beide Boxer ihre Meinung zum Anderen zum Besten geben.
Sergey Kovalev ist davon überzeugt, er habe genügend „Waffen“ in seinem „Arsenal“, Er spricht von verschiedenen „Kugeln“, die er abfeuern kann und meint damit, er könne sehr variabel und hart schlagen. Doch gleichzeitig spricht er auch davon, vorsichtig zu sein. Kovalev sagt: „Ich versuche diszipliniert zu kämpfen. Das ist sehr intensiver und gefährlicher Sport. Jeder Schlag von deinem Gegner kann der letzte für Sie sein. Sie müssen sehr konzentriert und fokussiert auf den Kampf sein.“ Dann spricht er auch von der Verantwortung für seine Famile und das er Geld für das Auskommen verdienen will. „Als ich nach Amerika kam, wurde ich kaum beachtet. Dann traf ich meinen Manager Egis und das Team von Katy Duva, die mir vertrauten und mich vorwärts brachten.“ Dann erzählt Kovalev, dass es hart für ihn war, sich immer weiter nach oben zu kämpfen, aber auch davon wie er es genossen hat, zu sehen wie sein Erfolg wächst. Es war für ihn ein absolutes Ereignis, als er sich bei einem Autohändler sein erstes eigenes neues Auto kaufen konnte. Ein VW-Jetta. Kovalev war und ist immer bescheiden geblieben. Er spricht davon, er wolle seine Wegbegleiter und die Zuschauer am Ring nicht enttäuschen, sondern glücklich machen. Der oft schmutzige Kampfstil von Hopkins ist ihm voll und ganz bewusst. Er schlage Innenhände und Kopfstöße seien an der Tagesordnung. Kovalev hat Hopkins mehr studiert, als er es zugibt und es Hopkins recht sein kann.

Bernard Hopkins ist eine lebende Boxlegende. An dieser Wahrheit kommt niemand vorbei. Das findet er selbst übrigens auch. Er war ein krimineller Straßenkämpfer, wurde mehrmals niedergestochen, 30 mal festgenommen und saß im Gefängnis. Es war nicht gerade eine weiße Weste, die er früher trug, doch es wendete sich alles zum Positiven machte ihn zum dem, der er jetzt ist. Er ist einer der außergewöhnlichsten Boxer aller Zeiten. Hopkins sagt, er wolle tiefe Spuren im Boxsport hinterlassen. Schaut man richtig hin, dann hat er das bereits in den letzten beiden Jahrzehnten getan. Er war in der „normalen“ Zeit schon ein sehr erfolgreicher Boxer und verschiebt die Altersgrenzen für boxerische Erfolge immer weiter nach oben. Er sagt: „Ich bin bereit, den Menschenin Atlantic-City zu zeigen, da ich noch nicht tot bin. Bernard Hopkins ist definitiv noch nicht tot.“ Über Kovalev sagt er, dass er seinen Kampfstil kennen würde, aber er weiß auch: „Kovalev lebt davon, dass seine Gegner Angst vor ihm haben. Ich habe keine Angst vor ihm.“ Und: „Ich weiß, wie er atmet, ich weiß, wie er sich hinsetzt, ich weiß, wo er sich setzt, was er denkt, ich weiß alles über ihn.“ Klingt ganz danach, als habe sich auch Hopkins ausgibig mit seinem Gegner beschäftigt, vielleicht mehr als es Kovalev recht sein kann.
Es ist sehr schwer eine Prognose für den Kampfausgang zu geben. Kann es Hopkins noch einmal schaffen seine eigenen Rekorde zu brechen und Kovalev zu entzaubern? Oder gelingt es Kovalev, unbeirrt seinen Stil durchzuziehen und Hopkins in Rente zu schicken? Man könnte sagen, die Chancen stehen knapp 60:40, aber für wen? Die Antwort auf diese Frage wird es am 8. November in Atlantic-City geben.