
Amira Hamzaoui ist eine Siegerin und eine absolute Kämpferin – und will es jetzt endgültig wissen: Beim Landgericht Kiel hat sie Klage eingereicht. Sie will nicht länger hinnehmen, dass der Bund Deutscher Berufsboxer (BDB) weiterhin behauptet, sie hätte ihren Boxkampf gegen Raja Amasheh am 11. Oktober 2014 in Saarbrücken nicht gewonnen.
Rückblick:
Bei dem Fight in Saarbrücken ging es um den Weltmeisterschaftstitel der WBF und den sogenannten „Silbertitel“ der WBC im Fliegengewicht. Beide Weltboxverbände einigten sich vor dem Kampf auf drei Punktrichter. Der BDB legte gegen die nominierten Punktrichter keinen Einspruch ein. Am Ende wurde durch Punktrichterentscheidung (2:1 Richterstimmen) Amira Hamzaoui als Siegerin verkündet. Dieses Ergebnis teilte der BDB auch ordnungsgemäß zunächst den üblichen Datenbanken wie boxrec.com und fightfax mit und Hamzaoui kletterte über Nacht um mehrere Plätze in der Computerweltrangliste nach oben. Doch einen guten Monat später dann das: Ein Artikel im Internet verkündet plötzlich, dass angeblich der BDB das Urteil des Kampfgerichtes nicht akzeptiere und das Ergebnis in „No Contest“ geändert habe. Ein Skandal! Auf der eigenen Internetseite verkündete der BDB plötzlich das Gleiche und behauptete, dass es sich um eine gemeinsame Entscheidung von BDB und WBC gehandelt hätte. In der Zwischenzeit hat allerdings die WBC klargestellt, dass es sich hierbei um eine Lüge des BDB handelt, da man seitens der WBC niemals das Urteil geändert hat und dies auch nicht hätte tun dürfen.
Die juristische Auseinandersetzung abseits des Boxringes war damit eröffnet, denn die neue französische Weltmeisterin wollte diesen „Siegklau“ nicht hinnehmen. Der BDB versucht sich seither, auf angebliche Regelungen der WBC zu berufen. Problem dabei: Die WBC-Regelungen sagen genau das überhaupt nicht aus! Auch die WBC legt das fest, was für jeden Sportler und Boxer selbstverständlich ist, nämlich dass die Entscheidung eines Kampfgerichts, wer gewonnen und wer verloren hat, nicht durch Verbandsregelungen überprüft werden kann.
Der BDB setzte jedoch noch einen oben drauf: Nicht nur durch die eigene Internetveröffentlichung verbreitete er das Gerücht, dass Amira Hamzaoui den Kampf nicht gewonnen hätte, sondern schrieb darüber hinaus als Aufsicht führender nationaler Verband des Kampfes die Datenbanken an, und sorgte dafür, dass plötzlich auch dort das Ergebnis geändert wurde. Hamzaouis Rechtsanwalt Marcus Bartscht dazu: „Sportlich gesehen eine Sauerei und juristisch gesehen absolut nicht haltbar. Als nationaler Verband darf der BDB außerdem nicht einfach Kampfergebnisse ändern und eigenmächtig an boxrec schicken. Das geht alles überhaupt nicht!“
Jetzt muss das Landgericht darüber entscheiden.
Die World Boxing Federation ließ sich durch diese windigen Machenschaften des BDB nicht beeindrucken und hielt an dem gefällten Resultat fest.
Text: Pressemitteilung der World Boxing Federation (WBF)