700 Tickets. 18 Minuten. Ausverkauft.
Während viele deutsche Boxveranstaltungen darum kämpfen, überhaupt Aufmerksamkeit zu erzeugen, waren die regulären Tickets für den GBS Fightclub am 27. Juni in der Kölner Strassenkicker Base praktisch sofort vergriffen. Für die Fans, die leer ausgingen, gibt es dennoch gute Nachrichten: Die gesamte Veranstaltung wird kostenlos über YouTube übertragen.
Was zunächst wie eine Randnotiz klingt, erzählt viel über die Entwicklung der German Boxing Series (GBS). Die Kölner Promotion hat sich in kurzer Zeit einen Ruf erarbeitet, den man im deutschen Profiboxen nicht häufig hört: starke Atmosphäre, faire Paarungen und Kämpfe, deren Ausgang nicht schon vor dem ersten Gong feststeht.
Genau dieses Konzept soll auch der kommende GBS Fightclub erneut liefern.

Boxsport pur statt großer Show
Der Fightclub ist bewusst als kleineres Format der German Boxing Series angelegt. Anders als die großen GBS-Veranstaltungen mit mehreren tausend Zuschauern steht hier nicht die Inszenierung im Mittelpunkt, sondern der Sport selbst.
Die Strassenkicker Base bietet dafür den passenden Rahmen. Die kompakte Location sorgt für eine intensive Atmosphäre, bei der die Zuschauer nah am Ring sitzen und jeder Treffer spürbar wird.
GBS-Promoter Ruben Lammersdorf beschreibt das Konzept als bewusst reduzierte Boxveranstaltung, bei der die Kämpfe im Vordergrund stehen. Gerade deshalb gilt der Fightclub mittlerweile als wichtiger Baustein innerhalb der Serie.
Simon Zachenhuber vor wichtigem Neustart
Den prominentesten Namen auf der Card bringt Simon Zachenhuber (28-1-0) mit nach Köln.
Der ehemalige deutsche Hoffnungsträger im Supermittelgewicht musste im Frühjahr 2026 die erste Niederlage seiner Profilaufbahn hinnehmen. Nun steht gegen Armin Ajrulai (10-2-0) ein Gegner im Ring, der keineswegs als einfacher Aufbaugegner betrachtet werden sollte.
Für Zachenhuber geht es nicht nur darum zu gewinnen. Nach dem Rückschlag benötigt er eine Leistung, die wieder sportliche Argumente liefert und die Diskussion um seine weitere Entwicklung in Richtung Weltspitze neu belebt.
Gerade deshalb gehört dieses Duell zu den interessantesten Kämpfen des gesamten Abends.
Gregor Soenius kämpft vor heimischem Publikum
Im Hauptkampf steht Gregor Soenius (8-0-0).
Kaum ein Boxer verkörpert die Entwicklung der German Boxing Series so stark wie der Kölner Cruisergewichtler. Bei der ersten Veranstaltungen war Soenius noch Teil des Veranstaltungsteams. Inzwischen gehört er zu den bekanntesten Gesichtern der Promotion und führt die Fightclub-Veranstaltung als Hauptkämpfer an.
Mit seiner makellosen Bilanz will der Lokalmatador den nächsten Schritt gehen. Vor heimischem Publikum dürfte der Druck allerdings ebenso groß sein wie die Unterstützung von den Fans.
Steven Nduka zählt zu den spannendsten Talenten Deutschlands
Besondere Aufmerksamkeit verdient auch Steven Nduka (12-0-0).
Der ungeschlagene Halbschwergewichtler gilt seit Jahren als eines der größten deutschen Talente seiner Generation. Trotz seines jungen Alters bringt er bereits bemerkenswerte technische Reife und Ringintelligenz mit.
Gegen Navid Iran (11-6-1) wartet die nächste Bewährungsprobe. Es ist genau jene Art von Kampf, die typisch für die Philosophie der German Boxing Series geworden ist: kein Selbstläufer, aber ein sinnvoller Entwicklungsschritt.
Younes Zarraa will zurück in Richtung Titelrennen
Auch Younes Zarraa (15-1-0) gehört zu den bekannten Namen der Veranstaltung.
Nach seiner Niederlage im Kampf um den WBC-International-Titel arbeitet sich der Weltergewichtler Schritt für Schritt zurück. Gegen den erfahrenen Meriton Karaxha (34-10-4) will er ein weiteres Ausrufezeichen setzen und sich wieder für größere Aufgaben empfehlen.
Turnier sorgt für zusätzliches Interesse
Ein besonderer Bestandteil des Fightclubs ist das Superweltergewicht-Turnier.
Die Teilnehmer müssen sich zunächst im Halbfinale durchsetzen, bevor später am Abend das Finale wartet. Für die Sieger bietet das Format die Chance, sich innerhalb weniger Stunden in den Mittelpunkt der Veranstaltung zu boxen.
Zusätzlich winkt dem Turniersieger ein Startplatz bei einer zukünftigen großen GBS-Veranstaltung – ein Anreiz, der den sportlichen Wert des Wettbewerbs weiter erhöht.
Warum die GBS aktuell Aufmerksamkeit bekommt
Die German Boxing Series profitiert derzeit von etwas, das im deutschen Profiboxen selten geworden ist: Vertrauen.
Viele Fans kritisieren seit Jahren einseitige Ansetzungen und vorhersehbare Veranstaltungen. Die GBS versucht bewusst, einen anderen Weg zu gehen. Nicht jede Paarung ist perfekt ausgeglichen, doch der Anspruch ist klar erkennbar: echte Wettkämpfe statt bloßer Bilanzpflege.
Dass 700 Tickets innerhalb von 18 Minuten verkauft wurden, ist deshalb mehr als eine beeindruckende Zahl. Es ist ein Signal dafür, dass dieses Konzept bei den Fans ankommt.
GBS Fightclub – Kostenloser Livestream für alle Fans
Weil die Veranstaltung bereits restlos ausverkauft ist, wird der komplette GBS Fightclub kostenlos auf YouTube übertragen.
Damit erhalten auch die zahlreichen Fans, die kein Ticket mehr bekommen haben, die Möglichkeit, sämtliche Kämpfe live zu verfolgen.
Für die German Boxing Series ist das zugleich eine Chance, ihre Reichweite weiter auszubauen – und für Boxfans in ganz Deutschland die Gelegenheit, sich selbst ein Bild von einer Promotion zu machen, die aktuell zu den spannendsten Entwicklungen im deutschen Profiboxen gehört.
Am 27. Juni werden deshalb nicht nur die 700 Zuschauer in der Strassenkicker Base hinschauen. Dieses Mal schaut die deutsche Boxszene mit.



