Freddy Kiwitt siegt vorzeitig, Pilz glänzt bei Titelgewinn und Lara Ochmann bleibt auf Erfolgskurs

von | 14. Juni 2026 | News, Deutsche Boxer, Deutsche Events

Freddy Kiwitt macht gegen Jose Acron kurzen Prozess
Freddy Kiwitt macht gegen Jose Arcon kurzen Prozess

FLENSBURG. Gute Stimmung, starke Kämpfe und emotionale Momente: Die dritte Auflage von „Flensburg boxt“ hat den Zuschauern am Samstag einen gelungenen Boxabend geboten. In einer aufwendig hergerichteten Veranstaltungshalle präsentierte Veranstalter Freddy Kiwitt gemeinsam mit seinem Team eine professionelle und zugleich familiäre Veranstaltung, die sportlich vor allem durch die Auftritte von Ferdinand Pilz, Lara Ochmann und einigen vielversprechenden Nachwuchsboxern überzeugte.

Ein paar hundert Zuschauer sorgten für eine gute Atmosphäre. Zwar hätten Halle und Veranstaltung durchaus noch mehr Besucher vertragen können, doch die Stimmung blieb vom ersten bis zum letzten Kampf ausgezeichnet. Besonders die Mischung aus Titelkämpfen, internationalen Duellen, klaren vorzeitigen Siegen und spannenden Punktentscheidungen machte den Abend für die Fans abwechslungsreich.

Familiärer Rahmen für Kiwitts Heimspiel

Schon vor dem Hauptkampf wurde deutlich, dass „Flensburg boxt 3.0“ für Freddy Kiwitt mehr als nur eine weitere Veranstaltung ist. Beim Einmarsch begleiteten Familienmitglieder den Lokalmatadoren und trugen seine Gürtel in die Arena. Ein Bild, das den Charakter des gesamten Abends treffend widerspiegelte.

Kiwitt selbst musste im Hauptkampf gegen den Venezolaner Jose Arcon allerdings nicht lange arbeiten.

Freddy Kiwitt beendet den Hauptkampf in Runde zwei

Der Hauptkampf begann zunächst etwas zäh. Arcon suchte immer wieder den Weg in den Clinch und erschwerte Kiwitt dadurch den Aufbau seiner Angriffe. Der Gastboxer machte dabei nicht den Eindruck, als wolle er das Risiko eines offenen Schlagabtauschs eingehen.

In der zweiten Runde fand Kiwitt dann schnell die entscheidende Antwort.

Mit einem harten rechten Haken schickte der Flensburger seinen Gegner zu Boden. Arcon kam nicht wieder auf die Beine und der Sieg wurde somit als KO in Runde 2 gewertet.

Für Kiwitt war es der erfolgreiche Abschluss eines langen Arbeitstages als Boxer, Veranstalter und Aushängeschild der Veranstaltung. Nach dem Kampf bedankte sich der Flensburger bei seinen Fans, Sponsoren und seiner Familie, die ihn während der gesamten Vorbereitung unterstützt hatten.

Sportlich hätte man sich allerdings gewünscht, dass Arcon dem Lokalmatadoren etwas mehr Widerstand entgegensetzt und die Zuschauer mehr von Kiwitts Fähigkeiten hätten sehen können.

Ferdinand Pilz liefert die Leistung des Abends ab

Ferdinand Pilz beeindruckt gegen Flavius Biea
Ferdinand Pilz beeindruckt gegen Flavius Biea

Den vielleicht beeindruckendsten Auftritt der gesamten Veranstaltung zeigte Ferdinand Pilz im Kampf um den WBA-Europa-Titel gegen den erfahrenen Rumänen Flavius Biea.

Biea versuchte von Beginn an, mit explosiven Angriffen und gefährlichen Schwingern Druck aufzubauen. Pilz ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Der Deutsche boxte taktisch hervorragend, bewegte sich intelligent, fand immer wieder die richtigen Winkel und kontrollierte die Distanz nahezu über die gesamte Kampfdauer.

Besonders bemerkenswert war die Übersicht, mit der Pilz den Kampf dominierte. Immer wieder ließ er die Angriffe seines Gegners ins Leere laufen und antwortete mit präzisen Treffern.

Bereits früh zeichnete sich ab, dass Biea Probleme bekam. Im Bereich des linken Auges waren deutliche Kampfspuren sichtbar. Zusätzlich schien den Rumänen in der fünften Runde eine Schulterverletzung zu beeinträchtigen.

Mit jeder Runde wurde die Überlegenheit von Pilz deutlicher. Biea fand keine Mittel mehr, um das Blatt zu wenden. Schließlich trat der Rumäne beim Gong zur sechsten Runde nicht mehr an.

Der anschließende Jubel im Lager von Pilz gehörte zu den emotionalsten Momenten des gesamten Abends. Trainer, Team und Familie feierten ausgelassen ihm den Gewinn des WBA-Europatitels. Trotz des intensiven Kampfes begegneten sich beide Lager auch nach dem Abbruch mit großem Respekt.

Lara Ochmann besteht gegen ungeschlagene Gegnerin

Lara Ochmann besiegt die ungeschlagene Amanda Chan
Lara Ochmann besiegt die ungeschlagene Amanda Chan

Auch Lara Ochmann durfte am Ende des Abends jubeln. Gegen die bis dahin ungeschlagene Amanda Chan aus Singapur entwickelte sich ein anspruchsvoller Titelkampf über die volle Distanz von zehn Runden. Chan erwies sich als starke und unangenehme Gegnerin, die der Deutschen einiges abverlangte.

Ochmann ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken. Die deutsche Boxerin blieb diszipliniert, arbeitete konsequent ihren Kampfplan ab und überzeugte vor allem durch ihre boxerische Qualität.

Zwar musste sie härter arbeiten als manche Zuschauer vielleicht erwartet hatten, am Ausgang des Kampfes gab es aber wenig Zweifel. Mit ihrem Sieg gegen eine zuvor ungeschlagene Gegnerin setzte Ochmann ein weiteres Ausrufezeichen in ihrer Karriere.

Nachwuchsboxer sorgen für starke Ausrufezeichen

Auch auf der Undercard gab es mehrere bemerkenswerte Leistungen.

Robert Toman wusste zu überzeugen. Gegen den Argentinier Juan Adrian Monzon kontrollierte er das Geschehen nahezu über die gesamte Kampfdauer und ließ seinem Gegner nur wenige Möglichkeiten, eigene Akzente zu setzen.

Einen starken Eindruck hinterließ auch Ryan Wanga bei seinem Profidebüt. Gegen den deutlich erfahreneren Volodymyr Katsuk zeigte Wanga eine reife Vorstellung und dominierte das Geschehen überraschend klar. Katsuk versuchte zwar immer wieder, eigene Akzente zu setzen, fand jedoch kaum Antworten auf die Aktionen des Debütanten.

Der vielleicht spannendste Name für die Zukunft könnte jedoch Kyrylo Romanii sein.

Der Debütant traf mit Ahmad Abou Shkeir auf einen in drei Kämpfen ungeschlagenen Gegner und zeigte eine bemerkenswerte Leistung. Runde für Runde übernahm Romanii die Kontrolle und brachte seinen Kontrahenten mehrfach zu Boden. In der dritten Runde glaubten er und viele Zuschauer bereits kurz an das Ende des Kampfes, als der Ringrichter wegen eines vermeintlichen Ausrutschers Abou Shkeirs kurz in den Kampf eingegriffen hatte.

Romanii ließ sich davon nicht aus dem Konzept bringen, fand schnell wieder in den Kampf zurück und gewann anschließend souverän nach Punkten. Dieser erste Auftritt dürfte ihn auf die Liste einiger Beobachter gesetzt haben.

Kyrylo Romanii debütiert beeindruckend gegen Ahmad Abou Shkeir
Kyrylo Romanii debütiert beeindruckend gegen Ahmad Abou Shkeir

Eduardo Valverde sorgt für die Überraschung des Abends

Für die vielleicht größte sportliche Überraschung des Abends sorgte Eduardo Valverde.

Der 30-jährige Spanier ging gegen den erst 21 Jahre alten Renat Ravoyan nicht unbedingt als Favorit in den Ring. Während Ravoyan mit einer makellosen Bilanz von zwei Siegen aus zwei Kämpfen antrat, brachte Valverde einen auf den ersten Blick wenig beeindruckenden Kampfrekord mit.

Im Ring zeigte sich jedoch schnell, dass Statistiken nicht immer die ganze Geschichte erzählen.

Valverde machte von Beginn an deutlich, dass er nicht nach Flensburg gereist war, um lediglich als Gegner zu dienen. Mit hohem Einsatz, guter Physis und viel Selbstvertrauen setzte er Ravoyan früh unter Druck. Runde für Runde arbeitete sich der erfahrenere Mann Vorteile heraus und nahm dem jungen Deutschen zunehmend den Kampf aus der Hand.

Je länger der Kampf dauerte, desto deutlicher wurde, dass sich hier eine Überraschung anbahnte. Während Ravoyan nach Lösungen suchte, blieb Valverde konsequent bei seinem Plan und ließ keine Zweifel an seinem Siegeswillen aufkommen.

Statt auf eine mögliche Punktentscheidung zu vertrauen, sorgte der Spanier schließlich selbst für klare Verhältnisse. In der sechsten Runde wurde der Kampf nach einer weiteren starken Phase von Valverde beendet.

Damit gelang ihm einer der bemerkenswertesten Siege des gesamten Abends und gleichzeitig die größte Überraschung auf der Undercard von „Flensburg boxt 3.0“.

Einziger Streitpunkt des Abends

Für Diskussionen sorgte der Kampf zwischen Christian Patzke und Dean Porter.

Die Punktrichter werteten die Begegnung zugunsten von Patzke, doch nicht alle Beobachter sahen den Kampf so eindeutig. Porter zeigte sich mit dem Urteil sichtbar unzufrieden. Es war die wohl engste Entscheidung des gesamten Abends und ein Kampf, der auch in die andere Richtung hätte ausgehen können.

Erfolgreicher Abend für den Boxsport in Flensburg

Am Ende überwogen jedoch die positiven Eindrücke deutlich.

„Flensburg boxt 3.0“ bot starke Titelkämpfe, überzeugende Nachwuchsleistungen, emotionale Momente und eine angenehme Atmosphäre. Besonders Ferdinand Pilz mit seinem Titelgewinn, Lara Ochmann gegen eine starke Gegnerin sowie die jungen Talente Ryan Wanga und Kyrylo Romanii sorgten dafür, dass die Zuschauer zufrieden den Heimweg antreten konnten.

Neben den erwarteten Erfolgen der Favoriten zeigte der Boxabend aber auch, warum Kampfrekorde im Profiboxen nicht immer die ganze Wahrheit erzählen. Der Sieg von Eduardo Valverde gegen den bislang ungeschlagenen Renat Ravoyan war dafür ein gutes Beispiel.

Für Freddy Kiwitt war der Abend nicht nur sportlich erfolgreich, sondern auch ein weiterer Beleg dafür, dass professioneller Boxsport in Flensburg funktionieren kann.

Die Ergebnisse von „Flensburg boxt 3.0“

Freddy Kiwitt (Deutschland) W KO 2 Jose Acron (Venezuela)

Ferdinand Pilz (Deutschland) W RTD 5 Flavius Biea (Rumänien)

Lara Ochmann (Deutschland) W UD 10 Amanda Chan (Singapur)

Kyrylo Romanii (Deutschland) W UD 4 Ahmad Abou Shkeir (Deutschland)

Ilias Tsechoev (Deutschland) W UD 4 Leonardo Baez (Argentinien)

Christian Patzke (Deutschland) W UD 4 Dean Porter (Großbritannien)

Ryan Wanga (Deutschland) W UD 4 Volodymyr Katsuk (Ukraine)

Robert Toman (Tschechien) W TKO 8 Juan Adrian Monzon (Argentinien)

Renat Ravoyan (Deutschland) L TKO 6 Eduardo Valverde (Spanien)

Irslam Chaschdimuradov (Österreich) W TKO 4 Samir Hajiyev (Aserbaidschan)

Can Goek (Deutschland) W TKO 6 Gregorio Dominguez (Venezuela)


Weitere Fotos folgen im Laufe des Tages!

Klaus Frevert mit Kamera am Boxring für BOXWELT
Klaus Frevert dokumentiert seit über 20 Jahren die internationale Boxszene direkt vom Ring aus. Als erfahrener Boxfotograf und Videograf führten ihn seine Einsätze zu hunderten Profi-Veranstaltungen weltweit – von St. Petersburg, Tscheljabinsk und Minsk über viele europäische Länder bis nach Tansania und Kenia. Bei BOXWELT kombiniert er diese ‚Ringside‘-Expertise mit strategischer Analyse und einer klaren journalistischen Haltung. Sein Fokus liegt auf dem Schwergewicht, der sportpolitischen Einordnung globaler Box-Entwicklungen und dem Leitsatz ‚Grit meets Craft‘: Die rohe Härte des Sports trifft auf präzises Handwerk in der Berichterstattung.

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