Felix Langberg überzeugt im Hauptkampf – frühe Entscheidungen prägen „Talents & Kings Part 4“

von | 28. Juni 2026 | News, Deutsche Boxer, Deutsche Events

Während viele Profikämpfe bereits nach wenigen Minuten entschieden waren, sorgte vor allem der Hauptkampf zwischen Felix Langberg und Widen Schmitter für den sportlichen Höhepunkt des Abends.

Bei der vierten Ausgabe von „Talents & Kings“ in der Hamburger Boxsporthalle Braamkamp setzte sich der Rostocker Schwergewichtler durch technischen K.o. in der dritten Runde durch und krönte damit einen Boxabend, der Licht und Schatten zugleich bot.

Bei hochsommerlichen Temperaturen fanden zwar weniger Zuschauer den Weg in die traditionsreiche Boxsporthalle als erhofft, dennoch bekamen die Besucher sieben Profikämpfe sowie zwei Sparringskämpfe des Amateurnachwuchses zu sehen.

Veranstalter Christian Morales setzte damit erneut auf die bewährte Mischung aus Talentförderung und professionellem Boxsport.

Felix Langberg besteht den ernsthaftesten Test des Abends

Der Hauptkampf hielt, was sich viele Zuschauer bereits von den vorherigen Begegnungen erhofft hatten. Anders als in mehreren Vorkämpfen reiste Widen Schmitter nicht an, um lediglich Runden zu absolvieren. Der Bolivianer suchte von Beginn an den offenen Schlagabtausch und brachte Langberg mit eigenen Treffern immer wieder zum Arbeiten.

Der Rostocker blieb jedoch ruhig, setzte die klareren und härteren Aktionen und drängte seinen Gegner im Verlauf des Kampfes mehrfach mit druckvollen Kombinationen bis tief in die Seile zurück. Vor allem diese Szenen machten deutlich, dass Langberg den größeren Druck entwickelte und den Kampf zunehmend kontrollierte.

Die erste Runde ging trotz guter Gegenwehr des Bolivianers an den Deutschen. Auch im zweiten Durchgang blieb das Duell intensiv. Beide Schwergewichtler landeten sehenswerte Treffer und lieferten den Zuschauern den mit Abstand unterhaltsamsten Kampf des Abends.

Als Langberg zu Beginn der dritten Runde erneut hart traf, beendete Ringrichter Hendrik Schramm den Kampf durch technischen K.o. Für viele Zuschauer kam der Abbruch zunächst überraschend.

Felix Langberg landet den entscheidenden Wirkungstreffer gegen Widen Schmitter kurz vor dem Ringrichterabbruch im Hauptkampf von Talents & Kings Part 4.
Der entscheidende Treffer: Wenige Augenblicke nach diesem harten Wirkungstreffer von Felix Langberg beendete Ringrichter Hendrik Schramm den Hauptkampf zum Schutz von Widen Schmitter durch technischen K.o.

Im Gespräch mit BOXWELT erklärte Schramm seine Entscheidung jedoch nachvollziehbar. Er habe Schmitters Ecke bereits vor Beginn der dritten Runde darauf hingewiesen, den Kampf bei weiteren schweren Treffern zu stoppen. Aus seiner Sicht hatte der Bolivianer in den ersten beiden Runden bereits zu viele harte Schläge einstecken müssen. Nach dem nächsten klaren Wirkungstreffer griff der erfahrene Ringrichter konsequent ein.

Unter diesem Blickwinkel erwies sich der Abbruch als nachvollziehbare Maßnahme zum Schutz des Boxers.

Bereits im Vorfeld hatte BOXWELT darauf hingewiesen, dass der Kampf für Felix Langberg mehr war als eine weitere Titelverteidigung oder ein Pflichtauftritt.

Der Rostocker gehört inzwischen zu den 100 bestplatzierten Schwergewichtlern der Welt und unterstrich mit seinem überzeugenden Erfolg einmal mehr seine positive Entwicklung.

Auch wenn Ranglistenaktualisierungen stets etwas Zeit benötigen, dürfte der Sieg seine Position innerhalb der internationalen Top 100 weiter festigen und ihn im Idealfall sogar einige Plätze nach vorne bringen.

Alexander Chupil sammelt wertvolle Ringpraxis

Während zahlreiche Kämpfe früh beendet wurden, erhielt Alexander Chupil genau die Ringzeit, die für einen jungen Profi besonders wertvoll ist.

Alexander Chupil arbeitet gegen Luis Enrique Romero im Infight während ihres Supermittelgewichtskampfes bei Talents & Kings Part 4.
Alexander Chupil musste als einziger Profi des Abends über die volle Distanz gehen. Gegen Luis Enrique Romero sammelte der Hamburger in einem körperlich intensiven Kampf wertvolle Ringpraxis.

Gegen den erfahrenen Luis Enrique Romero entwickelte sich über die volle Distanz ein kampfbetontes Duell mit vielen Clinchs und körperlicher Arbeit. Der Südamerikaner erwies sich als unangenehmer Gegner, ließ sich nicht vorzeitig bezwingen und zwang Chupil immer wieder dazu, Lösungen zu finden.

Nicht jeder Durchgang war spektakulär, doch genau solche Kämpfe fördern die Entwicklung eines Boxers oft mehr als ein schneller Knockout. Chupil setzte die klareren Einzelaktionen, landete die präziseren Treffer und sicherte sich am Ende einen verdienten Punktsieg.

Viele schnelle Siege für die Hamburger Boxer

Die übrigen Profikämpfe waren dagegen überwiegend bereits nach kurzer Zeit entschieden.

Devin Paul zeigte gegen Kevin Tokar eine konzentrierte Vorstellung. Nachdem er seinen Gegner in der zweiten Runde zunächst zu Boden geschickt hatte, folgte wenig später der entscheidende Niederschlag zum technischen K.o.

Devin Paul trifft Kevin Tokar mit einem langen linken Jab im Superweltergewichtskampf bei Talents & Kings Part 4 in Hamburg.
Devin Paul kontrollierte Kevin Tokar über weite Strecken und beendete den Kampf nach zwei Niederschlägen in der zweiten Runde vorzeitig.

Noch kürzer – nämlich genau 20 Sekunden – dauerte der Auftritt von Arjan Shala. Sein Gegner Stanislav Florian entschied sich nach dem ersten Treffer, den Kampf nicht fortzusetzen. Sportlich bedeutete das zwar einen ungefährdeten Erfolg für den Niedersachsen, als echter Prüfstein ließ sich die Begegnung jedoch kaum bewerten.

Stanislav Florian sitzt nach einem frühen Niederschlag im Kampf gegen Arjan Shala am Ringboden, während die Ringrichterin den Kampf überwacht.
Nach einem frühen Wirkungstreffer entschied sich Stanislav Florian, den Kampf nicht fortzusetzen. Für Arjan Shala bedeutete das zwar einen schnellen Sieg, sportlich ließ die Begegnung jedoch kaum Rückschlüsse zu – eine Leistung, die viele Beobachter eher als Arbeitsverweigerung denn als ernsthaften Wettkampf empfanden.

Auch Nico Schoof überzeugte mit einer dominanten Leistung. Gegen den deutlich erfahreneren Pavel Herman erzielte der Greifswalder bereits früh mehrere Niederschläge und zwang seinen Gegner noch vorzeitig zur Aufgabe.

Nico Schoof landet gegen Pavel Herman einen linken Haken im Superweltergewichtskampf bei Talents & Kings Part 4.
Nico Schoof setzte den erfahrenen Pavel Herman früh unter Druck, erzielte mehrere Niederschläge und feierte einen überzeugenden vorzeitigen Sieg.

Im Schwergewicht benötigte Oleh Pryimachov lediglich eine Runde, um sich auf Pavel Sour einzustellen. Anschließend erhöhte der Ukrainer den Druck deutlich, erzielte zwei Niederschläge und beendete den Kampf ebenfalls vorzeitig.

Oleh Pryimachov trifft Pavel Sour mit einem geraden Schlag im Schwergewichtskampf bei Talents & Kings Part 4.
Nach einer ausgeglichenen ersten Runde erhöhte Oleh Pryimachov den Druck deutlich und zwang Pavel Sour in Runde zwei nach zwei Niederschlägen zur Aufgabe.

Nick Bier komplettierte die Serie schneller Hamburger Siege. Nach zwei Niederschlägen in der ersten Runde hielt sich sein Gegner zunächst noch im Kampf, musste sich jedoch kurz nach Beginn des zweiten Durchgangs ebenfalls geschlagen geben.

Nick Bier trifft Jiri Jaros mit einem langen linken Jab im Superweltergewichtskampf bei Talents & Kings Part 4.
Nick Bier dominierte Jiri Jaros von Beginn an, schickte ihn bereits in der ersten Runde zweimal zu Boden und machte den vorzeitigen Erfolg in Runde zwei perfekt.

Nachwuchs erhält seine Bühne

Den Auftakt der Veranstaltung bildeten zwei Sparringskämpfe junger Amateurboxer des SC Condor. Beide Begegnungen wurden bewusst ohne offiziellen Sieger gewertet – eine schöne Tradition, mit der Veranstalter Christian Morales auch dem Amateurboxen regelmäßig eine Bühne bietet und die enge Zusammenarbeit mit dem Verein unterstreicht.

Christian Morales meistert die Doppelrolle

Morales war an diesem Abend allerdings nicht nur Organisator. Mehrfach stand er zusätzlich als Trainer in der Ecke seiner Boxer – unter anderem bei Nico Schoof und im Hauptkampf von Felix Langberg.

Diese Doppelrolle verdeutlicht, wie eng die Veranstaltungsreihe mit der sportlichen Entwicklung der Athleten verbunden ist. „Talents & Kings“ versteht sich nicht nur als Eventreihe, sondern auch als Plattform, auf der junge Boxer wertvolle Wettkampfpraxis sammeln können.

BOXWELT-Fazit

Sportlich bot „Talents & Kings Part 4“ ein gemischtes Bild. Mehrere Begegnungen waren bereits nach wenigen Minuten entschieden und ließen den heimischen Boxern nur begrenzt Gelegenheit, ihre Fähigkeiten über längere Distanz unter Beweis zu stellen.

Dort, wo echter Widerstand vorhanden war, zeigte sich jedoch das Potenzial der Veranstaltung. Alexander Chupil sammelte wichtige Ringpraxis gegen einen zähen Gegner, und Felix Langberg bestand im Hauptkampf seinen bislang anspruchsvollsten Auftritt der Reihe mit einer überzeugenden Leistung gegen einen kampfstarken Widen Schmitter.

Gelingt es künftig, noch mehr ausgeglichene Paarungen auf die Karte zu bringen, besitzt die Hamburger Reihe das Potenzial, sich als feste Größe im norddeutschen Boxkalender zu etablieren.


Ergebnisübersicht

Amateur-Sparringskämpfe

  • Elias Gbadamassi – Raihd Allassani (Sparring)
  • Fedeie Hamza – Raihan Bagramwall (Sparring)

Profikämpfe

  • Devin Paul TKO 2 Kevin Tokar
  • Arjan Shala KO 1 Stanislav Florian
  • Nico Schoof TKO 2 Pavel Herman
  • Oleh Pryimachov TKO 2 Pavel Sour
  • Nick Bier KO 2 Jiri Jaros
  • Alexander Chupil Punktsieg über Luis Enrique Romero (6 Runden)
  • Felix Langberg TKO 3 Widen Schmitter

Klaus Frevert mit Kamera am Boxring für BOXWELT
Klaus Frevert dokumentiert seit über 20 Jahren die internationale Boxszene direkt vom Ring aus. Als erfahrener Boxfotograf und Videograf führten ihn seine Einsätze zu hunderten Profi-Veranstaltungen weltweit – von St. Petersburg, Tscheljabinsk und Minsk über viele europäische Länder bis nach Tansania und Kenia. Bei BOXWELT kombiniert er diese ‚Ringside‘-Expertise mit strategischer Analyse und einer klaren journalistischen Haltung. Sein Fokus liegt auf dem Schwergewicht, der sportpolitischen Einordnung globaler Box-Entwicklungen und dem Leitsatz ‚Grit meets Craft‘: Die rohe Härte des Sports trifft auf präzises Handwerk in der Berichterstattung.

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