
Eifert übersteht zwölf Runden gegen einen der besten Boxer der Welt – Diskussionen gibt es anschließend über die offiziellen Punktzettel
Dmitry Bivol bleibt Weltmeister im Halbschwergewicht. Der russische Champion verteidigte am Samstagabend in Jekaterinburg seine Titel gegen den deutschen Herausforderer Michael Eifert einstimmig nach Punkten und erfüllte damit seine Pflichtaufgabe.
Die offiziellen Wertungen lauteten dreimal 118-107.
Update: anscheinend wurde mit dreimal 118-107 zunächst ein falsches Ergebnis verkündet und das offizielle Urteil lautet wohl doch dreimal 120-107, was natürliche jegliche Diskussion hinfällig machen würde. Wir warten auf eine Bestätigung und aktualisieren dann den Artikel noch einmal.
Am sportlichen Sieger gab es keine Zweifel. Dennoch hinterließ der Abend mehr Gesprächsstoff, als das reine Ergebnis vermuten lässt. Während Bivol nach langer Pause eine kontrollierte Vorstellung zeigte, verdiente sich Eifert mit einer engagierten Leistung den Respekt vieler Beobachter.
Früher Niederschlag, danach Kontrolle durch Bivol
Der Kampf begann denkbar schwierig für den Deutschen. Bereits in der ersten Runde geriet Eifert nach einem Treffer des Champions in Schwierigkeiten und musste einen Niederschlag hinnehmen.
Viele Zuschauer erwarteten zu diesem Zeitpunkt einen kurzen Arbeitstag für Bivol.
Doch Eifert fing sich überraschend schnell. Der Bautzener arbeitete diszipliniert, blieb beweglich und suchte immer wieder den Weg zum Körper seines Gegners.
Bivol kontrollierte das Geschehen dennoch nahezu durchgehend. Mit seinem präzisen Jab, hervorragendem Distanzgefühl und sauberem Timing bestimmte der Weltmeister das Tempo des Kampfes.
Die ganz große Dominanz früherer Auftritte war allerdings nicht zu sehen. Nach rund 15 Monaten Ringpause und einer Rückenoperation wirkte Bivol phasenweise etwas verhaltener als gewohnt.
Eifert nutzt seine Chance
Für Michael Eifert war es die größte Aufgabe seiner bisherigen Karriere.
Der Deutsche hatte sich seinen WM-Kampf durch den Überraschungssieg über den ehemaligen Weltmeister Jean Pascal verdient und wartete lange auf seine Titelchance.
Gegen Bivol zeigte er genau die Qualitäten, die ihn überhaupt erst in diese Position gebracht hatten: Disziplin, Widerstandsfähigkeit und taktische Ordnung.
Zwar gelang es ihm nie, den Champion ernsthaft unter Druck zu setzen. Gleichzeitig ließ er sich aber auch nicht vorführen. Nach dem Niederschlag in Runde eins überstand Eifert sämtliche weiteren kritischen Situationen und erreichte verdient die Schlussglocke.
Für einen Außenseiter, der gegen einen der komplettesten Boxer seiner Generation antrat, ist das keine Selbstverständlichkeit.
Die Wertung sorgt für Diskussionen
Am sportlichen Ausgang des Kampfes gab es keine ernsthaften Zweifel. Bivol kontrollierte den Großteil der zwölf Runden und gewann verdient nach Punkten.
Für Gesprächsstoff sorgen allerdings die offiziellen Scorecards. Alle drei Kampfrichter werteten den Kampf identisch mit 118-107 für den Champion.
Die Besonderheit: Nach dem dokumentierten Niederschlag in Runde eins erscheint diese Wertung auf den ersten Blick ungewöhnlich. Mehrere Beobachter verwiesen nach Kampfende darauf, dass alternative Wertungen wie 119-108 oder 120-107 rechnerisch naheliegender gewirkt hätten – abhängig davon, wie einzelne enge Runden bewertet wurden.
Eine offizielle Erklärung für die identischen 118-107-Wertungen lag unmittelbar nach dem Kampf nicht vor. Am klaren Sieg Bivols ändert die Diskussion allerdings nichts.
Die Undercard: Alle Ergebnisse aus Jekaterinburg
| Kampf | Ergebnis |
|---|---|
| Dmitry Bivol vs. Michael Eifert | Bivol W-UD12 (118-107, 118-107, 118-107) |
| Mukhammad Shekhov vs. Yerny Betancourt | Shekhov W-UD12 |
| Nikita Zon vs. Nahuel Gonzalo Garcia | Zon W-TKO5 |
| Vadim Tukov vs. Sebastian Horacio Papeschi | Tukov W-UD10 (96-94, 98-92, 98-92) |
| Sharabutdin Ataev vs. Saipaier Rouzi | Ataev W-SD10 |
| Vsevolod Shumkov vs. Christian Antonio Olivo Barreda | Shumkov W-UD10 |
| Sergey Lubkovich vs. Michael King | Lubkovich W-TKO2 |
| Gor Khachatryan vs. Valery Oganisyan | Khachatryan W-UD8 |
| Konstantin Mishechkin vs. Ilya Kurbanov | Mishechkin W-TKO2 |
| Matvey Dotsenko vs. Roman Chernykh | Dotsenko W-PTS4 |
| Sergey Manzhuev vs. Vladislav Ivanov | Manzhuev W-PTS4 |
Besonders Shekhov und Zon bestätigten ihren Ruf als aussichtsreiche Kandidaten für größere Aufgaben in den kommenden Jahren.
Das hybride Streaming-Modell als interessanter Test
Bemerkenswert war auch die Vermarktung der Veranstaltung.
Während der Hauptkampf exklusiv bei DAZN lief, wurde die komplette Undercard kostenlos auf YouTube übertragen.
Das Modell ermöglichte eine deutlich größere Reichweite für junge Talente und könnte künftig auch bei anderen Veranstaltern Nachahmer finden.
Ob daraus tatsächlich zusätzliche DAZN-Abonnenten entstanden sind, bleibt allerdings abzuwarten.
Wie geht es weiter?
Für Dmitry Bivol richtet sich der Blick nun wieder auf die großen Namen der Gewichtsklasse. Nach erfolgreicher Pflichtverteidigung dürfte die Diskussion über weitere Vereinigungskämpfe und mögliche Superfights schnell zurückkehren.
Michael Eifert hingegen verlässt Russland zwar ohne Titel, aber mit einer Leistung, die seinem internationalen Ansehen eher geholfen als geschadet haben dürfte.
Er hat gegen einen Weltklasse-Champion verloren. Vor allem aber hat er bewiesen, dass er auf dieser Bühne bestehen kann.