Der ehemalige Schwergewichts-Europameister schildert eine Begegnung, die ihn zu Tränen rührte – und die zeigt, wie beeindruckend sich Eduard Gutknecht zurück ins Leben gekämpft hat.

Als Eduard Gutknecht am 18. November 2016 nach seinem Kampf gegen George Groves in London zusammenbrach, hielt die Boxwelt den Atem an.
Wenige Stunden nach dem Kampf musste der ehemalige Europameister aufgrund einer schweren Hirnverletzung notoperiert werden. Es folgten Wochen der Ungewissheit, ein langer Krankenhausaufenthalt, Rehabilitationsmaßnahmen und eine Zeit, in der viele Menschen schlicht hofften, dass Eduard Gutknecht überhaupt überleben würde.
BOXWELT hat damals über die dramatischen Ereignisse, die Situation seiner Familie und die zahlreichen Hilfsaktionen berichtet. Wenige Tage vor jenem verhängnisvollen Kampf hatte Cutman Olaf Schröder für BOXWELT sogar noch ein Interview mit Eduard Gutknecht geführt – ein bewegendes Zeitdokument, das heute eine ganz besondere Bedeutung besitzt.
Fast zehn Jahre später kam es nun zu einer Begegnung, die selbst einen Mann wie Alexander Dimitrenko tief bewegte.
Der ehemalige Schwergewichts-Europameister besuchte gemeinsam mit einem langjährigen Freund sowie dem früheren Bundestrainer Valentin Silaghi seinen langjährigen Weggefährten Eduard Gutknecht.
Für BOXWELT schildert Dimitrenko seine Eindrücke in einem persönlichen Gastbeitrag.
Hinweis der Redaktion: Der folgende Text wurde von Alexander Dimitrenko verfasst und für die Veröffentlichung auf BOXWELT freigegeben. Er wurde lediglich behutsam redaktionell bearbeitet und inhaltlich nicht verändert.

Gastbeitrag von Alexander Dimitrenko
Das erste Treffen mit Eduard Gutknecht fand im November 2000 statt. Damals reiste er mit der deutschen Nationalmannschaft und ich mit der russischen Nationalmannschaft zur Junioren-Weltmeisterschaft nach Budapest. Eduard wurde dort Vizeweltmeister.
Später setzten wir unsere Karrieren im Profiboxen gemeinsam bei Universum Box-Promotion fort.
Im Jahr 2016 erlitt Eduard nach einem Kampf eine schwere Hirnblutung. Die Ärzte, die ihn 2017 operierten, gingen davon aus, dass er sich von dieser schweren Verletzung nicht mehr erholen würde.
Ich besuchte Eduard nach seiner Operation im Jahr 2017 im Krankenhaus. Damals saß er im Rollstuhl, konnte weder sprechen noch sich bewegen. Er war körperlich anwesend, doch die Folgen der Verletzung waren verheerend.
Am 7. Juni haben ein gemeinsamer Freund und ich Eduard bei ihm zu Hause besucht.
Als er mich aus der Ferne sah, rief er laut:
„Alexander, bist du das?“
In diesem Moment liefen mir die Tränen über das Gesicht. Ich durfte erleben, wie er auf seinen eigenen Beinen stand.
Eduard hat sich zurück ins Leben gekämpft
Er sieht gut aus, kann sich selbstständig bewegen und seine Gedanken, Gefühle und Wünsche ausdrücken.
Was viele vielleicht nicht sehen: Hinter diesem Wunder stehen Menschen, die ihn niemals aufgegeben haben.
Seine Frau hat ihn nach dieser schweren Verletzung nicht verlassen. Sie blieb an seiner Seite, unterstützte ihn unermüdlich und half ihm dabei, Schritt für Schritt ins Leben zurückzufinden.
Eine ebenso bedeutende Rolle spielte sein jüngerer Bruder Alexander. Er war ununterbrochen für Eduard da – im Krankenhaus, bei der Pflege, beim Waschen, beim Füttern, bei Spaziergängen und in unzähligen Stunden des Beistands.
Er begleitete seinen Bruder durch die schwerste Zeit seines Lebens.
Gestern durfte ich mit eigenen Augen sehen, wie stark die Liebe einer Ehefrau und die Hingabe einer Familie sein können.
Eduard, ich freue mich von Herzen für dich.
Dein Weg ist ein beeindruckendes Zeugnis von Kampfgeist, Hoffnung und der Kraft von Menschen, die einen niemals aufgeben.
Möge Gott dich reich segnen.
Alexander Dimitrenko
Ein Weg, den kaum jemand für möglich gehalten hätte
Der Gastbeitrag von Alexander Dimitrenko zeigt vor allem eines:
Viele Jahre nach jener schicksalhaften Nacht ist Eduard Gutknecht für zahlreiche Menschen weiterhin ein Symbol für Kampfgeist, Willensstärke und Hoffnung.
Wer die Bilder aus den ersten Monaten nach dem Unfall gesehen hat, wird die Bedeutung dieser aktuellen Begegnung kaum übersehen können.
Dass Eduard Gutknecht heute wieder auf eigenen Beinen stehen, sich verständigen und Besucher empfangen kann, ist vor allem das Ergebnis eines außergewöhnlichen persönlichen Kampfes – und der Unterstützung seiner Familie, die ihn in den schwersten Stunden seines Lebens nie allein gelassen hat.
BOXWELT wünscht Eduard Gutknecht, seiner Familie und allen Menschen, die ihn auf diesem Weg begleitet haben, weiterhin Kraft, Gesundheit und viele weitere positive Schritte für die Zukunft.
Zeitdokument: Das letzte BOXWELT-Interview vor dem Kampf gegen George Groves
Wenige Tage vor seinem Kampf gegen George Groves führte der inzwischen verstorbene Cutman und WBF-Repräsentant Olaf Schröder in England für BOXWELT ein Interview mit Eduard Gutknecht.
Heute besitzt dieses Gespräch eine besondere historische Bedeutung.



