Update (7. Juni 2026): Die Jubiläumsgala von KUC Boxing hat viele der sportlichen Erwartungen erfüllt. Hamsat Shadalov setzte sich im Hauptkampf gegen Kanan Huseynaliyev klar nach Punkten durch und unterstrich seine Ambitionen auf höherer Ebene. Auch Paul Wall bestand seinen bislang wohl wichtigsten Karrieretest gegen den erfahrenen Italiener Damiano Falcinelli überzeugend und sicherte sich den IBF-Europe-Titel. Jan Meiser verteidigte seinen Titel erfolgreich gegen Armend Hasani, während Alen Rahimic und Eduardo Bajak nach einem umkämpften Zehn-Runden-Kampf ein leistungsgerechtes Unentschieden lieferten.

Damit konnte die Veranstaltung insbesondere in den vier Titelkämpfen den zuvor formulierten Anspruch nach sportlich relevanten und konkurrenzfähigen Ansetzungen weitgehend bestätigen. Gleichzeitig zeigte das Vorprogramm erneut, dass zwischen den ambitionierten Aussagen zur deutschen Rekordschutz-Kultur und der praktischen Umsetzung weiterhin Unterschiede bestehen. Mehrere Vorkämpfe endeten erwartungsgemäß deutlich oder vorzeitig gegen sorgfältig ausgewählte Aufbaugegner – ein Hinweis darauf, dass auch in Falkensee nicht jede Paarung dem propagierten Gegenentwurf zum klassischen Matchmaking entsprach.


Die KUC Boxing Gala Falkensee feiert am 6. Juni ihr zehnjähriges Jubiläum – und sie kommt mit einer Botschaft, die im deutschen Profiboxen selten geworden ist: weniger Rekordpflege, mehr sportliches Risiko.

Promoter Almin Kuc nutzt das Jubiläum nicht nur zur Vermarktung seiner Veranstaltung. Er verbindet die zehnte KUC-Boxing-Gala zugleich mit einer grundsätzlichen Kritik am deutschen Profiboxen.

„Im deutschen Boxen geht es leider oft mehr darum, Rekorde zu schützen, statt echte Kämpfe zu machen. Aber die Fans merken den Unterschied sofort. Für eine starke Fight Card brauchst du zwei starke Boxer und nicht nur einen Namen und einen Gegner zum Verlieren“, erklärt Kuc in einer offiziellen Pressemitteilung.

Ein ambitionierter Anspruch – und einer, der sich am 6. Juni in Falkensee messen lassen muss. Ob die Veranstaltung diesem Anspruch tatsächlich gerecht wird, entscheidet sich vor allem an zwei Kämpfen: dem Duell der beiden ungeschlagenen Superfedergewichtler Hamsat Shadalov und Kanan Huseynaliyev sowie dem europäischen Härtetest für Paul Wall gegen Damiano Falcinelli.

Offizielles Plakat der KUC Boxing Gala 2026 in Falkensee mit dem Hauptkampf zwischen Hamsat Shadalov und Kanan Huseynaliyev
Zwei ungeschlagene Bilanzen, ein vakanten Titel und ein klarer Anspruch: Der Hauptkampf zwischen Shadalov und Huseynaliyev steht im Zentrum der KUC Boxing Gala in Falkensee.

Shadalov gegen Huseynaliyev: Ein Hauptkampf, den es zu selten gibt

Im Mittelpunkt steht der Kampf um den vakanten BDB-International-Titel im Superfedergewicht.

Hier treffen mit Hamsat Shadalov (12-0) und Kanan Huseynaliyev (12-0) zwei ungeschlagene Boxer aufeinander, die sich ihre makellosen Bilanzen nicht gegen den jeweils anderen schützen dürfen.

Schon deshalb hebt sich das Duell vom deutschen Standardprogramm ab.

Shadalov gilt als eines der interessanteren Talente aus dem AGON-Stall und wird bei vielen Beobachtern als möglicher Kandidat für größere internationale Aufgaben gehandelt. Huseynaliyev bringt zwar weniger Aufmerksamkeit mit, verfügt aber ebenfalls über eine saubere Bilanz und keinen offensichtlichen Schwachpunkt im Karriereverlauf.

Für Shadalov ist der Kampf mehr als eine Titelchance. Es ist ein erster Nachweis dafür, ob der Weg Richtung europäische Ebene tatsächlich offensteht.

Genau solche Kämpfe fehlen dem deutschen Profiboxen häufig: Begegnungen, bei denen beide Seiten etwas zu verlieren haben.

Paul Wall vor dem ersten echten Karrieretest

Noch spannender könnte aus sportlicher Sicht das Co-Main Event werden.

Paul Wall (11-0) trifft um den IBF-European-Titel im Halbmittelgewicht auf den Italiener Damiano Falcinelli (17-3-2).

Falcinelli gehört nicht zur Kategorie jener Gegner, die lediglich für einen weiteren Sieg eingeflogen werden. Der Italiener bringt deutlich mehr Erfahrung, zahlreiche Runden auf höherem Niveau und eine Karriere mit mehreren engen Kämpfen mit.

Für Wall wird dies zum bislang wichtigsten Schritt seiner Laufbahn.

Ein überzeugender Sieg könnte ihn in Richtung höherer europäischer Aufgaben katapultieren. Eine Niederlage würde dagegen viele Planungen seines Teams neu ordnen.

Gerade deshalb besitzt das Duell die sportliche Relevanz, die man sich von einem Titelkampf wünscht.

Meiser und Rahimic: Nationale Bewährungsproben

Auch auf nationaler Ebene bietet die Gala einige interessante Standortbestimmungen. Jan Meiser (19-2-1) trifft im Kampf um den BDB-International-Titel auf Armend Hasani (9-2). Auf dem Papier spricht vieles für Meiser, der über deutlich mehr Erfahrung verfügt. Hasani bringt jedoch eine solide Bilanz mit und dürfte mehr Widerstand leisten als ein klassischer Aufbaugegner.

Spannend ist zudem der Auftritt von Alen Rahimic (4-0). Der bislang ungeschlagene Nachwuchsboxer bekommt es mit Eduardo Bajak (8-1) zu tun. Gerade solche Duelle zwischen vielversprechenden Talenten und bereits erprobten Gegnern liefern oft den ersten echten Hinweis darauf, wie belastbar ein Rekord tatsächlich ist.

Zwischen Anspruch und Realität

Kucs öffentliche Kritik an der deutschen Schutzkampf-Kultur ist nachvollziehbar.

Tatsächlich wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche internationale Gürtelkämpfe gegen sorgfältig ausgewählte Gegner aufgebaut. In der Branche wird darüber häufig gesprochen, öffentlich allerdings selten.

Die Falkenseer Fight Card liefert zumindest Argumente für Kucs Sichtweise.

Shadalov gegen Huseynaliyev und Wall gegen Falcinelli sind Kämpfe, bei denen sportliches Risiko erkennbar vorhanden ist.

Gleichzeitig zeigt ein genauer Blick auf das restliche Programm, dass auch KUC Boxing nicht vollständig außerhalb der üblichen Marktmechanismen agiert.

Prospects wie Chamseddine Lemjid, Gurgen Hambardzumyan, Darian Strehse, Melvin Kahrimanovic oder Emilio Antonio Alvarez erhalten laut BoxRec Gegner, die eher dem klassischen Aufbauprinzip folgen.

Das ist weder ungewöhnlich noch verwerflich. Es zeigt aber, dass die Realität komplexer ist als die einfache Formel „50/50-Kämpfe statt Rekordpflege“.

Die Bedeutung der AGON-Kooperation

Ein wichtiger Faktor der Veranstaltung ist die Zusammenarbeit mit AGON Sports.

Während KUC Boxing die lokale Plattform, das Publikum und die Veranstaltungsstruktur stellt, liefert AGON mehrere der sportlich relevantesten Namen der Veranstaltung.

Gerade in einer deutschen Boxlandschaft ohne breite TV-Präsenz und ohne große nationale Streaming-Plattformen sind solche Kooperationen zunehmend entscheidend.

Sie ermöglichen Veranstaltungen, die sportlich über den Charakter einer reinen Regionalgala hinausgehen.

Warum Falkensee für den deutschen Boxsport wichtig ist

Die Veranstaltung wird keine internationalen Schlagzeilen produzieren.

Sie ersetzt keinen Weltmeisterschaftsabend und kein Großevent in einer Arena mit zehntausenden Zuschauern.

Dennoch erfüllt sie eine wichtige Funktion.

Der deutsche Profiboxsport lebt nicht allein von Weltmeisterschaften. Er lebt von genau solchen Veranstaltungen, auf denen Talente aufgebaut, getestet und weiterentwickelt werden.

Zehn Veranstaltungen seit 2022 sind in einem schwierigen Marktumfeld ohne große TV-Erlöse keine Selbstverständlichkeit.

KUC Boxing hat sich damit einen festen Platz im deutschen Boxkalender erarbeitet.

Ob die Gala am Ende tatsächlich als Gegenentwurf zum üblichen Matchmaking-Modell taugt, wird nicht die Pressemitteilung entscheiden, sondern das Geschehen im Ring.

Was am 6. Juni wirklich auf dem Spiel steht

Für Hamsat Shadalov geht es um den nächsten Schritt Richtung europäische Ebene.

Für Paul Wall um den bislang wichtigsten Test seiner Karriere.

Für Jan Meiser um die Bestätigung seiner Stellung im nationalen Boxgeschehen.

Und für Almin Kuc geht es um den Nachweis, dass die eigene Kernbotschaft mehr ist als geschicktes Marketing.

Die Antworten liefert Falkensee am 6. Juni. Ob KUC Boxing damit tatsächlich einen Gegenentwurf zur deutschen Rekordschutz-Kultur präsentiert, wird nicht in der Pressemitteilung entschieden – sondern im Ring.


KUC Boxing Gala 2026 im Überblick

PunktInformation
Veranstaltung10. KUC Boxing Gala
Datum6. Juni 2026
OrtStadthalle Falkensee
PromoterAlmin Kuc
HauptkampfHamsat Shadalov vs. Kanan Huseynaliyev
TitelkampfBDB-International-Titel (Superfedergewicht)
Co-Main EventPaul Wall vs. Damiano Falcinelli
Zweiter TitelkampfIBF-European-Titel (Halbmittelgewicht)
Weitere TitelkämpfeJan Meiser vs. Armend Hasani, Alen Rahimic vs. Eduardo Bajak
BesonderheitZwei ungeschlagene Boxer treffen im Hauptkampf aufeinander
Zentrale AussageKUC Boxing positioniert die Gala als Gegenentwurf zur deutschen Rekordschutz-Kultur
BOXWELT-EinordnungSportlich ambitioniertere Fight Card als viele vergleichbare deutsche Regionalgalas