
Mit einer Silbermedaille im Superschwergewicht hat Nikita Putilov für das beste deutsche Ergebnis beim World Boxing Cup in Guiyang gesorgt. Der Finaleinzug gegen Weltmeister Aibek Oralbay zeigt, dass Deutschlands derzeit stärkster Superschwergewichtler auch auf höchstem internationalen Niveau konkurrenzfähig ist.
Der World Boxing Cup in der chinesischen Millionenstadt Guiyang war weit mehr als ein gewöhnliches internationales Turnier. Vom 15. bis 21. Juni trafen 333 Boxerinnen und Boxer aus 44 Nationen aufeinander – darunter zahlreiche Weltklasse-Athleten und Olympiakandidaten für Los Angeles 2028.
Für den Deutschen Boxsport-Verband (DBV) stand vor allem ein Name im Mittelpunkt: Nikita Putilov.
Nikita Putilov kämpft sich erneut bis ins Finale
Der deutsche Superschwergewichtler zeigte über das gesamte Turnier hinweg starke Leistungen und arbeitete sich mit drei Siegen bis ins Finale seiner Gewichtsklasse vor.
Dort wartete mit Aibek Oralbay jedoch einer der derzeit dominierenden Athleten des olympischen Amateurboxens. Der Kasache ist amtierender Weltmeister, Asienmeister und Spitzenreiter der World-Boxing-Rangliste im Superschwergewicht.
Im Endkampf musste sich Putilov einstimmig nach Punkten geschlagen geben. Trotz der Niederlage unterstreicht der erneute Finaleinzug seine internationale Konstanz.
Bereits beim World Boxing Cup in Astana hatte Putilov Silber gewonnen – ebenfalls hinter Oralbay.
Wer ist Aibek Oralbay?
Die Bedeutung von Putilovs Silbermedaille wird erst durch den Blick auf seinen Finalgegner deutlich.
Der 26-jährige Oralbay gehört seit Jahren zur absoluten Weltspitze im olympischen Boxen. Der Kasache gewann internationale Titel auf Junioren-, Nachwuchs- und Eliteebene und zählt aktuell zu den Favoriten für die kommenden Olympiazyklen.
Für deutsche Boxer sind Duelle gegen Athleten dieses Kalibers selten. Dass Putilov innerhalb kurzer Zeit zweimal das Finale eines World Boxing Cups erreicht hat, ist daher ein starkes Signal.
World Boxing Cup wird immer wichtiger
Der Wettbewerb in Guiyang war die zweite Station der World-Boxing-Cup-Serie 2026.
Mit der Anerkennung von World Boxing durch das IOC hat sich die sportpolitische Landschaft des Amateurboxens grundlegend verändert. Die Turniere der neuen Organisation gewinnen zunehmend an Bedeutung, da sie wichtige Ranglistenpunkte und internationale Sichtbarkeit im Hinblick auf die Olympischen Spiele 2028 bieten.
Gerade deshalb besitzt ein Finaleinzug auf diesem Niveau deutlich mehr Gewicht als eine klassische Medaille bei einem Einladungsturnier.
DBV mit elf Athletinnen und Athleten in China
Der Deutsche Boxsport-Verband reiste mit vier Boxerinnen und sieben Boxern nach China. Betreut wurde das Team unter anderem vom neuen Cheftrainer Humberto Horta.
Auch wenn Putilov als einziger deutscher Medaillengewinner nach Hause zurückkehrte, wertete der Verband das Turnier insgesamt positiv. DBV-Präsident Prof. Dr. Farid Vatanparast sprach von erkennbaren Leistungsfortschritten innerhalb der Mannschaft.
Eine abschließende Bewertung der Gesamtleistung bleibt jedoch schwierig, da bislang nicht alle Einzelergebnisse des deutschen Teams umfassend veröffentlicht wurden.
Anerkennung auch für Kampfrichter Alexander Darbisch
Eine bemerkenswerte Nachricht gab es zudem abseits des Rings.
Der deutsche Kampfrichter Alexander Darbisch wurde von World Boxing für seine Leistungen beim Turnier besonders ausgezeichnet und belegte in der Gesamtwertung aller eingesetzten Offiziellen den zweiten Platz.
Für den deutschen Boxsport ist dies ein wichtiges Signal, denn internationale Anerkennung auf Kampfrichterebene spielt im olympischen System eine bedeutende Rolle.
Was bedeutet das Ergebnis für den deutschen Boxsport?
Der World Boxing Cup in Guiyang liefert keine endgültigen Antworten über die internationale Wettbewerbsfähigkeit des deutschen Amateurboxens. Dafür ist ein einzelnes Turnier zu wenig.
Er zeigt jedoch zwei Dinge sehr deutlich: Erstens verfügt Deutschland mit Nikita Putilov über einen Athleten, der sich regelmäßig in die Nähe der Weltspitze boxen kann.
Zweitens wird die Bedeutung der World-Boxing-Serie auf dem Weg nach Los Angeles 2028 weiter wachsen. Wer dort regelmäßig punktet und präsent bleibt, verschafft sich wichtige Vorteile für die kommenden Qualifikationszyklen.
Putilovs Silbermedaille ist deshalb mehr als nur ein gutes Einzelergebnis. Sie ist ein Fingerzeig dafür, dass Deutschland im neuen World-Boxing-System durchaus konkurrenzfähig sein kann – auch wenn der Abstand zur absoluten Weltspitze derzeit noch sichtbar bleibt.



