Das Halbfinale der Hamburger Meisterschaft 2014 litt unter einigen krankheitsbedingten Absagen. Dennoch fanden 12 spannende Kämpfe statt. Highlights waren die starken Auftritte von Helmut Ofori und Meriton Rexhepi sowie eine unterhaltsame Superschwergewichts-Schlacht.

Jugend, 64 Kilo (Einlage)

Im ersten Kampf des Tages trafen Vladi Kerner (TH Eilbek) und Fabian Tillmeier (Hankook) aufeinander. Der rund 10 Kilo schwerere und deutlich erfahrenere Kerner konnte sich zu Beginn Vorteile verschaffen, indem er dem druckvoll agierenden Tillmeier durch Meidbewegungen entging und Konter setzte. Beide Kämpfer boxten übrigens in der Rechtsauslage. Auch in der 2. Runde blieb es bei diesem Muster. Tillmeier mühte sich redlich, hatte aber sichtlich Probleme, die Erfahrung seines Kontrahenten auszugleichen. Im 3. Durchgang fuhr Kerner damit fort, den Kampf zu bestimmen, indem er den Körper von Tillmeier bearbeitete. Dieser marschierte unermüdlich nach vorne und suchte bis zum Ende seine Chance. Aufgrund des Gewichtsunterschieds blieb der Kampf selbstverständlich ohne Wertung.

Frauen, 69 Kilo

Anschließend kam es zum Duell zwischen Joelle Seydou (Agon) und Ilona Skrzypek (Delmenhorst). Zunächst konnte Skrzypek einige Konter und Körpertreffer landen, ehe Seydou gegen Rundenende hart durchkam und sich Vorteile verschaffen konnte. In der 2. Runde blieb der Kampf eng. Seydou schien leichte Vorteile zu haben, musste aber auch immer wieder Treffer der beherzten Delmenhorsterin einstecken. Im Verlauf der 3. Runde übernahm Seydou schließlich den Kampf und brachte mehrfach ihre harte Rechte unter. Skrzypek blieb beherzt, geriet nun aber zunehmend in Rückstand. Auch in der 4. Runde konnte Seydou die klaren Treffer landen und sicherte sich am Ende einen verdienten Punktsieg.

Elite, 75 Kilo

Nun waren Helmut Ofori (Hankook) und Lukas Ameskamp (TH Eilbek) an der Reihe. Zu Beginn arbeitete Ameskamp solide mit dem Jab, musste aber immer wieder harte Einzeltreffer des druckvoll boxenden Ofori einstecken. Der Hankook-Boxer erarbeitete sich auf diese Weise eine frühe Führung. Im 2. Durchgang musste Ameskamp zunehmend harte Wirkungstreffer kassieren. Ofori hatte seinen Rhythmus gefunden und konnte immer wieder klar durchkommen. Der Eilbeker bewies aber Kinn und Kämpferherz und schaffte es in die Pause. In der 3. Runde konnte Ofori zwar weitere Treffer landen, nahm aber ein wenig Tempo raus. Nach einer weiteren souveränen Runde sicherte sich Helmut Ofori den verdienten Punktsieg.

Elite, 69 Kilo

Jetzt kam die Stunde von Berat Tolga Aciksari (Harburg) und Darian Neumann (Buxtehude). Zu Beginn trommelten beide Boxer bevorzugt auf die Deckung, wobei Aciksari immerhin den einen oder anderen linken Haken drin hatte und sich Vorteile sicherte. In der 2. Runde konnte sich der Harburger klarer Absetzen. Die harten Kombinationen von Aciksari forderten mit der Zeit ihren Tribut und erzwangen ein Anzählen von Neumann. Allerdings waren auch einige Tiefschläge mit dabei. Kurz nach dem Start der 3. Runde bekam Aciksari daher auch einen Punkt abgezogen. Die besseren Treffer waren aber nach wie vor auf Seiten des Harburgers und sorgten dafür, dass sein klarer Punktsieg nie in Gefahr geriet.

Elite, über 91 Kilo

Im letzten Kampf vor der Pause bekam es Behroz Safa (Boxschmiede) mit Alexander Cerkate (SV Polizei) zu tun. Es entwickelte sich eine recht unterhaltsame Keilerei zwischen den beiden schweren Kämpfern. Zunächst hatten beide Boxer ihre Schwinger drin, ehe sich Cerkate am Rundenende Vorteile sichern konnte. Zu Beginn der 2. Runde drehte sich Cerkate ab. Ein Fehler, da Safa auf diese Weise hart durchkam und ein Anzählen erzwang. Allerdings schlug er auch nach, wofür er einen Punktabzug kassierte. Cerkate wurde daraufhin wütend und knüppelte eiskalt in die Aktionen seines Gegners hinein. Jetzt wackelte Safa und wurde angezählt. Anschließend setzte Cerkate entschlossen nach und schaffte es, den Abbruch zu erreichen. Ein Kampf, der nicht unbedingt technisch hochwertig war, dafür aber höllisch unterhaltsam.

Elite, 91 Kilo

Jetzt trafen Halil Latifaj (TH Eilbek) und Shariff Biko Noetzel (SV Polizei) aufeinander. Noetzel landete die erste Rechte des Kampfes, ehe Latifaj aufkam und den Rest der Runde im Infight bestimmte. Vor allem der linke Haken des Eilbekers erwies sich als effektiv. In der 2. Runde wurde der Kampf ein wenig enger. Noetzel fand nun die richtige Distanz für seine Geraden und erzielte klare Treffer. Latifaj hielt aber nach wie vor dagegen. Im 3. Durchgang entwickelte sich der Kampf zu einer wahren Schlacht, in deren Verlauf beide Boxer zu harten Treffern kamen. Letztendlich hatten die Punktrichter ein Unentschieden heraus und erklärten Shariff Biko Noetzel per Hilfspunkt zum Sieger.

Elite, 75 Kilo

Nun kam es zum mit Spannung erwarteten Kampf zwischen Meriton Rexhepi (TH Eilbek) und Sebastiano LoZito (Boxschmiede). Rechtsausleger Lo Zito war darum bemüht, die Distanz zu halten, hatte in den einzelnen Schlagabtäuschen aber Nachteile. Rexhepi erwies sich als sehr konzentriert und präzise. Vor allem der linke Haken des Eilbekers war mehrfach im Ziel. Auch der 2. Durchgang verlief zu Gunsten von Rexhepi. Lo Zito hatte zwar gelegentliche Einzeltreffer drin, hatte aber sichtlich Probleme mit seinem taktisch gut eingestellten Gegner. Rexhepi bestimmte den Kampf mit kontrolliertem Druck und ging mit einer soliden Führung in die 3. und letzte Runde. Dort blieb das bisherige Muster erhalten. Rexhepi agierte aktiver und souverän und sicherte sich einen verdienten Punktsieg.

Elite, 75 Kilo

Im nächsten Kampf trafen Muhammed Bangaev (Box-Out) und David Okrafka (SV Polizei) aufeinander. Bangaev bestimmte die erste Runde mit übersichtlichem Distanzboxen. Vor allem der linke Haken war sehr wirkungsvoll und hielt Okrafka mehr als einmal davon ab, in den Mann zu stürmen. Im 2. Durchgang sah es nicht anders aus. Obwohl Okrafka durchaus bemüht war, konnte er kaum in Schlagdistanz kommen. Bangaev dominierte mit kraftvollen Einzelhänden aus der Distanz und bewegte sich flink um seinen Gegner herum. In der 3. Runde blieb dieses Muster erhalten. Bangaev ließ nichts mehr anbrennen und konnte sich am Ende einen ebenso klaren wie verdienten Punktsieg sichern.

Elite, über 91 Kilo

Nun kam die Stunde von Tomasz Brodowy (Epeios) und Israfil Nacarli (Heros). Brodowy arbeitete zunächst viel mit dem Jab, streute aber auch ab und an linke Haken ein. Nacarli war bemüht, hatte aber meist einfach zu kurze Arme. In der 2. Runde schlug Nacarli häufiger in die gegnerischen Attacken hinein und landete klare Treffer. Kurz vor dem Gong musste er allerdings nach einem Treffer von Brodowy in den Ringstaub, womit auch dieser Durchgang an den Boxer von Epeios ging. Im 3. Durchgang holten beide Boxer noch einmal alles aus sich raus. Auf beiden Seiten waren harte Treffer zu verzeichnen, wobei sich keiner klare Vorteile erarbeiten konnte. Brodowys Vorsprung war aber vollkommen ausreichend, um ihm den Finaleinzug zu sichern.