Beim Finale der Hamburger Meisterschaft 2014 bekamen die Zuschauer 10 spannende Kämpfe zu sehen. Leider waren viele Teilnehmer durch Krankheit außer Gefecht gesetzt, weshalb das Programm mit einigen Nachwuchsboxern angereichert wurde. Die wohl beste Leistung des Abends lieferte Ammar Abduljabbar vom TH Eilbek ab und trug mit seinem Titel auch entscheidend dazu bei, dass die Eilbeker zur erfolgreichsten Mannschaft des Turniers wurden.

Jugend, 52 Kilo (Wettkampfsparring)

Im ersten Kampf trafen Farid Shah (TH Eilbek) und Ahmed Aljabar (SV Polizei) aufeinander. Aljabar startete aktiver und holte sich die Anfangsrunde über die Aktivität. Shah deutete zwar seine Technik an, brachte aber lediglich einige Jabs ins Ziel. In der 2. Runde kam Aljabar zunehmend zu klaren Treffern, wobei sich vor allem die abschließende Hand seiner Links-Rechts-Links Kombination wiederholt als effektiv erwies. Shah bewegte sich viel, versäumte es aber weiterhin, ausreichend zu schlagen. Im 3. Durchgang wachte Shah ein wenig auf und kam zu einer handvoll solider Treffer. Aljabar hielt aber weiterhin tapfer dagegen, sodass die Runde relativ eng verlief. Am Ende blieb das Wettkampfsparring ohne Wertung.

Kadetten, 54 Kilo

Nun kam es zum Duell zwischen Oruc Özer (Agon) und Youssef El Ahmad (SV Lurup). Rechtsausleger Özer schob sich hinter einer Doppeldeckung an seinen Gegner heran und versuchte, Druck aufzubauen. El Ahmad verstand es zu Beginn, Konter zu setzen und bereitete dem Deutschen Meister mehr Probleme, als erwartet. Im 2. Durchgang landete Özer einige Einzeltreffer, zögerte aber meist zu lange, ehe er seine Angriffe eröffnete. Dies ermöglichte es dem Luruper, eine Kombination abzufeuern und zur Seite rauszugehen. In der 3. Runde schaffte es Özer, den Kampf in eine Schlacht zu verwandeln. El Ahmad landete immer noch gute Konter, musste nun aber harte Treffer einstecken, welche die Runde wohl zu Özers Gunsten entschieden. Insgesamt sahen die Punktrichter aber Youssef El Ahmad vorne.

Elite, 75 Kilo

Als nächstes waren Lukas Ameskamp (TH Eilbek) und Sebastiano LoZito (Boxschmiede) an der Reihe. LoZito konnte die Anfangsphase aus der Distanz dominieren, indem er Ameskamp mit seinem Jab auf Distanz hielt. Der Eilebeker war bemüht, fand aber zunächst keinen Zugang zum Kampf. In der 2. Runde blieb es dabei. Ameskamp ging selten offensiv nach vorne, um die Konter von LoZito zu vermeiden. Daher konnte der Italiener mit seinem Jab spielen und seinen Vorsprung ausbauen. Zwischendurch kam es zu einem unabsichtlichen Kopfstoß, welcher einen kleinen Cut bei Ameskamp verursachte. Im 3. Durchgang wurde LoZito offensiver und brachte vermehrt seine Schlaghand unter. Ameskamp schlug tapfer mit, war meistens aber einen Tick langsamer als sein Kontrahent. Am Ende siegte Sebastiano LoZito nach Punkten.

Elite, 69 Kilo

Anschließend bekam es Berat Tolga Aciksari (Harburg) mit Bujar Murseli (TH Eilbek) zu tun. Es entwickelte sich ein enges Gefecht, in dem Aciksari den besseren Start erwischte. Nach mehreren Treffern des Harburgers wachte Murseli allerdings auf und war gegen Ende der 1. Runde mit den deutlich zwingenderen Aktionen zur Stelle. Im 2. Durchgang fand Aciksari die richtige Distanz und nutzte die Lücken in Murselis Defensive für klare Treffer aus. Vor allem der linke Haken des Harburgers war in dieser Phase entscheidend. In der 3. und letzten Runde setzte Aciksari nach und konnte Murseli zunehmend in Bedrängnis bringen. Der Eilbeker, vor kurzem erst aus der Jugend aufgestiegen, wirkte mit seinem erfahrenen Gegner überfordert und war phasenweise zu passiv. Am Ende siegte Berat Tolga Aciksari nach Punkten.

Elite, 91 Kilo

Im letzten Kampf vor der Pause trafen Serkan Nacarli (Heros) und Zlatko Strauch (TH Eilbek) aufeinander. Nacarli drängte sofort rüde nach vorne und versuchte, Strauch an die Seile zu drängen, wo er wiederholt eine wilde Keilerei anzettelte. Da sich Strauch früh den Knöchel verknackste, kam es auch mehrmals zu Situationen, in denen Nacarli seinen Gegner stellen konnte. Wilde Schlagabtäusche waren die Folge, in denen zunächst Strauch wackelte, ehe er mit einer Serie von Kontern durchkam, die zu einem Anzählen von Nacarli führten. In der 2. Runde ließ Nacarlis Kondition etwas nach, sodass Strauchs Geschwindigkeits-Vorteil besser zum tragen kam. Der Eilbeker musste immer noch Einzeltreffer nehmen, bestimmte das Gefecht aber zunehmend. Im 3. Durchgang kam Nacarli wieder mit harten Kopftreffern zurück, lief aber kurz darauf wieder in einen Konter, welcher ein zweites Anzählen zur Folge hatte. Kurz vor dem Schlussgong wiederholte sich diese Situation mit einem weiteren Anzählen, womit Zlatko Strauch seinen Punktsieg endgültig sicherte.

Jugend, 60 Kilo

Nach der Pause bekam es Fabian Tillmeier (Hankook) mit Soleiman Asefi (SV Polizei) zu tun. Tillmeier war sofort darum bemüht Druck aufzubauen und landete einige Körper- und Kopfhaken. Der erfahrene Asefi konnte sich mit seinen flinken Kontern allerdings Vorteile verschaffen. In der 2. Runde variierte Asefi mehr zum Körper und zog die Deckung von Tillmeier zunehmend runter. Gegen Ende der Runde wurde Tillmeier nach einer Reihe von klaren Treffern angezählt, stürmte aber sofort nach Freigabe des Kampfes wieder nach vorne. In der 3. Runde fuhr Asefi damit fort, Tillmeier zu zermürben. Treffer um Treffer schlug beim Hankook-Kämpfer ein, der mutig weiter nach vorne marschierte, letztendlich aber chancenlos war. Dementsprechend brach Ringrichter Norbert Köpke den Kampf wegen Überlegenheit ab.

Elite, 64 Kilo

Nun kam es zum Duell zwischen Ahmadullah Noori (TH Eilbek) und Jordan Karpachev (Boxschmiede). Rechtsausleger Karpachev verschaffte sich sofort Respekt, indem er mit explosiven Serien auf Noori einstürmte. In der Defensive konnte der Bulgare den meisten Angriffen durch seine Reflexe entkommen. In der 2. Runde ließ Noori seinen Kontrahenten mehr kommen und konterte ihn wiederholt ab. Karpachev hatte immer noch harte Einzeltreffer drin, verlor aber zunehmend seine Linie, sodass Noori auf den Punktzetteln heran kam. In der 3. und letzten Runde fand Karpachev seine Präzision wieder und konnte Noori mehrmals mit schweren Treffern abfangen. Vor allem der rechte Haken, mit dem der Bulgare in den Mann sprang, traf zuverlässig. Am Ende siegte Jordan Karpachev mit 2-1 Richterstimmen.

Elite, 75 Kilo

Jetzt kam es zum Duell zwischen Muhammed Bangaev (Box-Out) und Meriton Rexhepi (TH Eilbek). Rexhepi startete erwartet offensiv, während Bangaev vor allem auf Distanzboxen fixiert war. Zu Beginn schien Bangaev leichte Vorteile mit seinen harten Körpertreffern und Kontern zu haben, musste aber auch den einen oder anderen kraftvollen Haken des Eilbekers nehmen, der den Kampf eng hielt. Im 2. Durchgang wurde Rexhepi zunehmend frustrierter und agierte zu sehr mit der Brechstange. Bangaev hatte seinen Rhythmus inzwischen gefunden und boxte Rexhepi mit flinker Beinarbeit und explosiven Einzelhänden aus. In der 3. Runde kam Rexhepi besser an seinen Gegner heran und landete eine Reihe von Treffern. Bangaev lief in dieser Phase zu viel weg und gab die Runde wohl über die Aktivität ab. Letztendlich entschieden sich die Punktrichter für Muhammed Bangaev, der mit 2-1 Richterstimmen siegte.

Elite, 81 Kilo

Im nächsten Kampf kollidierten Max Degenhardt (Agon) und Ammar Abduljabbar (TH Eilbek). Es entwickelte sich ein hartes Gefecht, welches sich vor allem im Infight abspielte. Abduljabbar war in dieser Phase einen Tick explosiver und brachte mehrfach seinen linken Haken am Kopf von Degenhardt unter. In der 2. Runde fuhr Abduljabbar damit fort, den Kampf physisch zu gestalten. Degenhardt hatte zwar einzelne Konter drin, wurde letztendlich aber vom extrem aggressiven Eilbeker überrollt. Abduljabbar erzwang zunächst ein Anzählen und setzte dann entschlossen nach. Eine krachende Kombination erzielte sichtlich Wirkung und sorgte für ein weiteres Anzählen. Degenhardt rettete sich in die Pause, fand sich aber auch im 3. Durchgang unter schwerem Beschuss. Obwohl er tapfer dagegen hielt, kam Abduljabbar erneut hart durch und beendete den Kampf schließlich mit einem linken Haken, welcher den Ringrichter zum Abbruch veranlasste.

Elite, über 91 Kilo

Im letzten Kampf des Tages bekam es Tomasz Brodowy (Epeios) mit Alexander Cerketa (SV Polizei) zu tun. Zu Beginn konnte Cerketa die besseren Treffer landen, indem er aktiv nach vorne ging. Brodowy wirkte zunächst etwas unsicher, brachte kurz vor dem Gong aber zwei harte Konter ins Ziel. In der 2. Runde kam Brodowy mit seinem Jab zum Erfolg und konnte auch die eine oder andere Rechte anbringen. Cerkate hatte immer noch schwere Einzeltreffer drin, schien aber massive Konditions-Probleme zu haben. In einer spektakulären Schlussrunde lieferten sich beide Kämpfer noch einmal eine brutale Ringschlacht. Harte Treffer auf beiden Seiten waren die Folge, welche die Halle zum toben brachten. Am Ende entschieden sich die Punktrichter für Tomasz Brodowy, der sich somit den Hamburger Meistertitel sicherte.