Nachbericht: Deutsche Meisterschaft 2014 (8)

von | 17. Okt. 2014 | Amateurboxen

Arthur Mann vs Patrick Scholl

Bei der 8. Veranstaltung der Deutschen Meisterschaften gab es für die Zuschauer acht spannende Kämpfe zu sehen. Da Edgar Walth und Omar El Hag im Finale der 56 Kilo Klasse stehen, wird es Morgen zum Rematch ihrer denkwürdigen Schlacht aus dem letzten Jahr kommen. Doch auch die restlichen Paarungen versprechen Hochspannung. Negativer Höhepunkt war eine kurze Rangelei im Publikum, nachdem Serge Michel einen Sieg über Elvis Hetemi gefeiert hatte.


Bantamgewicht (Bis 56 Kilo)

Im ersten Kampf des Abends trafen Omar El Hag (Berlin) und Raman Sharafa (Bayern) aufeinander. Der favorisierte El Hag suchte, wie man es von ihm gewohnt ist, den Vorwärtsgang. Sharafa wusste sich aber zunächst zu entziehen und konterte seinen anstürmenden Rivalen immer wieder mit unorthodoxen Haken ab. Auch in der 2. Runde hatte El Hag so seine Probleme mit dem flinken, mit starken Reflexen ausgestatteten Bayern. Sharafas Schläge kamen aus ungewöhnlichen Winkeln und erwischten den Berliner, der lediglich Einzeltreffer im Ziel hatte, meist auf dem falschen Fuß. Im 3. und letzten Durchgang warf El Hag noch einmal alles nach vorne. Sharafa konnte sich in dieser Phase nicht mehr ganz so schön entziehen, schaffte es aber, den Kampf eng zu halten. Der Berliner holte aber trotzdem auf. Dennoch kam der Punktsieg für Omar El Hag etwas überraschend.

Bantamgewicht (Bis 56 Kilo)

Jetzt kam die Stunde von Erik Sokolov (Bayern) und Edgar Walth (Bayern). Sokolov ließ sich bereitwillig auf den Infight ein, wo Walth seine Stärken hat. Dementsprechend fiel es dem Straubinger nicht schwer, bereits in der Anfangsphase mehrere harte Treffer anzubringen, welche dafür sorgten, dass Sokolov die erste Runde abgab. In der 2. Runde fuhr Walth damit fort, konstanten Druck auszuüben und seinen Gegner Stück für Stück zu zermürben. Sokolov nahm die Gegentreffer ohne mit der Wimper zu zucken, konnte boxerisch aber nicht allzu viel entgegen setzen. In der 3. Runde nahm Walth ein wenig Tempo raus. Der Lokalmatador konnte aber auch so die besseren Treffer ins Ziel bringen. Onwohl sich Sokolov redlich mühte, schaffte er es nicht mehr, dem Kampf eine dramatische Wendung zu verpassen. Edgar Walth siegte verdient nach Punkten.

Halbweltergewicht (Bis 64 Kilo)

Eugen Dahinten (Bayern) bekam es anschließend mit Theo Krechlok (Berlin) zu tun. Dahinten konnte diesen Kampf zweier Rechtsausleger zu Beginn aus der Distanz bestimmen. Krechlok marschierte zwar beherzt nach vorne, kam zunächst aber nicht am Jab seines flinken Gegners vorbei. Auch im 2. Durchgang konnte sich Dahinten Vorteile verschaffen. Krechlok mühte sich redlich, konnte die Distanz allerdings nicht so überwinden, wie es nötig gewesen wäre. Dahinten punktete mit flinken Kombinationen und dem Jab. Zu Beginn des 3. Durchgangs kam Krechlok ein bisschen besser rein und konnte einige Treffer landen. Dahinten fand seine Linie aber schnell wieder und brachte in der letzten Minute eine Reihe von schweren Treffern unter, die Krechlok in den Rückwärtsgang zwangen. Am Ende siegte Eugen Dahinten nach Punkten und zog ins Finale ein.

Halbweltergewicht (Bis 64 Kilo)

Anschließend boxte Kastriot Sopa (Baden Württemberg) gegen Shahan Aybey (Nordrhein Westfalen). Beide Boxer traten als Rechtsausleger an. Es kam zu kurzen, aber intensiven Schlagabtäuschen, in denen Sopa dank der schnelleren Hände und mehr Präzision Vorteile hatte. Aybey traf einige Male zum Körper, suchte aber in Sachen Kopf noch nach dem richtigen Timing. Auch in der 2. Runde blieb es dabei, dass Sopa leichte Vorteile hatte. Obwohl Aybey durchaus einzelne Erfolge zu verzeichnen hatte, war es der Favorit aus Baden Württemberg, der mit seinen Schlägen effektiver zu Werke ging. Die 3. und letzte Runde hielt keine Überraschungen parat. Aybey versuchte zwar noch einmal alles, konnte dem clever boxenden Sopa aber nicht mehr beikommen. Am Ende siegte Kastriot Sopa nach Punkten.

Halbschwergewicht (Bis 81 Kilo)

Der nächste Kampf wurde von Leon Bunn (Hessen) und Sadula Abdulai (Brandenburg) bestritten. Der Kampf verlief recht offensiv, wobei Bunn meistens derjenige war, der die Schlagwechsel eröffnete. Klar absetzen konnte sich zunächst keiner. Bunn traf viel mit dem linken Haken, musste aber auch harte Konter von Abdulai verdauen.Auch der 2. Durchgang verlief ebenso unterhaltsam wie eng. Bunn schien leichte Vorteile mit seinem bewährten linken Haken zu haben, musste sich seine Treffer aber hart erkämpfen. Abdulai agierte sehr beherzt und suchte stets seine Chance. Im 3. Durchgang kam es schließlich zu einem unabsichtlichen Kopfstoß, der einen tiefen Cut bei Bunn verursachte. Daraufhin wurde der Kampf vom Ringarzt beendet. Leon Bunn siegte zwar durch eine technische Punktentscheidung, muss aber wohl ein wenig tricksen, um am kommenden Morgen den Arzt zu überlisten. Andernfalls rückt Andulai wohl ins Finale auf.

Halbschwergewicht (Bis 81 Kilo)

Nach einer kurzen Pause kollidierten Elvis Hetemi (Nordrhein Westfalen) und Serge Michel (Bayern). Es entwickelte sich ein recht enges Gefecht, zu dessen Beginn Hetemi mit blitzschnellen Links-Rechts Kombinationen zum Erfolg kam. Michel fand mit Dauer der Runde aber besser in den Kampf und konnte zum Schluss einige nennenswerte Treffer unterbringen. Im 2. Durchgang übernahm Michel schließlich den Kampf. Präzision und Timing waren nun auf Seiten des Bayern, der wiederholt mit langen Geraden und harten Körpertreffern zum Erfolg kam. Die 3. Runde sah noch immer Vorteile für Michel. Der Lokalmatador drängte nun regelrecht nach vorne und bearbeitete Hetemi mit harten rechten Schlaghänden, die vor allem gegen Ende durchaus Eindruck hinterließen. Vor dem Urteil gab es noch einen Tumult in den Zuschauern. Die Sicherheitsabsperrung wurde umgeworfen und die Veranstaltung musste kurz unterbrochen werden. Zum Glück konnte bereits kurze Zeit später der verdiente Punktsieg von Serge Michel verkündet werden. Warum der relativ klare, faire Kampf für Auseinandersetzungen unter den Zuschauern sorgte, ist aktuell noch unklar.

Schwergewicht (Bis 91 Kilo)

Nun kam es zum Duell zwischen Alexander Peil (Nordrhein Westfalen) und Alban Pervizaj (Mecklenburg Vorpommern). Beide Kämpfer trafen sich bevorzugt in der Ringmitte. Pervizaj konnte mit harten Aufwärtshaken zum Erfolg kommen, während Peil erst einmal seine Deckung geschlossen hielt und recht sparsam mit Schlägen umging. Auch im 2. Durchgang blieb Pervizaj der effektivere Boxer. Der Schweriner überzeugte mit kontrolliertem Druck und spielte seine überlegene Physis konstant aus. Peil gab sein Bestes, befand sich aber in einer Distanz, in der er keine Mittel hatte, um dem Schweriner beizukommen. Die 3. und letzte Runde hielt keine weiteren Überraschungen bereit. Pervizaj brachte einen Uppercut nach dem anderen ins Ziel und konnte seinen beherzten Kontrahenten immer mehr zermürben. Gegen Ende nahm Pervizaj ein wenig Tempo raus und sparte Kraft für das Finale, in das er mit einem klaren Punktsieg einzog.

Schwergewicht (Bis 91 Kilo)

Im letzten Kampf des Tages bekam es Roman Fress (Nordrhein Westfalen) mit Arthur Mann (Niedersachsen) zu tun. Mann übte von Beginn an Druck aus, den er mit Dauer des Kampfes imme mehr steigerte. Mehrere Rechte fanden den Weg an den Kopf von Fress, der seinerseits recht verhalten agierte. Auch in der 2. Runde war Mann der bestimmende Kämpfer. Obwohl Fress fieberhaft nach dem Schlüssel zum Sieg suchte, fand er ihn nicht. Die Schlaghand von Mann kam sehr präzise und vor allem auch schnell. Im 3. Durchgang konnte Fress einige Einzelhände ins Ziel bringen. Unter dem Strich blieb Mann aber der bestimmende Boxer, der beständig marschierte und die klaren Treffer auf seiner Seite hatte. Dementsprechend war es keine Überraschung, dass Arthur Mann am Ende zum Punktsieger erklärt wurde.

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