Seit einiger Zeit bietet der Profiverband GBA auch Amateurkämpfe an. Fünf davon fanden am Samstag in Grevesmühlen (Mecklenburg Vorpommern) statt. Obwohl das technische Niveau und vor allem die Punkturteile nicht immer überzeugten, sollte man mit Interesse beachten, wie sich dieses Projekt mit der Zeit entwickelt.
10 Jahre, 57 Kilo
Im ersten Kampf trafen Fionn Krätsch (Grevesmühlen) und Nicklas Wolf (Grevesmühlen) aufeinander. Beide Kämpfer trafen sofort in der Ringmitte zusammen und tauschten gute Aktionen aus. Krätsch schien zu Beginn ein wenig explosiver zu sein und legte mehr Präzision an den Tag, konnte sich aber nicht klar absetzen, da sich Wolf mit Einzeltreffern im Kampf hielt. In der 2. Runde konnte sich Wolf leichte Vorteile verschaffen, indem er zunehmend seine Reichweite nutzte und lange Geraden ins Ziel brachte. So kam es, dass vor dem letzten Durchgang noch alles offen war. Klar absetzen konnte sich auch in dieser Phase keiner der beiden Boxer. Die Treffer waren auf beiden Seiten gut verteilt, sodass die Punktrichterin eine schwere Aufgabe hatte. Letztendlich siegte Fionn Krätsch nach Punkten.
17 Jahre, 63 Kilo
Nun kam es zum Duell zwischen Lara Jovic (Bad Kleinen) und Julia Messerschmidt (Torgau). Messerschmidt erwischte den besseren Start und boxte ihre Kontrahentin mit einem starken Jab und flinken Beinen aus. Jovic suchte zwar stets den Vorwärtsgang, kam aber nicht an den langen Armen ihrer Gegnerin vorbei. Auch in der 2. Runde bestimmte Messerschmidt den Kampf mit cleverem Distanzboxen. Jovic erhöhte zunehmend den Druck, hatte aber nur Einzelhände im Ziel. Während dem 3. Durchgang konnte Messerschmidt wiederholt mit harten Links-Rechts Kombinationen durchkommen, welche meist als Konter geschlagen wurde, um die nach vorne stürmende Jovic abzufangen. Dieses Muster blieb auch in der 4. Runde erhalten. Messerschmidt konnte zuverlässig Treffer landen, während Jovic zwar beherzt, aber auch technisch klar unterlegen war. Am Ende schockierten die Punktrichter allerdings mit einem Fehlurteil zu Gunsten von Jovic.
17 Jahre, 66 Kilo
Anschließend boxte Rowena Stüwe (Rostock) gegen Luisa Messerschmidt (Torgau). Stüwe startete aktiver und setzte ihre in der Rechtsauslage boxende Gegnerin unter Druck. Mehrfach kamen Treffer durch, die Messerschmidt aber wegstecken konnte. Mit gelegentlichen Kontern konnte sich die Torgauerin zwar durchaus Respekt verschaffen, brachte diese aber nur selten zustande. Auch in der 2. Runde hatte Stüwe Vorteile. Die höhere Schlagfrequenz in Verbindung mit mehr Präzision erwiesen sich für die Rostockerin als Schlüssel zum Erfolg. Im Verlauf des 3. Durchgangs wurde der Kampf enger. Stüwe war immer noch mit ihrer Rechten erfolgreich, musste aber zunehmend linke Haken von Messerschmidt nehmen, die inzwischen die richtige Distanz gefunden hatte. In der 4. und letzten Runde lieferten sich beide Kämpferinnen eine wahre Schlacht. Stüwe schien hinten raus mehr Reserven zu haben und brachte mehrfach ihre Rechte ins Ziel. Doch erneut fiel das Urteil sehr realitätsfremd aus, als Luisa Messerschmidt nach Punkten siegte.
Elite, 80 Kilo
Vladislar Gluskar (Neumünster) bekam es anschließend mit Eugen Jacobi (Hamburg) zu tun. Jacobi startete offensiv und setzte seinem Gegner relativ schnell mit Körpertreffern zu. Gluskar zeigte Wirkung und drehte sich mit schmerzverzerrtem Gesicht ab, als der Hamburger nachsetzte. Daraufhin wurde der Kampf abgebrochen, da Gluskar offensichtlich nicht in der Lage war, das Gefecht weiter zu führen. So kam es, dass Eugen Jacobi durch TKO in der 1. Runde siegreich war.
Elite, über 91 Kilo
Im letzten Amateurkampf kollidierten Sven Ole Ahl (Neumünster) und Eric Möller (Grevesmühlen). Der etwas rundliche Möller nutzte seine körperliche Überlegenheit sofort aus und marschierte Ahl mit Körpertreffern und rechten Schlaghänden nieder. In der 2. Runde kam es zu einem Niederschlag, als Ahl nach einer Rechten in die Seile taumelte. Daraufhin zählte der Ringrichter an, ließ den Kampf aber fortschreiten. Auch in der 3. Runde konnte die Kanonenkugel aus Grevesmühlen die besseren Treffer landen. Nach einer Reihe von Körpertreffern wurde Ahl erneut angezählt, schaffte es aber mit letzter Kraft über die Zeit. Am Ende wurde Eric Möller zum Punktsieger erklärt.
