Alexander Povetkin vs Manuel Charr – Um was geht es wirklich?

Fotos: Leif Magnusson / Archivbilder Man mag es kaum glauben, doch da es Manuel Charr in einer Art von Presseerklärung verkündet hat und der Kampf auch bei BoxRec eingetragen ist, kann man wohl davon ausgehen, dass es am 30. Mai in Moskau einen Kampf zwischen Manuel Charr und Alexander Povetkin geben wird. Bei dieser boxerischen Auseinandersetzung geht es um den WBC-International-Titel, um den zuletzt Tony Thompson und Odlanier Solis in der Türkei kämpften. Thompson hat diesen Kampf und den WBC-International-Gürtel zwar gewonnen, legte aber keinen Wert auf diesen Titel.

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Der Russe Alexander Povetkin kämpfte zuletzt im Oktober 2013 in Moskau gegen „Superweltmeister“ Wladimir Klitschko. Dieses Gefecht zwischen regulärem WBA-Champ und WBA-Superchamp verlief mehr als enttäuschend, weil man nach jahrelangem warten auf diesen Kampf eigentlich weniger Boxen als Ringkampf zu sehen bekam. So einen Kampf als WM hatte man selten gesehen. Povetkin konnte nicht besonders viel gegen die Kampfverhinderungspraktiken von Wladimir Klitschko ausrichten und verlor diesen „Kampf“ mit 3x 104:119. Povetkins neuer Promoter Vladimir Hryunov und Geldgeber Andrey Ryabinsky hatten für diesen Kampf ca. 20 Millionen US$ zum Fenster raus geschmissen.

Nach dieser Niederlage und einer kurzen Ruhe um den regulären Titel der WBA wurde bekannt, dass Povetkin bereits in seinem nächsten Kampf erneut um die reguläre WBA-WM boxen dürfe. So wollte es zumindest die WBA, die einen Kampf zwischen Ranglistennummer 2 (Luis Ortiz) und Ranglistennummer 3 (Alexander Povetkin) anordnete. Platz 1 ist im Ranking der WBA nicht besetzt. Doch man muss sich das wohl bei der WBA noch einmal überlegt haben und will nun, dass Povetkin vor einem neuen Anlauf auf den WBA-Titel zumindest einen Kampf gegen einen vertretbaren Gegner dazwischen schiebt.

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Dieser Kampf sollte dann zwischen Povetkin und dem Ukrainer Wjatscheslaw Glazkov stattfinden. Es wurde verhandelt und Glazkov war sich beinahe sicher, im Juni gegen Povetkin anzutreten. Die Verhandlungen wurden von der Seite Povetkins offenbar durch Andrey Ryabinsky abgebrochen. Ob die gegenwärtig angespannte Lage zwischen Russland und der Ukraine etwas damit zu tun hat, muss wohl unbeantwortet bleiben. Jedenfalls gab Glazkov bereits am 26. April bekannt, dass er nicht gegen Povetkin kämpfen wird und der Gegner Povetkins in diesem Zwischenkampf höchstwahrscheinlich Manuel Charr sein wird. Offenbar spielt dabei auch eine Rolle, dass der bisher ungeschlagene Glazkov zuletzt Tomasz Adamek deutlich besiegen konnte. In diesen Zeiten erneut eine Niederlage eines Russen gegen einen Ukrainer zu riskieren, wollte man seitens des russischen Multimilliardärs Ryabinsky offenbar von vorn herein vermeiden. Es musste ein anderer Gegner her.

Gestern gab Manuel Charr bekannt, dass er den Kampfvertrag unterschrieben habe und nur noch Povetkins Seite unterschreiben muss. Der Kampf findet laut BoxRec und der Presseerklärung Charrs am 30. Mai in Moskau statt. Manuel Charr ist guter Dinge und erklärt:

„Das wird ein Riesen-Kampf. Ich bin sehr stolz, dass ich es geschafft habe, diesen großen Fisch an Land zu ziehen. Das Duell mit Povektin ist meine Chance, mich wieder für einen WM-Kampf zu qualifizieren. Der Sieger wird eine Top-Position in der WBC-Weltrangliste einnehmen. Und ich bin mir sicher: Wenn ich Povetkin in Moskau schlage, dann werde ich auch mein Schicksal erfüllen und Weltmeister werden, wie ich es José Sulaiman versprochen habe.“

Man kann natürlich geteilter Meinung sein, wer da wen und zu welchem Zweck an Land gezogen hat. Manuel Charr sieht dem Ganzen freudig entgegen und sagt weiter:

„Ich kenne Moskau, und Moskau kennt mich. Deswegen war es für mich keine Frage, dass ich den Kampf auch auswärts akzeptiere. Ich habe seit meinem Auftritt gegen Klitschko viele Fans und Freunde in Russland. Deswegen wird das für mich wie ein Heimspiel. Außerdem reise ich natürlich mit einem großen Team nach Moskau. Gemeinsam werden wir Povetkin schlagen, den WBC International Titel nach Deutschland holen und dann auch Weltmeister werden. Dieser Kampf ist dazu der Schlüssel.“

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Andrey Ryabinsky

Sicherlich muss man einen Kampf auch mal auswärts akzeptieren. Da die Moskauer ihn ja noch aus seinem Kampf gegen Vitali Klitschko kennen und er dort viel Fans und Freunde hat, ist Moskau im Kampf gegen einen Russen für ihn selbstverständlich ein Heimspiel. Überzeugend unbestechliche Charr-Logik halt, dazu muss man nichts weiter sagen. Charr und sein großes Team werden Moskau schon rocken und den bedeutenden WBC-International-Titel holen, soviel scheint jedenfalls aus Charrs Sicht schon mal sicher zu sein. Manuell Charr hat ein Selbstbewusstsein, wie es ein Boxer eben braucht. Überzeugt von seinem Sieg sagt er:

„Gemeinsam werden wir Povetkin schlagen, den WBC International Titel nach Deutschland holen und dann auch Weltmeister werden. Dieser Kampf ist dazu der Schlüssel. Da ich Mitte April gegen Kevin Johnson geboxt habe, bin ich sowieso in sehr guter Form. Ich verspreche allen meinen Fans, dass ich mich perfekt auf den Kampf vorbereiten und einstellen werde. Das wird eine große Schlacht. Und am Ende werde ich der Sieger sein.“

Manuel Charr stellt das Ganze so dar, als wäre es sein Erfolg, dass dieser Kampf ansteht. Nun gut, das kann man sehen wie man will. Geht man allerdings davon aus, wer den Kampf will, ihn finanziert und wo stattfinden lässt, kommt man auch sehr schnell dahinter, welche Rolle Manuel Charr zugedacht ist. Povetkin braucht mindestens einen Kampf um wieder um den WBA-Titel kämpfen zu können, auf dem er sich dann wieder die nächsten Jahre ausruhen kann. Der WBC-International interessiert ihn genau so wenig wie zuvor Tony Thompson. Dagegen glaubt Charr, dass ihn der WBC-International einem Kampf um den „richtigen“ WBC-Titel näher bringt. Dabei lässt er allerdings unbeachtet, dass der WBC-Titel erst einmal zwischen Arreola und Stiverne neu ausgeboxt werden muss und selbst die nächsten beiden Titelverteidigungen danach schon weitgehend feststehen. In diesem Jahr wird es also kaum noch etwas werden mit der WBC-WM, selbst wenn er bei seinem Heimspiel in Moskau gegen Povetkin gewinnen sollte. Ein Gedanke daran, was aus seinen Weltmeisterträumen wird falls er gegen Povetkin verliert, wird gar nicht erst verschwendet. Schließlich hat man ja ein gesundes Selbstbewusstsein.

Alexander Povetkin wäre auf jeden Fall ein Gegner, an dem es nichts auszusetzen gibt. Man kann nur hoffen, dass es diesmal dabei bleibt. Ein Kampf gegen David Haye stand ja auch schon mal felsenfest.

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